Interview
Aufbruch unter Druck
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Wirtschaftslandesrat Willibald Ehrenhöfer © Helmut Lunghammer
Leichtes Wachstum, große Transformationen und ein Standort im Spannungsfeld zwischen Stabilität und Risikobereitschaft: Wirtschaftslandesrat Willibald Ehrenhöfer über ein Jahr der Entscheidungen.
BUSINESS MONAT: Herr Landesrat, ist 2026 für die steirische Wirtschaft ein Aufbruchsjahr – oder ein Jahr der Bewährungsprobe?
Willibald Ehrenhöfer:Ich bin Realist. Es wird beides sein. Manche Bereiche stehen nach wie vor unter Druck, andere investieren bereits stark. Wichtig ist jetzt, das zarte Wachstum zu unterstützen. Zudem vertraue ich auf unsere Wirtschaftsforscher, die für das heurige Jahr ein leichtes Wirtschaftswachstum von rund 1,0 bis 1,2 Prozent pro-gnostizieren.
Wo steht die Steiermark wirtschaftlich zu Beginn des neuen Jahres im Vergleich zu anderen europäischen Industrieregionen?
Die Steiermark steht wirtschaftlich auf einem soliden Fundament und zählt auch 2026 zu den starken Industrieregionen Europas. Wir punkten mit hoher Innovationskraft, einer soliden Exportwirtschaft und der engen Zusammenarbeit von Industrie und Forschung. Gleichzeitig spüren wir – wie ganz Europa – große Herausforderungen. Entscheidend ist daher, gezielt auf unsere Standortstärken zu bauen und die laufenden Transformationen in der Industrie aktiv zu gestalten. Das tun wir ganz gezielt.
Viele Unternehmer:innen sprechen von Unsicherheit. Was braucht der Standort Steiermark 2026 am dringendsten: Stabilität oder Mut zum Risiko?
Es braucht Stabilität und Mut zum Risiko. Unternehmer brauchen verlässliche Rahmenbedingungen – daran arbeiten wir seitens der Politik und dies ist eines der zentralen Ziele unserer Standortpartnerschaft. Gleichzeitig braucht es den Mut, in neue Technologien und Märkte zu investieren und über den Tellerrand hi-nauszublicken. Wir haben hohe Exzellenz und sehr innovative Köpfe in unserem Land. Stabilität ist die Basis, Mut entscheidet für eine erfolgreiche Zukunft.
Energie, Bürokratie, Arbeitskräfte – welches dieser Themen entscheidet 2026 über Erfolg oder Stillstand?
Keines allein entscheidet – alle drei Themen sind wesentliche Bausteine für den Erfolg unseres Standorts. Kostengünstige Energie und effiziente Verwaltung sind wichtig, aber ohne qualifizierte Arbeitskräfte kann kein Standort wachsen.
KI und Automatisierung verändern ganze Wertschöpfungsketten. Ist die steirische Wirtschaft darauf vorbereitet?
Die Steiermark hat alle Voraussetzungen, um an der Spitze dieser digitalen Entwicklung zu stehen – entscheidend ist, die vorhandenen Möglichkeiten konsequent zu nutzen. Um auch künftig erfolgreich zu sein, müssen wir mit der Entwicklung nicht nur Schritt halten, sondern Taktgeber werden. Ich bin überzeugt, dass wir mit unserer geballten Innovationskraft die digitale Zukunft aktiv mitgestalten können. Wichtig ist beim Thema KI, kleine Schritte mit klaren Zielen zu setzen, um die Menschen und Betriebe nicht zu überfordern.
„Stabilität ist die Basis, Mut entscheidet über eine erfolgreiche Zukunft.“
Willibald EhrenhöferWirtschaftslandesratWie verhindern Sie, dass kleine und mittlere Betriebe bei der Transformation abgehängt werden?
Die Steirische Wirtschaftsförderung SFG arbeitet laufend an gezielten Förderungen, um gerade kleine und mittlere Betriebe bei der Transformation zu unterstützen, insbesondere bei grünen und digitalen Projekten. Zusätzlich setzen wir auf Beratung und Bewusstseinsbildung, denn der digitale und grüne Wandel ist Voraussetzung, um aktuelle Herausforderungen zu meistern und langfristig erfolgreich zu bleiben.
Förderungen stehen oft in der Kritik. Nach welchen Prinzipien sollen öffentliche Mittel 2026 vergeben werden?
Ich habe bereits zu Beginn meiner Tätigkeit als Finanzlandesrat klar festgelegt, dass Doppelgleisigkeiten künftig vermieden werden müssen. Förderungen müssen zielgerichtet sein und einen klar erwartbaren Nutzen für den Standort bringen. Sonst werden Förderungen zu dauerhaften Subventionen, und das ist nicht gut für eine funktionierende Marktwirtschaft.
Der Fachkräftemangel bleibt hartnäckig. Welche neuen Wege müssen 2026 gegangen werden?
Wir setzen weiterhin stark auf Qualifizierung, denn sie ist der zentrale Schlüssel zur Lösung dieser Herausforderung. Es geht darum, vorhandene Potenziale zu heben und Menschen rasch und gezielt entsprechend dem Bedarf unserer Betriebe auszubilden. Deshalb haben wir beispielsweise die Pflege- und die DIGI-Stiftung verlängert. Aber auch Lehrlingsausbildung und Fachkräftequalifizierung sind enorm wichtig. In ausgewählten Sektoren werden wir darüber hinaus zu internationalen Fachkräften kommen müssen.
Wie attraktiv ist die Steiermark für internationale Investoren?
Die Steiermark ist ein gefragter Standort – das wird mir in Gesprächen und bei Auslandsreisen immer wieder bestätigt. Gleichzeitig gibt es noch Potenzial nach oben. Gemeinsam mit Kärnten arbeiten wir daran, unseren gemeinsamen Wirtschaftsraum mit hoher Innovationskraft und exzellenter Lebensqualität nachhaltig zu stärken und international noch sichtbarer zu positionieren.
Welche Rolle spielen Nachhaltigkeit und Klimaziele im wirtschaftspolitischen Alltag – Pflicht oder Wettbewerbsvorteil?
Ein klarer Wettbewerbsvorteil. Wer früh auf nachhaltige Lösungen setzt, wird im globalen Wettbewerb die besseren Karten haben. Gerade beim Thema Energie zeigt sich, dass an grünen Technologien kein Weg vorbeiführt.
Woran soll man Ende 2026 erkennen, dass es ein gutes Wirtschaftsjahr für die Steiermark war?
Für mich war es ein gutes Jahr, wenn wieder kräftig in unserem Land investiert wird und unsere Unternehmen erfolgreich wirtschaften können. Deshalb setzen wir heuer seitens der steirischen Landesregierung einen klaren Schwerpunkt auf den Abbau überbordender Bürokratie und arbeiten an einem umfassenden Deregulierungspaket. Denn Investitionen schaffen Arbeitsplätze, Arbeitsplätze sorgen für Einkommen und geben Sicherheit, Sicherheit und Vertrauen lässt wiederum den Konsum steigen.
Zum Abschluss: Was gibt Ihnen trotz aller Herausforderungen Zuversicht für das Wirtschaftsjahr 2026?
Vor allem die Steirerinnen und Steirer, die tagtäglich aufstehen und Enormes für unser Land leisten. Sie sind das Fundament unseres Wohlstands und unserer hohen Lebensqualität. Wir müssen jetzt alle gemeinsam die Ärmel aufkrempeln und für unser Land da sein.
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