Best Practice
Kraft der Steiermark: Best Practice
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Wie es aktuell um die heimische Wirtschaft steht, welche Herausforderungen, aber auch Chancen es gibt, hat der BUSINESS MONAT bei Branchenexpert:innen nachgefragt.
Lejla Pock, Geschäftsführerin „Human.Technology Styria“

Potenzial nutzen
Die nächsten Jahre bieten enorme Chancen im Gesundheitssektor, insbesondere durch Innovationen im Bereich Biotech, MedTech, Digital Health und Life Science im Allgemeinen. Technologien wie künstliche Intelligenz und personalisierte Medizin werden die Gesundheitsversorgung revolutionieren, und die Steiermark hat das Potenzial, sich als führender Innovationsstandort in Europa und global zu positionieren.
Die Zusammenarbeit zwischen Forschungseinrichtungen, Unternehmen und dem Gesundheitswesen ist der Schlüssel, um nachhaltige Lösungen zu entwickeln, die den Zugang zu modernen medizinischen Technologien weltweit verbessern und gleichzeitig eine effiziente Gesundheitsversorgung sicherstellen. Andere Regionen wie Asien, GCC und Nordamerika entwickeln sich rasant – dessen müssen wir uns bewusst werden und gleichzeitig sowohl die Herausforderungen als auch die Chancen darin erkennen. Das treibt uns an, schneller und flexibler zu werden – und genau hier liegt unsere Chance, unsere Position als Innovationspartner oder Vorreiter zu etablieren.
Innovationen vorantreiben
Die digitale Transformation im Gesundheitswesen birgt Challenges in den Bereichen Datenschutz und Datenintegrität. Doch durch starke Kooperationen und Best Practices können wir sicherstellen, dass Innovationen sicher und ethisch vorangetrieben werden. Insgesamt sehe ich eine Zukunft, die von Zusammenarbeit, Optimismus und dem Mut zur Veränderung geprägt ist. Die Steiermark kann dabei eine zentrale Rolle in der Gestaltung der Gesundheitsversorgung von morgen spielen.
Hermann Talowski, Unternehmer und WKO-Obmann Sparte Gewerbe und Handwerk

Entlasten, umsetzen, investieren!
Ein Mix aus gezielten Entlastungen und Investitionen: Das ist es, was die heimische Wirtschaft jetzt dringend benötigt, um wieder in Schwung zu kommen. Die rund 46.400 Betriebe der Sparte Gewerbe und Handwerk stehen schon länger unter enormem Druck durch die Rezession, hohe Energiekosten und eine sinkende Konsumnachfrage. Besonders das Bau- und Baunebengewerbe leidet unter restriktiven Finanzierungsbedingungen und einer schwachen Bautätigkeit. Gleichzeitig kämpfen energieintensive Branchen mit steigenden Betriebskosten. Wenn wir jetzt nicht entschlossen handeln, droht eine Insolvenzwelle mit langfristigen Folgen für den Standort!
Ein zentraler Hebel kann eine Leistungs-Flat-Tax sein, die Überstunden sowie den Zuverdienst von Menschen in Pension mit einer Pauschalsteuer von 20 Prozent belegt. So bleiben Mehrleistungen attraktiv, und erfahrene Arbeitskräfte bleiben dem Markt erhalten. Ebenso essenziell sind für uns die Senkung der Lohnnebenkosten sowie die Abschaffung unnötiger Abgaben wie der ORF-Haushaltsabgabe und der -Landesabgabe. Und dann gibt es noch den Dauerbrenner Fachkräftemangel: Neben der Förderung der Lehrlingsausbildung brauchen wir sofort eine rasche und gezielte Modernisierung der Rot-Weiß-Rot-Karte, um dringend benötigte Fachkräfte effizienter nach Österreich zu holen. Auch bei den Krankenstandsregelungen darf es keine Tabus geben. Ein möglicher Ansatz hierzu wäre ein Hybridmodell, bei dem Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einen Tag unbezahlte Karenz übernehmen, um Unternehmen kurzfristig zu entlasten. Ebenso wäre es sinnvoll, den Urlaubsanspruch während des Krankenstands abzuschaffen. Dabei geht es nicht darum, Menschen krank arbeiten zu lassen, sondern darum, ein gerechteres System zu schaffen, das Betriebe nicht unverhältnismäßig belastet.
Schließlich bleibt auch die generelle Überregulierung eine der größten Herausforderungen. Endlose Genehmigungsverfahren, komplizierte Förderanträge und übermäßige Dokumentationspflichten bremsen die Unternehmen aus. Ein digitaler „One-Stop-Shop“ könnte hier für effizientere Abläufe sorgen.
Wieder auf Kurs bringen
Von der Politik braucht es mehr als Absichtserklärungen. Steuerliche Entlastungen, Investitionen in Infrastruktur und die konsequente Förderung von nachhaltiger Energietechnik sind zentrale Bausteine, um die Wirtschaft wieder auf Kurs zu bringen. Die Unternehmen in Gewerbe und Handwerk haben in der Vergangenheit bewiesen, dass sie Krisen meistern können – aber sie brauchen die richtigen Rahmenbedingungen, um weiterhin erfolgreich zu sein.
Manuela Klammler-Almer, Obfrau WKO Steiermark Sparte Lebensmittelhandel

