Best Practice
Holzbau. Handwerk. Hightech.
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Während vielerorts über die Zukunft des Bauens diskutiert wird, lebt man sie in der Steiermark bereits. Der steirische Holzbau zeigt, wie Nachhaltigkeit, Innovationskraft und Lebensqualität zu einem überzeugenden Gesamtmodell verschmelzen.
Die Bauwirtschaft befindet sich im Wandel – und genau darin liegt ihre große Chance. In der Steiermark wächst eine Antwort auf diese Entwicklung seit Jahrzehnten ganz natürlich heran: Holz. Holz hat sich in der grünen Mark vom traditionellen Baustoff zum strategischen Erfolgsfaktor entwickelt. Und die Steiermark ist sein überzeugendstes Schaufenster.
Ein Rohstoff mit Haltung
Mit einem der höchsten Waldanteile Europas verfügt das Bundesland über eine Ressource, die nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch ökonomisch klug genutzt wird. Holz steht für regionale Wertschöpfung, kurze Transportwege und eine Bauweise, die Ressourcen bindet statt verbraucht. Vor allem aber steht es für eine neue Form des Bauens: schneller, leichter, flexibler – und bemerkenswert leistungsfähig.
Denn modernes Bauen mit Holz hat mit dem Klischee der rustikalen Almhütte wenig gemein. Heute entstehen mehrgeschoßige Wohnbauten, Bildungs- und Kulturbauten, Gewerbeimmobilien und öffentliche Gebäude aus Holz – präzise vorgefertigt, architektonisch anspruchsvoll und technisch auf höchstem Niveau.
Hightech aus dem Wald
Holz überzeugt mit hoher Tragfähigkeit, exzellenten Dämmeigenschaften und einem Raumklima, das nachweislich das Wohlbefinden steigert. Gleichzeitig ermöglicht der hohe Vorfertigungsgrad eine Planungssicherheit, die in anderen Bauweisen zunehmend rar wird. Effizienz ist im Holzbau kein Schlagwort, sondern Standard.
Holz ist aber auch Wirtschaftsfaktor. Die steirische Holzbranche verbindet Forstwirtschaft, industrielle Verarbeitung, Hightech-Forschung und spezialisiertes Handwerk zu einer außergewöhnlich stabilen Wertschöpfungskette. Dieses Zusammenspiel schafft Arbeitsplätze, Innovationskraft und eine internationale Wettbewerbsfähigkeit, um die andere Regionen die Steiermark beneiden.
Wertschöpfung mit Tiefgang
Eine zentrale Rolle spielt dabei auch die konsequente Wissensvermittlung und Vernetzung. Initiativen und Plattformen wie proHolz Steiermark tragen dazu bei, den Holzbau als selbstverständliche Option für private wie öffentliche Bauherren zu positionieren. Sie zeigen: Nachhaltigkeit ist kein Verzicht, sondern ein Qualitätsgewinn – ökologisch wie wirtschaftlich.
Holz wird damit zum Bindeglied zwischen ökologischer Verantwortung und wirtschaftlicher Vernunft. Es ermöglicht Gebäude, die langfristig Bestand haben – technisch, gestalterisch und gesellschaftlich.
Architektur, die man spürt
Was den Holzbau jedoch endgültig aus der rein technischen Diskussion herausholt, ist seine Wirkung auf den Menschen. In Holz zu wohnen, zu arbeiten oder zu lernen, fühlt sich anders an – wärmer, ruhiger, natürlicher. Holz reguliert Feuchtigkeit, verbessert die Raumakustik und schafft eine Atmosphäre, die Geborgenheit vermittelt, ohne auf Modernität zu verzichten. Studien bestätigen, was Nutzer längst wissen: Holzräume senken Stress, steigern Konzen-tration und fördern das Wohlbefinden.
Genau deshalb hat sich der Holzbau längst aus dem klassischen Wohnbau emanzipiert. Heute prägt er sensible Bereiche unseres Alltags – von Kindergärten und Schulen über Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser bis hin zu Büro- und Verwaltungsbauten. Überall dort, wo Menschen Zeit verbringen, Verantwortung tragen oder Ruhe finden sollen, entfaltet Holz seine stille Stärke. Es ist ein Baustoff, der nicht dominiert, sondern begleitet – und damit perfekt zur Architektur einer neuen Lebensqualität passt.
Vom Anspruch zur Praxis
Erst an diesem Punkt wird sichtbar, warum der Holzbaupreis Steiermark mehr ist als eine Auszeichnung. Er ist eine Leistungsschau dessen, was möglich wird, wenn Gestaltung, Technik und Materialverständnis zusammenspielen. Die prämierten Projekte stehen nicht isoliert da – sie sind Ausdruck einer Baukultur, die Holz als zeitgemäßen Baustoff versteht und konsequent weiterdenkt.
Ob kompakter Bildungsbau, sensibel in die Landschaft integriertes Wohnprojekt oder funktionale Gewerbebauten mit architektonischem Anspruch: Die ausgezeichneten Arbeiten zeigen, wie vielseitig und selbstverständlich Holz heute eingesetzt wird. Sie erzählen von Mut zu Innovation, von regionaler Kompetenz und von einer Haltung, die Zukunft aktiv gestaltet.
Ausgezeichnetes Bauen
Die Steiermark beweist damit eindrucksvoll, dass nachhaltiges Bauen kein theoretisches Ziel ist, sondern gelebte Praxis sein kann. Holz wird hier nicht nur verbaut – es wird weiterentwickelt, neu interpretiert und strategisch eingesetzt. In einer Zeit des Umbruchs ist das eine Botschaft mit Signalwirkung.
Oder, um es anders zu sagen: Wer heute über zukunftsfähiges Bauen spricht, kommt an Holz nicht vorbei. Und wer sehen will, wie dieses Potenzial erfolgreich genutzt wird, blickt in die Steiermark.

