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Neue Dachmarke bündelt Aus- und Weiterbildung im Holzbau
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Reinhard Hansmann, Gustav Spener und Oskar Beer © Martin Schönbauer
Mit der Initiative „Holz+ Campus Steiermark“ wollen die WKO-Landesinnungen Holzbau und Handwerk und die Kammer der Ziviltechniker:innen gemeinsam mit ihren Bildungseinrichtungen WIFI und ZT-Forum eine verstärkte Zusammenarbeit mit weiteren fachspezifischen Ausbildungsstätten der Steiermark etablieren.
Der Baustoff Holz und der Holzbau gewinnen eine immer größere Bedeutung. Der Werkstoff Holz ist beliebt und wird in so gut wie allen modernen Bauformen eingesetzt: ob bei Einfamilienhäusern, Industrie-hallen, Bildungsbauten oder Bauten im Gesundheitsbereich u. v. m. Zudem gehört der Holzbau in der Steiermark zu den europäischen Spitzenreitern in den Bereichen Innovation und in der Umsetzung technologischer Herausforderungen, etwa bei Holz-Hochhäusern und im Mehrgeschoßwohnbau. Allerdings können noch zu wenige besonders auf den Holzbau spezialisierte Unternehmen die planerischen und technischen Herausforderungen reibungslos auf der Holzbaustelle umsetzen. „Diese Spitzenleistungen wollen wir jetzt vermehrt in die Breite bringen. Es geht darum, eine gemeinsame Wissensbasis zu etablieren. Immer wieder stellen wir fest: Treffen Architekt, Zivilingenieure, Statiker oder Bauphysiker auf der Baustelle auf den Holzbauer und andere Handwerker, dann werden viele Details oft neu erfunden, quasi Unikate erstellt, wenn es um konkrete bauliche Herausforderungen geht: etwa bei Abdichtungen im Bad, der Durchführung von Leitungen oder wenn mehrere Baukomponenten wie Elektrik, Statik oder ästhetische Erfordernisse aufeinandertreffen“, erklärt Oskar Beer, Landesinnungsmeister Holzbau in der Wirtschaftskammer Steiermark.

An einem Strang ziehen
Darum wollen jetzt die Landesinnung Holzbau in der Wirtschaftskammer Steiermark (WKO), die Kammer der Ziviltechniker:innen für Steiermark und Kärnten (ZT Kammer), das Ziviltechniker-Forum sowie das WIFI Steiermark an einem Strang ziehen, um Planende und Ausführende in gemeinsamen Bildungsangeboten zusammenzubringen.
Durch die Zusammenarbeit und Nutzung von Synergien bestehender Ausbildungsstätten wird die Schaffung neuer Bildungsangebote im holzbaulichen Bereich angestrebt. Die ganzheitliche Vermarktung aller Aktivitäten durch und für alle Beteiligten unter einer „neutralen“ Dachmarke „Holz+ Campus Steiermark“ soll Synergien bündeln und Doppelgleisigkeiten verhindern.
„Abgesehen von Holzbauspezialisten, die viel Erfahrung und Know-how in planerischen wie bauhandwerklichen Bereichen mitbringen, fehlt es auf Baustellen häufig an gegenseitigem Verständnis. Oft sprechen Planende und Ausführende unterschiedliche Sprachen. Bringen wir alle Beteiligten durch Kurse, Vorträge, Veranstaltungen oder Führungen verstärkt zusammen und fördern den Austausch, profitieren alle davon: Reibungsverluste werden reduziert und Schnittstellenprobleme vermieden. Denn werden solche Probleme erst auf der Baustelle erkannt, ist es meist zu spät – notwendige Änderungen führen dann zu erhöhten Kosten“, weiß Gustav Spener, Präsident der Kammer der Ziviltechniker:innen für Steiermark und Kärnten.
„Führen wir in Kursen, Vorträgen, Veranstaltungen, Führungen etc. Planende und Ausführende zusammen und lernen wir voneinander, bringt das für alle große Vorteile und reduziert Reibungsverluste.“
Gustav SpenerPräsident der Ziviltechniker:innenkammer für Steiermark und KärntenKomplexe Herausforderungen
Die Herausforderungen im modernen Holzbau sind komplex, treffen doch in der Umsetzung verschiedene Gewerke wie Holzbau-Meister, Elektroetechniker, Bauwerksabdichter etc. aufeinander. Habe früher ein Baumeister Bauwerke aus der Statik heraus errichtet, sei die heutige Bauweise komplexer. „Die Herausforderungen sind jetzt vielschichtiger, es kommen Ziviltechniker wie Architekten und Statiker u. A. dazu. Es geht darum, die an einem Bauwerk beteiligten Leute zusammenzuführen – und das schon im Vorfeld, in der Ausbildung, wo sie gemeinsam das neue Wissen erlernen, das sie in der Zusammenarbeit effizient anwenden können“, so Oskar Beer.