Bürokratie bremst, Regionalität punktet
Das Jahr 2025 bringt für den heimischen Lebensmittelhandel sowohl Chancen als auch große Herausforderungen mit sich. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen bleiben herausfordernd: Die Handelsspannen sind niedrig, während die Kosten für Löhne, Energie und Logistik weiter steigen. Zusätzliche finanzielle Belastungen wie die ORF-Abgabe oder die Zahlung gemäß Behindertengesetz verschärfen die Situation für viele Betriebe.
Hinzu kommt ein wachsender bürokratischer Aufwand. Die Antragstellung für den Energiekostenzuschuss, die Erfüllung der Mehrwegquoten und die Abwicklung der Lebensmittelabgabe sind nur einige der administrativen Hürden, die den unternehmerischen Alltag zunehmend erschweren. Hier braucht es dringend Entlastungen, damit sich unsere Betriebe auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können.
Klare Chancen
Trotz dieser Herausforderungen gibt es aber auch klare Chancen. Der Trend zu hochwertigen, regionalen Produkten hält ungebrochen an – hier können gut sortierte Händler mit starken regionalen Lieferanten besonders punkten. Ebenso entscheidend ist der Faktor Mensch: Gut ausgebildete, freundliche und hilfsbereite Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind ein klarer Wettbewerbsvorteil und stärken die Kundenbindung.
Als Branche setzen wir uns dafür ein, faire Rahmenbedingungen zu schaffen, bürokratische Hürden zu reduzieren und den Lebensmittelhandel auch in wirtschaftlich fordernden Zeiten erfolgreich in die Zukunft zu führen.
Philip Borckenstein-Quirini, Geschäftsführer Thermenresort Loipersdorf

Neue Wege im Tourismus
Die Wirtschaft verändert sich rasant – das bringt Herausforderungen, aber vor allem große Chancen mit sich. Im Tourismus sind innovative, maßgeschneiderte Konzepte gefragter denn je. Das Thermenresort Loipersdorf stellt sich diesen Anforderungen und bietet ein vielfältiges Angebot, das sowohl den Bedürfnissen von Familien als auch den Gästebedürfnissen im Premium-Segment gerecht wird.
Im Familienbereich unseres Thermen- und Erlebnisbads setzen wir auf Spaß, Unterhaltung und spielerische Sportmöglichkeiten – ein Erlebnis für Groß und Klein. Gleichzeitig treffen wir mit unserem Schaffelbad (Adults Only) exakt den Puls der Zeit: Selfcare, Entspannung vom Alltagsstress und nachhaltige Erholung inmitten unberührter Natur.
Es braucht mehr
Doch ein erfolgreicher Tourismusbetrieb braucht mehr als eine perfekte Therme. Bad Loipersdorf wurde jüngst als offizielles Wanderdorf ausgezeichnet, was unsere Region noch attraktiver macht. Mit einer der größten Golfanlagen Österreichs – ganzjährig auf Sommergrüns bespielbar – sowie erstklassigen Tennisplätzen (indoor und outdoor) und einem weitläufigen Radwegenetz bieten wir ein umfassendes Aktivprogramm. Zudem sind beliebte Ausflugsziele wie die Riegersburg, Zotter Schokoladen, renommierte Weingüter oder traditionelle Buschenschänke bequem erreichbar.
Seit 50 Jahren steht das Thermenresort Loipersdorf für gelebte, heimische Tourismusqualität. Wir beweisen, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis bei uns nicht nur ein Slogan ist, sondern tagtäglich gelebt wird. Unser Ziel ist es, auch in Zukunft durch Innovation und Qualität ein einzigartiges Urlaubserlebnis zu schaffen – für jede Generation und jeden Anspruch.
Die Zukunft des Tourismus liegt in durchdachten Konzepten, die den Bedürfnissen der Gesellschaft gerecht werden. Wir sehen die Veränderungen als Chance, unser Angebot noch weiter zu verfeinern und Loipersdorf als eine der führenden Wellness- und Erlebnisdestinationen Österreichs weiter auszubauen.
Sylvia Loidolt und Susanne Haubenhofer, Tourismusverband Region Graz