Holzbau: Best Practice aus der Steiermark
Gratwein-Straßengel, Am Grünanger 14a
Die Wohnanlage Grünanger in Gratwein setzt mit 63 Wohnungen ein markantes Signal für zeitgemäßen Holzwohnbau. Im Auftrag der Siedlungsgenossenschaft Ennstaler entwickelte SUPERARCHITEKTUR gemeinsam mit Statiker Peter Rath und Kulmer Bau eine Siedlung aus Punkt- und Riegelhäusern, deren Höhen sich sensibel zur Nachbarschaft abstufen. Zentrum bildet ein frei nutzbarer Gemeinschaftsraum mit Küche und Sanitär, der das Miteinander stärkt.
Klare nach Westen und Süden orientierte Grundrisse, großteils natürliche Belichtung der Bäder sowie Querdurchlüftung prägen die Wohnqualität. Überdurchschnittlich große Balkone und geschützte Erschließungen fördern Kommunikation. Workshops zur Freiraumgestaltung knüpften früh soziale Netze und sichern allen Einheiten Ausblick ins Grüne.
Wolfram Sacherer, Vorstandsdirektor Wohnbaugruppe Ennstal: „Uns war es wichtig, auf eine konsequet regional nachhaltige Bauweise zu setzen, die auch architektonisch überzeugt. Die Auszeichnung mit dem Holzbaupreis zeigt: Sozialer Wohnbau, Architektur und Nachhaltigkeit gehören zusammen. Der Preis bestätigt den Weg, den wir eingeschlagen haben. Dieses Projekt beweist, dass Holzbauweise auch im mehrgeschoßigen Wohnbau nicht nur möglich, sondern gestalterisch und funktional wegweisend ist.“

Kindergarten Hausmannstätten
Der Kindergarten Hausmannstätten ist Ergebnis eines Architekturwettbewerbs der Marktgemeinde, die mit dem Ankauf eines benachbarten, fast 200 Jahre alten Bauernhofs neue Spielräume gewann. Kaschnig | Wührer Architekten transformierten Wohnhaus und Stadel behutsam zu einem modernen Bildungsensemble, während der baufällige Stall als Holzbau von Strobl Bau erneuert und verlängert wurde. Ein grüner Hof mit prägendem Bestandsbaum bildet das kommunikative Zentrum; großzügige Verglasungen und farbige Sitzfenster schaffen Identität für die Gruppen. Ausgelegt sind die Räumlichkeiten für sieben Gruppen und bis zu 150 Kinder. Transparente, koppelbare Erschließungen ermöglichen flexible Nutzung von Gang und Räumen. Das Projekt verknüpft Geschichte mit Gegenwart und stärkt den Standort im Dorfzentrum neben der Kirche.
Lokale Holzbaukompetenz wird hier sichtbar gemacht. „Die Bauweise hat für die Kinder und auch die Mitarbeitenden etwas Beruhigendes. Wir fühlen uns alle sehr, sehr wohl. Das Holz strahlt einfach so viel Wärme und Wohlbehagen aus“, bestätigt Haike Moser, Leitung Kindergarten der Marktgemeinde Hausmannstätten.

