Mensch trifft Maschine
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KI ist aktuell das wohl meistdiskutierte Thema in der Arbeitswelt. Für einen verantwortungsvollen Umgang braucht es Regulatorien, über die Dominic Neumann im Interview Einblicke gibt.
Künstliche Intelligenz und „Ressource Mensch“, das klingt im ersten Moment wie ein absoluter Widerspruch. KI verändert, wie wir arbeiten – und eröffnet dabei auch neue Möglichkeiten für Mitarbeitende. Wie aus künstlicher Intelligenz eine echte Unterstützung werden kann und welche Regeln es dafür braucht, erklärte uns Dominic Neumann, Sachverständiger für IT und Fachgruppenobmann der Fachgruppe Unternehmensberatung, Buchhaltung und Informationstechnologie (UBIT) der Wirtschaftskammer Steiermark.
BUSINESS MONAT: Viele Mitarbeitende haben Angst, dass KI ihren Arbeitsplatz überflüssig machen könnte. Ist diese Sorge berechtigt?
Dominic Neumann: Es kommt darauf an, welche Tätigkeit man ausübt. Routine-tätigkeiten und einfache Tätigkeiten werden sich verändern und teilweise wegfallen. Gleichzeitig entstehen neue Berufsfelder. Jede industrielle Revolution hat zunächst Arbeitsplätze verändert und später neue geschaffen – allerdings mit anderen Anforderungen an die Ausbildung. Deshalb ist es wichtig, die Menschen auf diese Veränderungen vorzubereiten.
Wo kann KI Mitarbeitende heute schon konkret entlasten?
Ein großes Thema ist etwa die Logistik: Durch optimierte Routen lassen sich Treibstoffverbrauch und Arbeitsaufwand reduzieren. Auch in der Kundenbetreuung oder im Finanzbereich kann KI Prozesse deutlich effizienter machen. Entscheidend ist aber: Die KI liefert Unterstützung, die Entscheidung bleibt beim Menschen. Wir sprechen hier vom „Human in the Loop“. Der Mensch muss nachvollziehen können, warum eine KI zu einem bestimmten Ergebnis kommt, und dann entscheiden, wie damit umgegangen wird.

Welche Rolle spielt dabei der EU AI Act?
Ich halte den EU AI Act für eine wichtige Entwicklung. Ein zentraler Punkt ist die sogenannte KI-Kompetenz: Unternehmen müssen dafür sorgen, dass Mitarbeitende, die mit KI-Systemen arbeiten, über ausreichende Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen. Das ist wichtig, weil KI-Systeme Fehler machen und sogenannte Halluzinationen erzeugen können. Man muss einschätzen können, wann eine Antwort plausibel ist und wann man sie überprüfen muss.
Der AI Act unterscheidet verschiedene Risikostufen. Die erste Stufe sind KI-Praktiken mit „inakzeptablem Risiko“, diese sind verboten, etwa Social Scoring (also das Sammeln von Daten über eine Person, um beispielsweise ihre Kreditwürdigkeit zu bewerten). Die zweite Stufe ist „hohes Risiko“, darunter fallen etwa bestimmte Anwendungen im Personalwesen oder im medizinischen Bereich. Diese Systeme unterliegen strengen Anforderungen. Dann folgen KI-Systeme mit „begrenztem Risiko“, bei denen vor allem Transparenzpflichten greifen. Darunten fallen die allseits bekannten LLMs wie etwa ChatGPT. Und dann gibt es noch Systeme mit „minimalem oder keinem Risiko“, dazu gehören etwa Spam-Filter. Auch für die Nutzer:innen ist es wichtig zu wissen, mit welcher Art von KI sie arbeiten.
Was sollte man also keinesfalls vollständig an eine KI abgeben?
Die Verantwortung. KI kann Vorschläge machen und Entscheidungen vorbereiten, aber gerade bei wichtigen Fragen muss klar sein, wer letztlich dafür verantwortlich ist. Die letzte Entscheidung sollte immer beim Menschen liegen. Wir wollen keine Black Box, sondern „KI in the Glass Box“, also möglichst nachvollziehbare Systeme, bei denen Menschen verstehen können, wie Ergebnisse zustande kommen.
Kann KI dadurch sogar wieder mehr Raum für die menschliche Arbeit schaffen?
Absolut. Genau darauf läuft es hinaus. Wenn Maschinen Routineaufgaben übernehmen, bleibt den Menschen mehr Zeit für Tätigkeiten, bei denen ihre menschlichen Fähigkeiten gefragt sind: Kreativität, Kommunikation, Empathie, Problem-lösung und soziale Kompetenz. Wir müssen uns an die Zusammenarbeit mit Maschinen gewöhnen. Sie werden nicht wieder verschwinden.
Kann KI auch dabei helfen, Wissen innerhalb eines Unternehmens zu erhalten?
Unbedingt. Wenn erfahrene Mitarbeitende ein Unternehmen verlassen, geht oft wertvolles Wissen verloren. KI kann dabei helfen, vorhandenes Wissen zu strukturieren und zugänglich zu machen. Auch bei Schulungen sehe ich großes Potenzial: Statt alle Mitarbeitenden auf demselben Niveau abzuholen, kann man zunächst den individuellen Wissensstand erfassen und Schulungsinhalte entsprechend anpassen.
Was raten Sie Menschen, die bisher wenig mit KI zu tun hatten?
Im Business-Kontext ist es durch die Awareness-Schulungen ohnehin geregelt. Im Privaten gilt aber genauso: Entscheidend ist ein mündiger Umgang mit der Technologie. Man muss nicht alles können, aber man sollte verstehen, welche Möglichkeiten und Grenzen KI hat. Man sollte KI niemals blind vertrauen. Gerade bei wichtigen Informationen müssen Ergebnisse überprüft werden. Ich rate, immer drei Modelle paral-lel mit demselben Prompt zu füttern und die Ergebnisse zu vergleichen. KI kann überzeugend formulieren und trotzdem falsch liegen. Das Bewusstsein dafür ist ein wesentlicher Teil des kompetenten Umgangs mit der Technologie.