Tourismus beweist Stabilität
Das Jahr 2024 – das dritte Jahr nach der Strukturreform im steirischen Tourismus – brachte mit rund 2.155.000 Nächtigungen trotz vieler Herausforderungen das bisher beste Ergebnis seit Aufzeichnungsbeginn. Die Erlebnisregion Graz ist damit die zweitstärkste Region innerhalb der Steiermark bei den Nächtigungen und sogar die Nummer eins bei den Ankünften. Dieser neue Rekord stellt nicht nur unter Beweis, wie attraktiv unsere Region für Gäste aus nah und fern ist, sondern zeigt auch eindrucksvoll, was durch die Neuaufstellung im Tourismus und die damit verbundene Bündelung aller Kräfte möglich geworden ist.
Noch nie war der Werbedruck für die Region Graz – mit der Landeshauptstadt im grünen Herzen – so stark, das überregionale Marketing so intensiv. Als verlässlicher Partner für zahlreiche Veranstalter unterstützt der Tourismusverband das ganze Jahr über eine Vielzahl an nächtigungswirksamen Sport- und Kulturveranstaltungen.
Neue Impulse
Besonders in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten beweist der Tourismusbereich Stabilität, indem er Arbeitsplätze sichert, die regionale Wirtschaft belebt und für Wertschöpfung sorgt. Für 2025 sind die Zähler wieder auf null gestellt und es gilt, neue Herausforderungen gemeinsam anzugehen. Nicht jedes Jahr wird ein neues Rekordergebnis möglich sein, doch soll ein attraktiver Marketing-Mix unsere Region im In- und Ausland noch bekannter machen. Auch durch die Eröffnung der Koralmbahn und den dadurch entstehenden starken Wirtschaftsraum „Area Süd“ werden sich neue Chancen und Impulse für den Tourismus ergeben. So kann das vielfältige Angebot, das die Erlebnisregion Graz so einzigartig macht, auch auf neuen Märkten positioniert werden.
Franz Jost, Bürgermeister Fürstenfeld

Vorausdenken zählt
Gemeinden sind gewissermaßen ja auch Unternehmen. Die ausgewogene Balance von Einnahmen und Ausgaben ist eine Grundvoraussetzung für ein positives Geschäftsjahr einer Gemeinde. Vielen, vor allem kleineren Gemeinden fällt es zusehends schwerer, diese Balance zu halten und gleichzeitig den vielen Verpflichtungen wie etwa Investitionen in die Infrastruktur oder den wachsenden Beitragszahlungen in die Sozialhilfe nachzukommen. Kommunen stehen ein weiteres Mal auch 2025 vor stets größer werdenden Herausforderungen.
Um diese Herausforderungen langfristig zu bewältigen, bietet sich aus meiner Sicht eine Chance: die Chance der Fusionierung mit einer oder auch mehreren Nachbargemeinden. Ausgabenseitig lassen sich dann gewisse Serviceleistungen einer Gemeinde bündeln. Fürstenfeld ist eine erfahrene Fusionsgemeinde und hat bereits 2015 mit den Nachbargemeinden Altenmarkt und Übersbach eine harmonisch verlaufene Zusammenlegung zum Vorteil aller absolviert. Aktuell übersprang Fürstenfeld mit einer weiteren Fusionierung mit der Gemeinde Söchau die 10.000er-Bevölkerungsmarke und zählt nun zu den 14 größten Städten des Landes.
Das Ass im Ärmel
Abgesehen vom Wert der Wahrnehmung, die eine solche Größenordnung auch am Verhandlungstisch mit sich bringt, erhöhen sich dadurch auch die Ertragsanteile und damit auch die finanziellen Spielräume für notwendige Investitionen in die Infrastruktur aller Ortsteile.
Die Stadt Fürstenfeld verzeichnete gerade in den zurückliegenden Jahren eine dynamische Stadt- und Wirtschaftsentwicklung. Mehrere Faktoren, die auch als „ergriffene Chancen“ gesehen werden können, haben das bewirkt: Investitionen in die Wohn- und Lebensqualität, in die Energie- und Infrastruktur und in ein gezieltes Standortmarketing. Der Bau der Schnellstraße S7 mit Fürstenfelder Anbindung war gewissermaßen unser Joker, das Ass im Ärmel. Dazu haben wir uns rechtzeitig im großen Stil um geeignete Flächen gekümmert, haben unsere Eigenenergieversorgung mit österreichweit einzigartigen Systemen ökologisch ausgebaut und den Wohnbau forciert. Das Ergebnis: Zuzug, Kaufkraft und künftig neue Arbeitsplätze im hohen dreistelligen Bereich. Das Motto lautet: „Neue Größe, Zukunft – Fürstenfeld.“
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