Haus Fortmüller
Das Haus Familie Fortmüller im südoststeirischen Hügelland zeigt, wie ländlicher Bestand ökonomisch und sozial neu genutzt werden kann. Im Auftrag von Bauherr Luis Fortmüller entwickelte NOW Architektur gemeinsam mit ConLignum ZT und LAPPI & LAPPI Holzbau eine Erweiterung einer fast zweihundertjährigen Hofstelle zwischen Streuobstwiese und Weinreben. Vorgaben waren Barrierefreiheit, Raum für Familie, Gäste und mögliche Pflege sowie eine einfache, kostenbewusste Holzbauweise mit sichtbaren Oberflächen. Bestand und Zubau formen eine fließende Wohnlandschaft, die sich nach Süden und Osten auf eine begrünte Veranda unter hangparallel geführtem Pultdach öffnet. Die klare Abfolge vom Eingang über den gemeinschaftlichen Wohnraum bis zu privaten Rückzugszonen verbindet modernes Wohnen mit der Wertschöpfung regionaler Holzbaukompetenz und der Qualität der Kulturlandschaft.
„Die Erweiterung des bestehenden Wohnhauses mit Holz war ein sehr nachhaltiges Projekt“, erklärt Josef Koppelhuber, Geschäftsführer der ConLignum ZT GmbH. „Die sehr effiziente Lösung durch die Verwendung von großformatigen Platten brachte zahlreiche Vorteile, zum einen etwa die Vielfalt der Möglichkeiten, zum anderen hat diese Wahl auch statische Vorteile.“

Wirtschaftsgebäude Obdach
Das Wirtschaftsgebäude in Obdach, realisiert von ALPE Zimmerei und Tischlerei, erweitert eine bestehende Hofanlage auf über 1.000 Metern Seehöhe. Der Stall im Erdgeschoß bietet den Rindern mehr Platz und zeitgemäßen Komfort, darüber wurden Heulager und Technikzone vergrößert. Spannweiten ohne Stützen ermöglichen den Einsatz von Belüftungsanlage und Heukran. Als Tragwerk kamen fünf Bogenbinder aus Holz zum Einsatz, ergänzt durch Pfetten, Sparren und trennbare Trocknungskammern. Der in den Hang gesetzte Sockel besteht aus Stahlbeton; darauf lagert eine Tramdecke mit Brettsperrholzplatten-Aussteifung. Eine Lärchenfassade mit vertikaler Struktur übernimmt die Geometrie des Bestands und fügt den Bau harmonisch in Landschaft und regionale Wertschöpfung ein.
„Vor allem die Konstruktion ist besonders. Durch den Einsatz der Bogenbinder entstand ein großzügiger Raum, in dem keine Säulen im Weg sind und viel freier Spielraum zur Bewirtschaftung besteht“, erklären Gudrun und Johann Almer, Prokuristin und Geschäftsführer der ALPE Zimmerei und Tischlerei.

Montagehalle
Die Montagehalle von Holzbau Fürnschuß GmbH ist konsequent als unternehmenseigener Holzbau ausgeführt und stärkt die betriebliche Wertschöpfung. Auf rund 500 m² werden Holzbauteile vorgefertigt, zwischengelagert und für den Transport bereitgestellt. Der Grundriss folgt einem 5-Meter-Raster und ermöglicht eine effiziente Produktionsabfolge mit Materiallager, Bearbeitungszone und Stapellager zu gleichen Teilen. Ein 5-Tonnen-Deckenkran, Baubuche für die Kranbahn sowie Brettschichtholz für Stützen und Pultdachträger zeigen den materialgerechten Ansatz. Viel Tageslicht, Heizung und geschützte Erschließungen schaffen zeitgemäße Arbeitsbedingungen. Bestehende Elemente wie Spänesilo und Technikraum wurden integriert und unterstreichen den wirtschaftlich nachhaltigen Charakter des Standortausbaus. „Mit der Montagehalle sind wir am Zahn der Zeit und konnten die Vorteile des Holzbaus ideal nutzen. Diese Qualität schätzen auch unsere Kunden und Kundinnen sehr. Vor allem, dass man dank der Vorfertigung die Montagezeiten auf Baustellen gering halten kann und trotzdem die Qualitat hoch bleibt“, weiß Stefan Ohler, Geschäftsführer von Holzbau Fürnschuß. Auch Zimmerer Daniel Schwab schätzt die neue Montagehalle: „Die Atmosphäre ist sehr angenehm, dank dem durchdachten Einsatz der Fenster ist der Arbeitsraum sehr hell und das Holz schluckt viel vom Schall.“

