Gesundheit
Wenn Algenöl Chemotherapie Neu Denkt
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© Med Uni Graz/Lunghammer
Von Krebsforschung bis Gefäßmedizin, von der Biobank bis zum Technologietransfer: Die Med Uni Graz ist ein zentraler Motor der steirischen Life-Sciences. Ein neues Christian Doppler Labor zeigt aktuell, wie aus wissenschaftlicher Exzellenz medizinische und wirtschaftliche Zukunft entsteht.
Mit der Eröffnung eines neuen Christian Doppler Labors rückt die Medizinische Universität Graz einmal mehr ins Zentrum jener Forschung, die klinische Praxis, industrielle Entwicklung und gesellschaftlichen Nutzen mit-einander verbindet. Das Labor widmet sich neuartigen Lipid-Emulsionen auf Basis von Omega-3-Fettsäuren aus Algenöl, die klassische Chemotherapien künftig ergänzen könnten. Ziel ist es, die Wirksamkeit von Krebsbehandlungen zu erhöhen und ihre Verträglichkeit zu verbessern. Geleitet wird das auf sieben Jahre angelegte Programm von Beate Rinner am Diagnostik- & Forschungsinstitut für Pathologie, finanziert wird es vom Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus gemeinsam mit Fresenius Kabi Austria.
So aktuell dieses Projekt ist, so sehr verweist es auf eine größere Entwicklung. Die Med Uni Graz versteht Forschung nicht als abgeschlossene Laborarbeit, sondern als Prozess entlang einer Wertschöpfungskette, die bei molekularen Mechanismen beginnt und im besten Fall bei besseren Therapien, neuen Verfahren, klinischen Studien, Unternehmenskooperationen und marktfähigen Innovationen endet. Gerade darin liegt die wirtschaftliche Dimension einer Universität, die tief im Gesundheitsstandort Steiermark verankert ist.
Forschung mit System
Die Forschungsfelder der Med Uni Graz sind als universitätsinterne Plattformen angelegt, in denen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Grundlagenforschung und Klinik thematisch zusammenarbeiten. Sie schaffen Vernetzung, bündeln Expertise und bilden die Grundlage für gemeinsame Projekte. Diese Struktur ist mehr als akademische Organisation. Sie ist die Voraussetzung dafür, dass medizinische Fragestellungen aus unterschiedlichen Blickwinkeln bearbeitet werden können.

Fünf große Felder prägen dieses Profil: nachhaltige Gesundheitsforschung, Stoffwechsel und Kreislauf, Krebsforschung, Neurowissenschaften sowie Mikrobiom und Infektion. Damit deckt die Universität jene Bereiche ab, in denen sich die großen Gesundheitsfragen der kommenden Jahrzehnte verdichten. Wie bleibt Gesundheit möglichst lange erhalten? Wie lassen sich Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Stoffwechselstörungen früher erkennen und besser behandeln? Wie können Tumorerkrankungen individueller therapiert werden? Welche Rolle spielen Gehirn, Nervensystem, Mikrobiom und Infektionen für Prävention, Diagnostik und Therapie?
Die Antwort der Grazer Forschung liegt im Zusammenspiel. Prävention, personalisierte Medizin, Regeneration, Immunologie, Bildgebung, molekulare Analysen und klinische Anwendung greifen ineinander. Das neue CD-Labor fügt sich genau in dieses Muster ein.
Beispiel für Präzision
In der Onkologie ist diese Nähe von Labor und Klinik besonders entscheidend. Obwohl die Prognose vieler Krebsarten durch Fortschritte in Diagnose und Therapie deutlich verbessert wurde, bleiben Resistenzen, Nebenwirkungen und fehlende Behandlungsoptionen bei bestimmten Tumoren große Herausforderungen. Das neue CD-Labor setzt bei der Frage an, ob Omega-3-Fettsäuren wie DHA und EPA Tumorwachstum hemmen und die Wirkung etablierter Chemotherapien unterstützen können.
Dafür arbeitet das Team mit dreidimensionalen, patienten-spezifischen Tumormodellen. Sie bilden nicht nur Tumorzellen ab, sondern auch deren biologisches Umfeld inklusive Immunzellen. Tumorgewebe aus chirurgischen Eingriffen wird unter kontrollierten Bedingungen aufbereitet und in funktionelle Modelle überführt. Ergänzend werden mögliche Auswirkungen auf Herzmuskelzellen und Hautzellen untersucht, um Sicherheit und Verträglichkeit frühzeitig mitzudenken. Der Forschungsansatz folgt damit einem Prinzip, das für die moderne Medizin immer wichtiger wird: Eine Therapie ist erst dann wirklich zukunftsfähig, wenn sie wirksam, individuell und für den gesamten Organismus vertretbar ist.

