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Interview

Eine Frage der (Wahl-)Freiheit

Veröffentlicht
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3 min
LH-Stv. Manuela Khom © Land Steiermark

Landeshauptmann-Stellvertreterin Manuela Khom © Land Steiermark

Wie lassen sich Beruf, Familie und finanzielle Unabhängigkeit miteinander vereinbaren? Landeshauptmann-Stellvertreterin Manuela Khom über Teilzeit, Care-Arbeit, Kinderbetreuung und darüber, warum Vereinbarkeit keine reine Frauensache sein darf.

BUSINESS MONAT: Frau Landeshauptmann-Stellvertreterin, Teilzeitarbeit wird derzeit intensiv diskutiert. Wie sehen Sie dieses Arbeitsmodell?

Manuela Khom: Die Möglichkeit der Teilzeitarbeit ist grundsätzlich etwas Positives, vor allem, wenn Betreuungspflichten bestehen. Problematisch wird es, wenn Frauen – und es sind noch immer mehr Frauen, die in Teilzeit arbeiten, als Männer – sehr lange in Teilzeit bleiben und sich zu wenig um ihre eigene finanzielle Absicherung kümmern. Deshalb müssen wir stärker darüber informieren, was eine langfristige Teilzeitbeschäftigung finanziell bedeutet.

Sie sprechen bewusst von Betreuungspflichten der Familie – nicht der Frauen. Hat sich dieses Rollenbild ausreichend verändert?

Es hat sich viel verändert, geht aber oft noch zu langsam. Betreuungspflichten sind Familienangelegenheiten, keine Frauenangelegenheiten. Genau deshalb stört es mich, wenn diese Diskussion immer wieder ausschließlich als Frauen-thema geführt wird. Auch Väter tragen Verantwortung, selbstverständlich auch nach einer Trennung. Wir brauchen ein gesellschaftliches Bild, in dem Betreuung und Care-Arbeit von beiden Partnern getragen werden.

Ausgangspunkt der aktuellen Debatte war die Aussage von Kanzler Stocker, Kinderbetreuung sei keine Arbeit. Wie haben Sie das wahrgenommen?

Ich war über die Formulierung verwundert. Ich finde es gut, dass er sich dafür entschuldigt hat. Für mich ist entscheidend: Ein Kind ist natürlich zeit-intensiv und fordernd, aber es ist viel mehr als Arbeit. Unsere Aufgabe ist es, Rahmen-bedingungen zu schaffen, damit Familie und Beruf miteinander vereinbar sind.

Was kann die Politik tun, damit echte Wahlfreiheit möglich wird?

Wir müssen die Rahmenbedingungen schaffen, damit Familien tatsächlich wählen können. Dazu gehört einerseits die finanzielle Absicherung. Ich trete etwa schon lange für ein automatisches Pensionssplitting ein, von dem man sich auf Wunsch abmelden kann. Andererseits braucht es ausreichend Kinderbetreuung. Denn Wahlfreiheit existiert nur dann, wenn Eltern tatsächlich die Möglichkeit haben, arbeiten zu gehen, oder sich bewusst dafür entscheiden können, eine Zeit lang zu Hause zu bleiben.

„Betreuungspflichten sind Familienangelegenheiten, keine Frauenangelegenheiten.“
Manuela KhomManuela KhomLandeshauptmann-Stellvertreterin

Wo sehen Sie bei der Kinderbetreuung den größten Handlungsbedarf?

Weniger bei der Zahl der Plätze als bei den Öffnungszeiten. Eltern können ihren Job nicht danach auswählen, wann der Kindergarten geöffnet hat. Kinderbetreuung muss sich stärker an den Bedürfnissen der Eltern orientieren, nicht umgekehrt. Wir haben in der Steiermark im vergangenen Jahr 92 neue Gruppen geschaffen. Der nächste Schritt muss sein, die Randzeiten flexibler abzudecken. Dafür braucht es aus meiner Sicht nicht zu jeder Stunde voll ausgebildetes pädagogisches Personal. In den Randzeiten geht es in erster Linie um verlässliche, gute Betreuung.

Care-Arbeit betrifft aber nicht nur Kinder, sondern zunehmend auch die Pflege von Angehörigen. Wie könnte man Familien hier besser unterstützen?

Wenn Pflege innerhalb der -Familie übernommen wird, sollte aus meiner Sicht das Pflegegeld stärker jener Person zugutekommen, die diese Arbeit tatsächlich leistet. Wer dafür seine Erwerbs-arbeit reduziert, hat schließlich einen konkreten finanziellen Nachteil. Eine klarere Regelung könnte hier vieles erleichtern. Auch bei der Pflege müssen wir stärker darüber sprechen, wie wir jene absichern, die Verantwortung übernehmen.

Beim Gender-Pay-Gap gibt es nur langsam Fortschritte. Wo liegt aus Ihrer Sicht das eigentliche Problem?

Wir reden oft davon, mehr Frauen in -typische Männerberufe zu bringen. Das ist auch richtig. Aber wir müssen genauso darüber sprechen, mehr Männer in klassische Frauenberufe zu bringen. Denn viele dieser Berufe werden schlechter bezahlt. Gleichzeitig müssen wir Frauen darin stärken, ihren eigenen Wert einzufordern. Männer gehen häufig selbstverständlicher zur Führungskraft und verlangen mehr Gehalt. Frauen dürfen ebenso sagen: Ich leiste gute Arbeit – was ist sie wert?

Welchen Satz würden Sie in dieser Debatte gerne irgendwann nicht mehr hören müssen?

„Gleicher Lohn für gleiche Arbeit.“ Nicht weil die Forderung falsch wäre, sondern weil wir sie seit so vielen Jahren wiederholen müssen. Mein Ziel wäre, dass dieser Satz irgendwann überflüssig wird, weil es keine Rolle mehr spielt, welchem Geschlecht jemand angehört. Das wird nicht von heute auf morgen passieren. Aber auch Schritt für Schritt kommt man ans Ziel.

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