Holz
Wiedergekommen, um zu bleiben
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Unternehmer Helmut Platzer, Geschäftsführer von HSP Holzbau, Bernd Haintz, Innungsgeschäftsführer, und Reinhard Hansmann, Innungsmeister der Innung Holzbau © Thomas Luef
Seit Jahrhunderten prägt Holz das Bauen – heute erlebt der Werkstoff ein selbstbewusstes Revival. Die Innung Holzbau der WKO Steiermark begleitet diesen Weg zwischen Tradition, Hightech und Verantwortung. Ein Gespräch über Wirtschaft, Ausbildung und warum der Holzbau gerade jetzt seine größte Stärke zeigt.
Was einst selbstverständlich war, wird neu entdeckt: Holz als Baustoff. In den letzten Jahrzehnten hat dieser regionale Werkstoff eine Renaissance erlebt: technologisch präzise, architektonisch anspruchsvoll und ökologisch überzeugend. Wie dieses Revival wirtschaftlich getragen wird, welche Rolle Ausbildung und Innovation spielen und warum der Holzbau nicht gegen andere Materialien argumentiert, sondern mit ihnen zusammendenkt, darüber sprechen Reinhard Hansmann, Innungsmeister der Innung Holzbau, Bernd Haintz, Innungsgeschäftsführer, und Unternehmer Helmut Platzer, Geschäftsführer von HSP Holzbau.
BUSINESS MONAT: Der Holzbau gilt heute als einer der Hoffnungsträger der Bauwirtschaft – getragen von Nachhaltigkeit, Innovation und regionaler Wertschöpfung. Wie erleben Sie aktuell die wirtschaftliche Situation der Branche und wo sehen Sie ihre besonderen Stärken in einer insgesamt herausfordernden Marktsituation?
Reinhard Hansmann: Der Holzbau ist und bleibt zukunftsorientiert. Gleichzeitig ist er fordernder geworden. Mit dem steigenden Einsatz von Holz wächst auch unsere Verantwortung – vor allem in Planung, Koordination und an den Schnittstellen. Holzbau heißt heute: ganzheitlich denken.
Bernd Haintz: Wir merken schon, dass die wirtschaftliche Lage anspruchsvoller ist als noch vor wenigen Jahren. Der Einfamilienhausbau, ein klassisches Segment, schwächelt. Gleichzeitig zeigt sich aber die Stärke unserer Betriebe: Sie sind kleinstrukturiert, flexibel und anpassungsfähig. Sanierung, Aufstockung und Nachverdichtung gewinnen deutlich an Bedeutung.
Helmut Platzer: Und genau dort spielt Holz seine Vorteile aus: geringes Gewicht, hoher Vorfertigungsgrad, schnelle Bauzeit. In urbanen Räumen ist das ein echter Wettbewerbsvorteil. Man arbeitet trocken, präzise und mit minimaler Belastung für den Bestand.
Steigt die Nachfrage nach Holzbau weiter?
Hansmann: Ja. Nachhaltigkeit, CO2-Bilanz und regionale Wertschöpfung sind längst keine Nischenthemen mehr. Holz wird als langfristige Lösung wahrgenommen – nicht als Ideologie, sondern als rationale Entscheidung.
Platzer: Moderne Architektur und Holz passen perfekt zusammen. Brettsperrholz, hybride Systeme, neue Verbindungstechniken – wir haben heute Möglichkeiten, die es vor 20 Jahren nicht gab. Wer Klimaziele ernst nimmt, kommt an diesem nachwachsenden Rohstoff kaum vorbei.
Haintz: Und wichtig ist: Es geht nicht um ein Entweder-oder. Andere Baustoffe haben ihre Berechtigung. Holz ergänzt sinnvoll – besonders dort, wo Leichtigkeit, Schnelligkeit und Präzision gefragt sind.
Ein Dauerthema in vielen Branchen ist der Fachkräftemangel. Wie sieht es im Holzbau aus?
