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READY TO RACE
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Reinhard Koppe © Marija Kanizaj
Im weststeirischen Schwanberg baut Reinhard Koppe Rennwägen und bringt Klassikfahrzeuge auf Vordermann. Der Techniker mit Vergangenheit im Rennsport über Top-Teams und Torturen, prominente Kunden und die Zukunft der Mobilität.
Eine Welt ohne Motoren, Drehzahlen und Chrom? Möglich. Aber sinnlos. So sieht es jedenfalls Reinhard Koppe. Und das ist bereits seit jungen Jahren so, schon damals hat er leidenschaftlich gerne an Fahrzeugen geschraubt. Die Faszination für den Motorsport führte ihn schließlich ins Team von Helmut Marko, wo er die deutsche Tourenwagenmeisterschaft begleitete.
Er fasste als Techniker im internationalen Rennsport von Le Mans bis Fuji Fuß und erreichte 1990 mit einem Schweizer Team den dritten Platz in der Sportwagen-Weltmeisterschaft. Noch heute begeistern ihn die kulturell bunt zusammengewürfelten Mannschaften von damals, in denen jeder überall Hand anlegen musste.
„Diese Zeit hat mein Leben geprägt. Ich sehe mich als ausgesprochenen Allrounder und ich habe schnell festgestellt, dass der Beruf ein lebenslanger Lernprozess ist.“ Die Langstreckenklassiker haben ihm aber auch einiges abverlangt, „das sind Torturen, bei denen man 50 Stunden wach ist, weil man mit Reparaturen, Trainings und der Rennnachbereitung beschäftigt ist“, erinnert sich Knoppe.
Betreuten zu seiner Zeit in Le Mans 25 Mechaniker fünf Autos, so sind in einem Team von heute stolze 250 Personen für zwei Fahrzeuge abgestellt, „die Spezialisierung ist extrem vorangeschritten“.

Schneller
Sich selbst hinter das Lenkrad klemmen wollte Koppe übrigens nie, „mich hat die Technik immer mehr fasziniert, die Möglichkeiten, ein Auto schneller, leichter, aerodynamischer zu machen. Außerdem hatte ich nicht das Talent und den Charakter eines Rennfahrers“, schmunzelt er.
Nach Wanderjahren und weltweiten Einsätzen kehrte Koppe schließlich in die Steiermark zurück. Die berufliche Station im Motorenversuch bei AVL List machte ihn allerdings nicht auf Dauer glücklich. Der Weg in die Selbstständigkeit folgte im Jahr 1993. Im Auftrag von Lamborghini fertigte er beispielsweise für die FIA GT3 Motoren an und lieferte diese bis nach Brasilien, er arbeitete für Fahrer wie Roland Ratzenberger und Karl Wendlinger. Im Jahr 2009 öffnete dann die Werkstatt in Schwanberg – von der eigenen Composite-Fertigung bis hin zum stationären Leistungsprüfstand findet sich heute alles im Haus – ihre Pforten.
Reinhard Koppe setzte mehr und mehr auch auf die Restaurierung und Instandhaltung von Klassikfahrzeugen. Im historischen Motorsport lassen sich seine beiden Steckenpferde besonders gut verbinden – für Gerhard Berger beispielsweise hat er einen historischen Rennwagen aus Einzelteilen neu zusammengebaut, immer wieder geschraubt wird auch für Oldtimer-Liebhaber wie Bernd Pischetsrieder und Peter Kraus.
Komplexer
Es verwundert kaum, dass sich bei den betagten Edelkarossen stets kleinere und größere Herausforderungen auftun, „aber ich kann auf ein weltweites Netzwerk an Experten von Melbourne bis England zurückgreifen“, führt Koppe seine berufliche Vergangenheit ins Treffen. Seine Leidenschaft für die Welt auf vier Rädern ist nun auch bildlich in einem Kalender verewigt. Der deutsche Fotograf Rafael Neff hat für den Hella-Kalender 2020 mit einer Auflage von 250.000 Stück weltweit zwölf besondere Werkstätten abgelichtet, darunter die blitzblanke Wirkungsstätte in Schwanberg, in der jeder Schraubenschlüssel fein säuberlich geordnet und gut gebettet, jede Schraube farblich sortiert im Kasten liegt.
Leichter
Wie sieht Koppe die Mobilität der näheren Zukunft? „Die Elektrifizierung hat durchaus ihre Daseinsberechtigung. Allerdings halte ich es nicht für sinnvoll, wie sie derzeit von den Herstellern gehandhabt wird. Ein alternativ angetriebenes Fahrzeug muss visuell nicht notwendigerweise wie ein herkömmliches Auto aussehen. Es muss weder 18-Zoll-Reifen noch Stahlachsen haben. Vielmehr wäre es sinnvoll, mehr Kunststoff und Faserverbundtechnik einzusetzen, es kleiner, leichter und wirtschaftlicher zu machen.“
Selbst fährt Koppe übrigens neben einem praktikablen Lieferwagen einen Alfa GTV Baujahr 1985, eine Schwäche hat er darüber hinaus für die Marke Jaguar und den Lamborghini Miura.






