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Landwirtschaftliche Bauten neu gedacht: Der Bauernhof der Familie Polzhofer als prägnantes Beispiel zeitgenössischer Holzbauarchitektur. © Beigestellt
Im Wandel der Zeit: Der Holzbaumeister agiert heutzutage als Generalunternehmer vom kleinen Zubau bis zum mehrgeschoßigen Wohnbau und vereint Digitalisierung mit Handwerk. Das Führungsduo der Innung, Oskar Beer und Josef König, im Gespräch.
Der Trend zur Regionalität ist sehr präsent. Inwieweit ist er auch im Holzbau angekommen?
Oskar Beer: Immer mehr Kunden denken regional, umweltbewusst und ökologisch. Holz ist ja einer der wenigen Baustoffe, der eine positive CO2-Bilanz für sich beanspruchen kann. Ein Kubikmeter Holz speichert eine Tonne Kohlenstoffdioxid, erst durch die Verbrennung wird das CO2 wieder freigesetzt. Andere Baustoffe wie Zement verbrauchen bereits in der Herstellung ein hohes Maß an Energie. Immer mehr Bauherren ziehen Tatsachen wie diese bereits in ihre Überlegungen mit ein. Vor 15 Jahren musste man Kunden noch überzeugen, doch einen anderen Weg als den herkömmlichen zu gehen. Heute kommen sie zu uns, weil sie aus Prinzip einen Holzbau haben möchten.
Josef König: Der Trend zur Regionalität ist stark spürbar. Wir haben uns auch selbst ganz darauf eingerichtet, nur Aufträge im überschaubaren Umkreis anzunehmen, Hunderte Kilometer weit fahren wir gar nicht, weil es ja auch dort vor Ort gute Betriebe gibt. Ein Unternehmen in der Region zu beauftragen, hat viele Vorteile. Wenn der Zimmermeister nur zehn Kilometer entfernt wohnt, kann er alles viel rascher abwickeln und Kleinigkeiten kurzfristig erledigen.
Wie hat sich die Rolle des Holzbaumeisters denn grundsätzlich verändert?
Beer: Der heutige Holzbaumeister setzt nicht nur Wohnbauten, sondern auch Mehrfamilienhäuser, Siedlungsbauten, Gewerbe und Industrieprojekte um. Er agiert als Generalunternehmer und ist grundsätzlicher Ansprechpartner für das Thema Bauen. Wir sehen uns auch in hohem Maße als Dienstleister. Handwerkliche Arbeit ist sehr gefragt, weil immer weniger Kunden auch kleinere Arbeiten selbst machen wollen oder können. Die Bandbreite reicht vom Gartenbereich bis zur Sanierung.
König: Die Digitalisierung ist wie in allen anderen Berufen ein starkes Thema, es kommt allerdings auch auf die Art des Betriebs und die Unternehmensgröße an, inwieweit die Technologien bereits Eingang finden. In der Ausbildung gehört der Umgang mit Abbundmaschinen und CNC-Fräsen, das Wissen rund um Sinus- und Cosinus-Kurven heute aber dazu. Dennoch geht es nicht allein darum, etwas von einem Bildschirm aus zu steuern, es braucht nach wie vor viel handwerkliches Wissen.

Wie gelingt im Holzbau der Spagat zwischen traditionell und modern?
Beer: Der Holzbau hat eine gute und lange Tradition, die hochgehalten wird und in der auch die Zunftfahne seit jeher eine Rolle spielt. Es ist noch immer vielfach ein Handwerk, das vom Vater an den Sohn, vom Meister an den Lehrjungen weitergegeben wird. Hier geschieht auch ein Wissens-transfer, wenn es beispielsweise um spezielle Elemente wie traditionelle Eckverbindungen oder klassische Verzierungen geht. Auf der anderen Seite ist die Modernisierung im Holzbau konsequent vorangeschritten. Dazu gehören bahnbrechende Erfindungen wie das Brettsperrholz, das Gerhard Schickhofer an der Technischen Universität Graz entwickelt hat und für das er heuer den renommierten Marcus-Wallenberg-Preis für wegweisende wissenschaftliche Errungenschaften erhalten hat. Wir sind heute ein kompetenter Partner für die moderne Architektur, viele bewegen sich ja bereits in Richtung Holzbauten.