Haintz: Erstaunlich stabil. Der Holzbau tut sich im Vergleich zu anderen Baugewerken leichter, Lehrlinge zu finden. Das Berufsbild ist attraktiv – technisch, modern und sinnstiftend. Das Interesse hält sich seit Jahren auf konstantem Niveau.
Hansmann: Das liegt auch daran, dass sich der Beruf stark verändert hat. CNC-Technik, digitale Planung, industrielle Vorfertigung – der Zimmerer von heute ist hochqualifiziert. Als Innung setzen wir stark auf Aus- und Weiterbildung, vom Lehrling bis zur Führungsebene.
Platzer: Bei uns im Betrieb ist jeder vierte Mitarbeiter Lehrling. Wir haben früh investiert und konsequent ausgebildet. Das zahlt sich aus – fachlich wie menschlich.
Trotz technischer Weiterentwicklung halten sich bestimmte Vorurteile gegenüber dem Holzbau – Brandschutz, Schallschutz, Dauerhaftigkeit. Begegnen Ihnen diese Vorurteile noch?
Platzer: Ja, aber sie werden weniger. Viele denken noch an die Holzriegelbauten der 80er-Jahre. Heute sprechen wir von massivem Holzbau mit exzellentem Brand- und Schallschutz. Das Raumklima ist herausragend – das spürt man sofort.
Haintz: Sobald Menschen ein modernes Holzgebäude betreten, ist die Diskussion meist vorbei. Der Wohlfühlfaktor überzeugt schneller als jedes technische Datenblatt.
Wie steht es um Kosten und Wirtschaftlichkeit?
Hansmann: Bauen ist insgesamt teurer geworden – unabhängig vom Material. Entscheidend ist Transparenz. Wer sauber plant und ehrlich kalkuliert, erlebt im Holzbau keine Überraschungen.
Haintz: Bürokratie ist dabei ein wesentlicher Kostentreiber. Vereinfachte Verfahren, vor allem bei Standardprojekten, würden viel bewegen – ohne Qualitätsverlust.
Ein zentrales Thema der Innung ist die Ausbildung. Wie unterstützt die Innung die Betriebe konkret – vom Lehrling bis zur Führungsebene?
Haintz: Ausbildung ist eine unserer tragenden Säulen. Wir haben inzwischen ein sehr breites Bildungsangebot aufgebaut, das wirklich alle Ebenen abdeckt – vom Lehrling über den Facharbeiter bis hin zur Unternehmer- und Führungsebene. Dieses Programm wächst kontinuierlich und wird laufend an die Anforderungen der Praxis angepasst.
Wenn Sie nach vorne blicken: Wohin entwickelt sich der Holzbau in den kommenden Jahren – und wo sehen Sie die größten Potenziale?
Hansmann: Der Anteil wird weiter steigen. Nicht sprunghaft, aber stetig. Besonders im mehrgeschoßigen Wohnbau und in Aufstockungen liegt enormes Potenzial.
Haintz: Themen wie Bodenversiegelung und Verdichtung spielen dem Holzbau in die Karten. Viele Bestandsgebäude könnten problemlos erweitert werden – mit minimalem statischem Aufwand.
Platzer: Und das Schöne ist: Holzbau ist regional. Mitarbeiter:innen, Material, Wertschöpfung – alles bleibt vor Ort. Das ist ökologisch sinnvoll und wirtschaftlich klug.
Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, welcher wäre das?
Platzer: Mehr Klarheit und Anreize von politischer Seite. Wer klimafreundlich baut, sollte das auch spüren.
Haintz: Weniger Komplexität, mehr Vertrauen in bestehende Standards. Bürokratieabbau würde leistbares Wohnen direkt unterstützen.
Hansmann: Und ein stärkeres Bewusstsein dafür, dass wir diesen Rohstoff vor der Haustür haben. Holzbau ist kein Trend – er ist Teil der Lösung.