Vom Gefäßsystem bis zum Mikrobiom
Der Blick auf die übrigen Forschungsfelder zeigt, wie breit dieser Anspruch angelegt ist. Im Bereich Stoffwechsel und Kreislauf stehen Erkrankungen im Mittelpunkt, die medizinisch wie volkswirtschaftlich enorme Bedeutung haben. Herzinfarkt, Schlaganfall, Bluthochdruck, Diabetes und Atherosklerose belasten Gesundheitssysteme, Arbeitsfähigkeit und Lebensqualität. Das Flagship-Projekt Vasc Health bündelt die Expertise von Klinikerinnen, Klinikern und Grundlagenforscherinnen sowie Grundlagenforschern, um neue Mechanismen vaskulärer Erkrankungen zu entschlüsseln und daraus Prävention und Behandlungsmöglichkeiten abzuleiten.
Auch die Mikrobiom- und Infektionsforschung verweist auf eine Medizin, die immer stärker in Systemen denkt. Mikroorganismen auf Haut, Schleimhäuten und im Darm beeinflussen Gesundheit und Krankheit in einem Ausmaß, das erst durch neue Sequenziertechnologien umfassender erforschbar wurde. Die Neurowissenschaften wiederum widmen sich dem hochkomplexen Zusammenspiel von Gehirn, Nervensystem und Erkrankungsprozessen, von Schlaganfall bis Demenz. In der nachhaltigen Gesundheitsforschung steht schließlich die Frage im Mittelpunkt, wie Prävention, Früherkennung und regenerative Medizin dazu beitragen können, gesunde Lebensjahre zu verlängern.

Infrastruktur als Standortvorteil
Dass aus Forschung wirtschaftliche Dynamik entstehen kann, braucht mehr als gute Ideen. Es braucht Infrastruktur, Personal, Daten, Proben, klinische Nähe und Kooperationsräume. Die Med Uni Graz verfügt über rund 1.500 wissenschaftliche Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter, rund 2.500 wissenschaftliche Veröffentlichungen pro Jahr, rund 530 klinische Studien und rund 440 laufende extern geförderte Forschungsprojekte. Hinzu kommen drei Zentren in der Grundlagenforschung, fünf präklinische Institute außerhalb der Forschungszentren und die enge Verbindung zum LKH Universitätsklinikum Graz.
Besonders sichtbar wird diese Infrastruktur am Med Uni Campus Graz, am Zentrum für Medizinische Forschung, an der Biobank Graz und am Zentrum für Wissens- und Technologietransfer in der Medizin. Die Biobank zählt rund 20 Millionen Gewebeproben und histologische Schnitte sowie rund 1,5 Millionen tiefgefrorene Körperflüssigkeiten. Das Zentrum für Medizinische Forschung bietet Core Facilities und methodische Plattformen für moderne biomedizinische Forschung. Das ZWT wiederum bringt Life-Science-Unternehmen und wissenschaftliche Institutionen unmittelbar am Med Uni Campus und in der Nähe des Universitätsklinikums zusammen.






