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Forschung

Forschung, die Leben rettet

Veröffentlicht
Lesezeit
3 min
Julia Kargl & Philipp Jost

Tumorimmunologin Julia Kargl und Onkologe Philipp Jost © Thomas Luef

Wie Spitzenforschung aus Graz neue Wege in der Krebsmedizin eröffnet – ein Gespräch mit der Tumorimmunologin Julia Kargl und dem Onkologen Philipp Jost.

Der Februar steht international im Zeichen der Krebsprävention und -forschung – ein Anlass, den Blick auf jene Forschung zu richten, die neue therapeutische Perspektiven eröffnet. An der Medizinischen Universität Graz arbeiten Wissenschaft und Klinik dabei besonders eng zusammen. Zwei Persönlichkeiten stehen exemplarisch für diesen Ansatz: Julia Kargl, assoziierte Professorin für Pharmakologie mit Schwerpunkt Tumorimmunologie, und Philipp Jost, klinischer Onkologe, Sprecher des Comprehensive Cancer Center Graz und Biotech-Unternehmer. Beide verfolgen das gleiche Ziel aus unterschiedlichen Blickwinkeln: medizinische Innovation so zu entwickeln, dass sie rasch und wirksam bei den Patientinnen und Patienten ankommt.

Gebündelte Expertise

Die Medizinische Universität Graz hat sich in den vergangenen Jahren als einer der führenden Standorte für translationale Krebsforschung im deutschsprachigen Raum etabliert. Kurze Wege zwischen Labor, Klinik und Ausgründung sind hier kein Schlagwort, sondern gelebte Realität. Julia Kargl beschreibt ihre Arbeit klar aus diesem Selbstverständnis heraus: „Mein Forschungsschwerpunkt ist die Tumorimmunologie, insbesondere das Lungenkarzinom. Uns interessiert, wie wir Immuntherapien nicht nur wirksamer, sondern auch gezielter einsetzen können – also jene Patientinnen und Patienten identifizieren, die tatsächlich davon profitieren.“ Ein zentrales Projekt ihres Teams ist TIL-DER, das an der Weiterentwicklung von
T-Zell-Therapien arbeitet. Diese personalisierten Zelltherapien zeigen bei einzelnen Patientinnen und Patienten beeindruckende Erfolge, sind jedoch bislang teuer und nur für wenige geeignet.

„Das große Problem ist die Auswahl der richtigen Immunzellen. Wir haben dafür ein neuartiges Reportersystem entwickelt, mit dem sich jene T-Zellen identifizieren lassen, die den Tumor tatsächlich bekämpfen können. Diese Zellen können dann gezielt vermehrt und den Patientinnen und Patienten als deutlich besseres Therapieprodukt zurückgegeben werden.“

Dass aus dieser Forschung mehr werden soll als eine wissenschaftliche Publikation, ist explizit Teil der Strategie. Gefördert durch das Spin-off-Fellowship der FFG arbeitet Julia Kargl mit Oliver Kindler und Ana Santiso auf einen marktfähigen Prototypen hin – und auf eine spätere Ausgründung.

Von der Idee zum Medikament

Diesen Weg von der Forschung in die Anwendung verkörpert auch Philipp Jost. Als Leiter der Klinischen Abteilung für Onkologie der Med Uni Graz und Unternehmer verbindet er Versorgung, Wissenschaft und Wirtschaft. „Unsere Aufgabe ist es, neue Konzepte der molekularen Onkologie so rasch wie möglich zum Patienten zu bringen. Dafür braucht es exzellente Grundlagenforschung – und Strukturen, die es erlauben, daraus Medikamente zu entwickeln.“

In seinem Biotech-Unternehmen „Cycuria Therapeutics“ arbeitet Jost mit seinem Team an neuen Therapien gegen Leukämien. Der Ansatz: Entzündungsmediatoren, sogenannte Zytokine, so zu verändern, dass sie gezielt Krebszellen abtöten. „Wir versuchen, die Sprache der Zellen zu verstehen und umzuschreiben – damit sie genau das tun, was wir therapeutisch brauchen.“

Standort als strategischer Vorteil

Beide betonen, dass diese Geschwindigkeit ohne den Standort Graz kaum möglich wäre. Die Medical Science City Graz bündelt Universitätsmedizin, Diagnostik, Forschungslabors, Ausbildung und junge Unternehmen an einem Campus. „Das ist ein echter Strukturvorteil“, sagt Jost. „Die räumliche Nähe von Klinik, Forschung und Accelerator-Gebäuden ist in dieser Form national und auch europaweit außergewöhnlich.“

Auch Kargl sieht darin einen entscheidenden Erfolgsfaktor: „Wir haben hier ideale Infrastruktur, enge klinische Kooperationen und ein starkes Netzwerk mit bereits gegründeten Unternehmen. Die Wege sind kurz, die Expertise ist vor Ort – das beschleunigt Innovation enorm.“

Motivation jenseits von Zahlen

Bei aller Technologie bleibt der Antrieb zutiefst menschlich. „Wir arbeiten mit Lebensdiagnosen“, sagt Jost. „Wenn wir nichts tun, sterben unsere Patientinnen und Patienten. Unser Ziel ist es, Lebensqualität zu verbessern und Leben zu verlängern – das ist der Kern ärztlichen Handelns.“ Für Kargl ist es zusätzlich zu diesem Anspruch auch die Arbeit mit jungen Forschenden, die ihre Motivation trägt: „Neugier und Mut sind wichtig, um Neues zu wagen. Und die Universität gibt mir die Möglichkeit, mit talentierten jungen Menschen zu arbeiten und sie auf ihrem Weg zu begleiten.“

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