Feuerwache Graz Ost
Mit dem Neubau der Feuerwache Graz Ost entstand am Dietrichsteinplatz eine zeitgemäße Sicherheitsinfrastruktur, bei der Holz eine zentrale Rolle spielt. Über der massiv ausgeführten Wagenhalle erhebt sich ein zweigeschoßiger konstruktiver Holzbau, der Funktionalität, Nachhaltigkeit und Aufenthaltsqualität verbindet. Holz prägt Tragwerk, Innenräume und Arbeitsumfeld und schafft ein gesundes Raumklima für den 24-Stunden-Dienstbetrieb – erstmals auch mit eigenem Sanitärbereich für Feuerwehrfrauen.
Ergänzt wird der Holzbau durch begrünte Fassaden und Dächer, die das Mikroklima verbessern und Ressourcen schonen. Die Feuerwache verbindet robuste Einsatzarchitektur mit klimapolitischem Anspruch und zeigt, wie moderner Holzbau auch im sicherheitsrelevanten Kontext neue Maßstäbe setzen kann. „Unser Bestreben ist es schon lange, städtische Projekte umweltverträglicher und CO2-neutraler zu realisieren. Diesbezüglich haben wir uns beim Gebäude- und Baumanagement der Stadt Graz selbst sehr strenge Auflagen gemacht. Die ersten beiden Gechoße wurden in Holzbau umgesetzt. Das ist unter anderem auch ideal für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das Raumklima mit Holz als Baumaterial ist einfach ein ganz anderes als bei anderen Materialien.“

Krankenhaus der Elisabethinen Graz
Mit dem Neu- und Zubau des Krankenhaus der Elisabethinen Graz entsteht im Zentrum von Graz ein zukunftsweisender Gesundheitsbau, der medizinische Exzellenz mit nachhaltiger Architektur verbindet. Der kompakte Neubau vereint zentrale Fachabteilungen unter einem Dach und setzt auf einen konstruktiven Holzhybridbau aus Brettsperrholz, Massivholzdecken sowie tragenden Stützen und Unterzügen. Diese „elisabethinische Bauweise“ verbindet die klösterliche Tradition des Ordens mit den Anforderungen urbaner Gesundheitsversorgung. Holz übernimmt dabei eine tragende Rolle – nicht nur aus ökologischen Gründen, sondern auch wegen seiner positiven Wirkung auf Wohlbefinden und Regeneration. Das Projekt gilt als Impulsgeber für gesunde, nachhaltige Spitalsarchitektur in Österreich. „Diese Holzhybridbauweise verfolgt nicht nur den wichtigen Aspekt der Nachhaltigkeit, sondern zielt auch darauf ab, gesunde Lebensräume für unsere uns anvertrauten Patientinnen und Patienten sowie unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu schaffen“, betont Christian Schroffenegger, der Verwaltungsdirektor der Elisabethinen. „Die Ausstattung vermittelt Wärme und Geborgenheit – Faktoren, die oftmals nicht mit Krankenhäusern assoziiert werden, aber gerade im psychiatrischen Bereich besonders positiven Einfluss haben“, ergänzt Desiree Amschl-Strablegg, Bereichsleitung Palliativ und Hospiz.

Steiermarkhof
Mit dem „Steiermarkhof“ in Graz wurde im September 2024 das europaweit erste PEFC-zertifizierte Hotel feierlich eröffnet. Der Wirtschaftsbetrieb der Landwirtschaftskammer Steiermark mit seinen 66 Zimmern, die nach den 11 steirischen Regionen gestaltet sind, sowie dem Veranstaltungszentrum mit 3.000 m2 Fläche und 20 Räumen für Seminare, Tagungen, Kongresse und Großveranstaltungen zeigt einmal mehr eindrucksvoll, wie attraktiv und zugleich nachhaltig das Bauen mit Holz sein kann. Das Bildungszentrum verbindet Tradition mit Innovation und setzt dabei vollständig auf heimisches Holz – ein Vorzeigeprojekt für klimafreundliches Bauen in Österreich. Andreas Steinegger, Präsident der Landwirtschaftskammer Steiermark, dazu: „Der Umbau des Steiermarkhofs ist bewusst als Holzbau realisiert worden, aus gutem Grund. Holz ist ein nachwachsender, regional verfügbarer Baustoff und steht wie kaum ein anderer für nachhaltiges, verantwortungsvolles Bauen. Seine positive Klimabilanz, insbesondere die Fähigkeit, CO₂ langfristig zu binden, leistet einen wesentlichen Beitrag zum Klimaschutz und entspricht den Zielen des Steiermarkhofs in besonderem Maße. Insgesamt wurden 980 Kubikmeter heimisches Holz verbaut. Es schafft ein angenehmes, gesundes Raumklima. Damit unterstützt der Holzbau die Nutzung des Steiermarkhofs als Bildungs-, Begegnungs- und Veranstaltungsort auf besondere Weise.“