„Es geht darum, die an einem Bauwerk beteiligten Fachleute schon im Vorfeld, in der Ausbildung, zusammenzuführen.“
Oskar BeerLandesinnungsmeister Holzbau in der WKO SteiermarkMit der modernen und verstärkten Verwendung des Baustoffes Holz sind den Holzbauern und speziell den Architekten und Zivilingenieuren neue Aufgabenfelder erwachsen. „Holz gewinnt für uns Planende zunehmend an Bedeutung, da es nachhaltig, ästhetisch und funktional überzeugt. Im Schulbau wird der Raum oft als ,3. Pädagoge‘ bezeichnet: Holz schafft eine warme, natürliche Atmosphäre, die Konzentration und das Wohlbefinden der Schülerinnen und Schüler fördert. Im Gesundheitsbau entfaltet Holz seine heilende Kraft – es reduziert nachweislich Stress, senkt die Herzfrequenz und unterstützt den Heilungsprozess. Damit verbindet Holz ökologische Verantwortung mit gesundheitsförderndem, zukunftsfähigem Design. Als nachwachsender, regionaler Rohstoff verdient Holz daher auch in der Aus- und Weiterbildung die gebührende Aufmerksamkeit, die wir fördern möchten“, so Burkhard Schelischansky, Vorsitzender der Sektion Architekt:innen der ZT Kammer.
Holz müsse immer mehr Bauaufgaben erfüllen, weiß Gustav Spener und betont weiter: „Viele Architekten planen nur mehr in Holz, haben sich auf Holz spezialisiert, wobei das Thema Holz zusätzliche Bauaufgaben mit sich bringt. Zum Beispiel beim Thema Nachverdichtung, sprich Aufstockung, hat der Baustoff Holz viele Vorteile, etwa weil er leichter ist. Deswegen wird er auch mehr eingesetzt und erfüllt komplexere Aufgaben.“ Diese Komplexität der Aufgabenstellung werde jedoch auch in der Aus- und Fortbildung von Architekten und Zivilingenieuren nicht entsprechend berücksichtigt.
„Als nachwachsender, regionaler Rohstoff verdient Holz auch in der Aus- und Weiterbildung die gebührende Aufmerksamkeit, die wir fördern möchten.“
Burkhard SchelischanskyZT-Kammer, Vorsitzender Sektion Architekt:innenWissensprojekt mit Mehrwert für alle
Darum sei die Zusammenarbeit und Praxiserprobung für die Hebung des Verständnisses aller Beteiligten von enormer Bedeutung. Es gehe um eine gemeinsame Sprache und ein gegenseitiges Verständnis der Bauaufgaben. Hier gemeinsame Bildungsformate zu entwickeln sei „eine einzigartige Chance“, ist Spener überzeugt. Finde der Austausch vor Baubeginn statt und nicht erst auf der Baustelle, lässt sich auf jeden Fall effizienter und konfliktfreier bauen.
Auch der obersteirische Holzbauunternehmer Reinhard Hansmann betont: „Werden Entscheidungen erst auf der Baustelle getroffen, ist es schon zu spät: Insbesondere bei den immer wieder auftretenden Problemen bei Abdichtungen oder der Statik – Stichwort Knotenpunkte – macht eine bessere Zusammenarbeit viel Sinn. In diesen Fällen spielt das gegenseitige Verständnis und ein wachsendes Problembewusstsein eine entscheidende Rolle.“
„Die Anforderungen im Holzbau werden technisch immer komplexer, umso wichtiger, dass nun alle involvierten Experten hier gemeinsam initiativ werden.“
Reinhard HansmannHolzbau-Meister in der WKO SteiermarkGustav Spener sieht in einem neuen, gebündelten Bildungsformat die Chance auf „eine Kommunikation auf Augenhöhe, getragen von Wertschätzung“. Spener: „Darum muss es uns gelingen, unsere neue Dachmarke zu stärken und die Ausbildung für unsere Zielgruppen aus dem Bauhandwerk, den Planenden und Ausführenden wie Tischler, Zimmerer, Dachdecker etc., zusammenzuführen. Theoretiker wie Praktiker sollen gleichermaßen angesprochen werden. Dieses Wissensprojekt bringt einen Mehrwert für alle. Nur so können wir letztlich am Markt bestehen.“
Oskar Beer sieht in der Bündelung der Ausbildungsformate für alle beteiligten Professionen im Holzbau eine große Zukunftschance: „Das Niveau der Handwerksqualität im Holzbau ist in der Steiermark und in Österreich sehr hoch. Mit unserem dualen Ausbildungssystem in der Lehre schaffen wir viel theoretisches und praktisches Wissen, das im Holzwohnbau oder bei Holz-Hochhäusern zur perfekten Anwendung kommt. Mit unserer Initiative wollen wir einerseits das Wissen verbreitern und durch die ausgewogene Verknüpfung von Theorie und Praxis in der Fortbildung die Teilnehmer:innen darauf vorbereiten, den tatsächlichen Anforderungen ihres beruflichen Alltags besser gerecht zu werden.“
Zu den Trägerorganisationen WKO Steiermark und der ZT Kammer mit ihren Bildungseinrichtungen WIFI und dem ZT-Forum sollen auch weitere Ausbildungsinstitutionen und Bildungseinrichtungen hinzukommen und zu einem gemeinsamen Auftritt motiviert werden. „Wir laden alle Netzwerkpartner ganz herzlich ein, gemeinsam mit uns die Zukunft des Holzbaus zu gestalten und die Steiermark als starkes Bildungszentrum für den Holzbau zu positionieren“ so die Initiatoren des Holz+ Campus Steiermark.
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