Wie hoch ist der Anteil an Holzhäusern, die derzeit gebaut werden?
Beer: Im Bereich der Einfamilienhäuser liegt der Anteil aktuell bei 50 Prozent, betrachtet man die gesamte Bauwirtschaft, so liegt der Wert bei 30 Prozent. Ich gehe davon aus, dass wir den Wert in den kommenden zehn Jahren noch um zehn Prozentpunkte steigern können. Es ist einfach ein logischer Schritt. Schließlich haben wir es mit einem Baustoff zu tun, der direkt vor der Türe wächst und mit hoher Beständigkeit punktet, wenn Spezialisten am Werk sind. Ein Lebenszyklus von mehreren Generationen ist da kein Problem, wie alte Bauten zeigen. Die hohe Qualität aktueller Projekte zeigt sich auch jedes Jahr beim Holzbaupreis, wir hatten heuer beachtliche 180 Einreichungen. Das zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind. Bei den mehrgeschoßigen Bauten wurden sogar zwei Projekte ex aequo ausgezeichnet.
König: Durch die Industrie, die jetzt mehr und mehr mit Holzhochbauten befasst ist, verändern sich unsere Arbeitsprozesse. Der Vorfertigungsgrad der Elemente wird immer höher, wir agieren da teils in ers-ter Linie als Monteure, aber es braucht ja auch eine Fassade, die den Ball der Wertschöpfung dann wieder zu uns spielt. Was die Digitalisierung betrifft: Es muss gar nicht jeder über alle technologischen Gerätschaften verfügen, das wäre gar nicht wirtschaftlich, vielmehr geht es um betriebsbezogene Stärkefelder.

Wie gut ist die Steiermark aufgestellt?
Beer: Das Know-how bei uns ist sehr dicht. Wir machen immer wieder Fachexkursionen in andere Länder. Natürlich erhält man überall Inspiration, aber generell muss man sagen, dass Österreich im Holzbauwissen ganz vorne steht. Wir sind in diesem Sinne ein handwerkliches Exportland. Der Zimmerer gilt auch als zukunftsträchtiger Beruf. Der Nachwuchs dafür ist da. Es ist ein hochtechnischer Job geworden, für den die Anforderungen deutlich gewachsen sind. Die Ausbildung der Facharbeiter und Meister ist auf höchstem Niveau, das duale Bildungssystem ist ideal dafür. Die Zeit der Helfer ist vorbei, ich habe fast nur Fachpersonal in meinem Betrieb. Um die Vorgaben von Architekten umsetzen zu können, braucht es einfach Hirnschmalz, damit die Qualität am Papier den Eingang ins Werk findet. Jeder Meisterkurs wird alle zwei Jahre in seinen Inhalten nachjustiert. Das ist ganz wesentlich, damit man in Sachen Wissen am Ball bleibt, sonst ist man schnell weg vom Markt.
Was sind die wichtigen Erfolgsparameter für die Zukunft?
König: Für mich ist die Mitarbeiterführung ein absolut wichtiges Thema. Wenn man zufriedene Kunden will, dann sollte man auch zufriedene Mitarbeiter wollen. Gegenseitige Wertschätzung ist die große Chance des Kleinbetriebs, das beginnt schon im ersten Lehrjahr. In größeren Unternehmen wird oft nicht auf einer Ebene kommuniziert, da werden die Mitarbeiter eher als Zahl gesehen, viele haben da schon innerlich gekündigt.
Beer: Die Steiermark ist mit einem Waldanteil von 62 Prozent das Holzbauland Österreichs. Es braucht Innovatoren wie Gerhard Schickhofer und Innovationen wie die Entwicklung der Brettsperrholzplatte. Dieses Know-how ist längst ein Exportfaktor. Seitens der Politik erfahren wir gute Unterstützung durch Landesrat Johann Seitinger. Immerhin erzielen 55.000 Beschäftigte in der gesamten Holzwertschöpfungskette in der Steiermark auch eine wichtige Wertschöpfung für das Land. Holz ist der Baustoff der Zukunft.






