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Gesundheit

Künstliche Intelligenz im Gesundheitswesen

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Künstliche Intelligenz im Gesundheitswesen

© Shutterstock

Zwischen Innovation und Sicherheit: Einen Ausblick auf Chancen, Risiken und Gefahren gab Dominic Neumann dem BUSINESS MONAT.

Das Thema KI ist aktuell überall präsent. Auch im Gesundheitswesen beschäftigt man sich intensiv damit, wie digitale Systeme Prozesse unterstützen und vereinfachen können. Im Interview sprachen wir mit Dominic Neumann, Sachverständiger für IT und Fachgruppenobmann der Fachgruppe Unternehmensberatung, Buchhaltung und Informationstechnologie (UBIT) der Wirtschaftskammer Steiermark, zum Thema.

BUSINESS MONAT: Welche Möglichkeiten ergeben sich durch KI im Gesundheitswesen?

Dominic Neumann: Das Erste, was man voraussetzen muss, ist, dass Gesundheitsdaten von Menschen, personenbezogene Daten, das Wertvollste sind, was es heutzutage gibt. Fürs Marketing, aber natürlich auch für Cybercrime. Das heißt, uns muss bewusst sein, wenn wir KI-Lösungen ins Gesundheitswesen lassen, dann muss diese KI gewisse Voraussetzungen erfüllen. Ich brauche nicht erwähnen, dass die sich an den EU-AI-Act zu halten haben muss. Und um es deutlicher zu sagen, es muss eine sogenannte „AI out of the black box“ sein, also nachvollziehbare KI, und der Mensch muss an sensiblen Stellen zwischendurch eingreifen, bevor es weitergeht – etwa bei der Entscheidung, wer ein Spenderherz bekommt. Wir brauchen ein gewisses Trust-Level in der KI, das heißt: Es muss auch nachvollziehbar sein, mit welchem Datenmaterial das KI-Modell angelernt wurde. Mittlerweile ist es so, dass die großen Chatbots wie ChatGPT, Gemini oder Claude alle voneinander lernen – das heißt, wenn eine Fehlinformationen verbreitet wird, dann übernehmen das die anderen. Ein weiteres wichtiges Thema ist die digitale Souveränität: Wir brauchen vertrauenswürdige, lokal kontrollierte Infrastruktur für Daten und Modelle, sonst sind Patient:inneninformationen – etwa auf internationalen Cloud-Diensten wie Dropbox – anfällig für Manipulation und damit für den klinischen Einsatz untauglich. Europa, und konkret auch Österreich, sollte deshalb in sichere Cloud- und Rechenkapazitäten investieren, um die Verlässlichkeit und Nutzbarkeit KI-gestützter Anwendungen zu gewährleisten.

Dominic Neumann
Dominic Neumann, Sachverständiger für IT und Fachgruppenobmann der Fachgruppe Unternehmensberatung, Buchhaltung und Informationstechnologie (UBIT) der Wirtschaftskammer Steiermark © Foto Fischer

Welche Chancen sehen Sie dabei besonders?

Besonders in der Erkennung von Krankheiten, etwa bei Hautkrebs. Auf der anderen Seite gibt es viele Bereiche, in denen der Mensch der KI noch immer weit überlegen ist. Dieses Zusammenspiel muss uns bewusst sein und das können wir nutzen. Auch die Möglichkeit, Abläufe effizienter zu gestalten und Menschen zu entlasten. Im Gesundheitswesen herrscht hoher Druck – personell, organisatorisch und zeitlich. KI kann dabei helfen, Prozesse besser zu strukturieren und Ressourcen gezielter einzusetzen. Das kann sowohl den Mitarbeiter:innen als auch den Patient:innen zugutekommen.

Viele Menschen stehen KI skeptisch gegenüber. Können Sie das nachvollziehen?

Ja, natürlich. Immer wenn neue Technologien entstehen, gibt es Unsicherheit. Das war etwa auch bei der industriellen Revolution so, und damals sind auch viele Arbeitsplätze weggefallen. Gerade im Gesundheitsbereich ist Vertrauen essenziell. In Japan gibt es beispielsweise bereits Roboter in der Pflege. Deshalb braucht es einen verantwortungsvollen Umgang mit KI und klare Rahmenbedingungen. Natürlich werden auch jetzt Arbeitsplätze wegfallen, aber es werden in anderen Bereichen neue entstehen – da muss man aber schon bei der Ausbildung junger Menschen ansetzen.

Sie stehen dem Thema KI also positiv gegenüber?

Auf jeden Fall. Ich finde es wichtig, in solche Entwicklungen zu investieren, da wir sonst als Menschheit stagnieren.

Welche Rolle spielen steirische Unternehmen bei der KI-Entwicklung?

Die Steiermark ist in den Bereichen Technologie und Innovation sehr gut aufgestellt. Es gibt viele „Hidden Champions“: kleine, mittelgroße Unternehmen, die im Großraum Graz tätig sind und die absolut großartige Ideen, Branchenlösungen und Detaillösungen in der großen Welt der KI haben. Wir sind in Graz dank TU und unseren Fachhochschulen gut aufgestellt, was Ausbildung angeht.

Wie wichtig ist es, dass sich Unternehmen jetzt mit KI auseinandersetzen?

Sehr wichtig. KI wird viele Branchen verändern, deshalb sollte man sich frühzeitig mit den Möglichkeiten beschäftigen. Gleichzeitig braucht es aber auch Verantwortung und einen bewussten Umgang mit der Technologie.

Kann man prognostizieren, was im Bereich KI noch auf uns zukommen wird?

Nein, das würde ich mich nicht mehr trauen. Ich glaube, dass wir uns in dem Bereich – verglichen mit der Menschheitsgeschichte – noch in der Altsteinzeit befinden. Also ganz am Anfang. Und alleine in den letzten zwanzig Jahren hat sich schon so unglaublich viel getan.

www.ubit-stmk.at

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