Interview
Follow-me-Award: Frischer Wind an der Spitze
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Landesrat Willibald Ehrenhöfer, Simone Spitzer, Dietmar Schweiggl (WKO-Stmk-Vizepräsident) und Oliver Kröpfl (Vorstandsmitglied Steiermärkische Sparkasse) © Spitzer GmbH
In Vorau befindet sich eines der größten Ingenieurbüros Österreichs: Spitzer Engineering. Die engagierte Firmenchefin Simone Spitzer konnte beim Online-Voting von „Follow me“ 3.285 Stimmen sammeln und wurde damit zur „Nachfolgerin des Jahres 2025“ gekürt.
Die Initiative „Follow me“ bildet eine Brücke zwischen scheidenden Unternehmer:innen und aufstrebenden Nachfolger:innen, unterstützt durch ein starkes Netzwerk von Partner:innen mit viel Erfahrung in der Betriebsnachfolge. Ziel ist es, den komplexen Prozess der Unternehmensübergabe zu erleichtern – ob interfamiliär oder extern. Der Follow me Award ist ein Wettbewerb der Wirtschaftskammer, der jährlich die herausragenden unternehmerischen Leistungen von Betriebsnachfolgern in die Öffentlichkeit trägt: „Mit dem Follow me Award holen wir inspirierende Geschichten wie jene von Simone Spitzer vor den Vorhang – Menschen, die Mut machen und zeigen, wie vielfältig Nachfolge gelingen kann. Denn auch nächstes Jahr werden wieder rund 900 Betriebe übergeben werden“, so WKO-Steiermark-Vizepräsidentin Gabriele Lechner. Nominiert wurde die Gewinnerin von Simone Pfeiffer, Leiterin der WKO-Regionalstelle Hartberg-Fürstenfeld: „Simone Spitzer verbindet technologische Exzellenz mit Leadership. Sie etabliert Forschung als Innovationsmotor und prägt eine Unternehmenskultur der Wertschätzung. Damit ist sie ein starkes Vorbild – für die regionale Wirtschaft ebenso wie für junge Frauen in der Technik.“ Spitzer leitet das 1989 gegründete Familienunternehmen Spitzer Engineering mit rund 100 Mitarbeiter:innen (in Vorau, Graz und Wiener Neustadt) seit 2024 und verbindet Forschung, Führung und Feingefühl zu einem beeindruckenden Ganzen. Das Unternehmen deckt ein breites Tätigkeitsfeld ab, von Planung für Maschinenbau, Anlagenbau und Stahlbau über eine eigene Grafikabteilung bis zu Forschung im Bereich Abwässer und Energieeffizienz.

BUSINESS MONAT: Sie haben das Unternehmen 2024 von Ihrem Vater übernommen. Wie ist diese Übergabe abgelaufen?
Simone Spitzer: Ich bin 2016 im Unternehmen eingestiegen, zunächst im Forschungsbereich. Davor habe ich Biotechnologie an der FH Tulln studiert und anschließend an der TU Wien im Bereich Verfahrenstechnik promoviert. Anfang 2020 bin ich in die Geschäftsführung gekommen, ab diesem Zeitpunkt hat der schrittweise Übergabeprozess begonnen. Zuerst habe ich meinem Vater über die Schulter geschaut, dann wurden Aufgaben nach und nach an mich übergeben. Im März 2024 habe ich schließlich offiziell übernommen. Der Prozess war bewusst langsam angelegt, das war für beide Seiten sehr wichtig.
Wie sind Sie zum Follow Me Award gekommen?
Die Nominierung kam über Simone Pfeiffer, die unsere Familie schon lange kennt und mitbekommen hat, dass ich das Unternehmen übernommen habe, und mich dann nominiert hat. Als ich gesehen habe, mit wie vielen Stimmen ich den Award gewonnen habe – mit rund einem Drittel Vorsprung –, war das überwältigend. Besonders schön war zu merken, wie sehr die Mitarbeitenden und auch viele Menschen aus Vorau mitgefiebert haben. Das ist wirklich nicht zu begreifen, dass das so eine breite Verbreitung gefunden hat.

Wie war die Übergabe mit Ihrem Vater – eher reibungslos oder gab es Generationenkonflikte?
Beides. Wir streiten beide gerne, auch über Kleinigkeiten, sind uns aber nie böse. Im Grundsatz hatten wir immer eine sehr ähnliche Vorstellung davon, wie das Unternehmen geführt werden soll. Besonders wichtig ist uns der familiäre und wertschätzende Umgang mit den Mitarbeitenden. Die Firma hat bei uns im Privathaus begonnen, langjährige Mitarbeitende sind für uns quasi Familienmitglieder. Auch wenn wir gewachsen sind, will ich, das familiäre Klima erhalten und dass die Mitarbeitenden immer zu mir kommen können, wenn sie Probleme haben oder was besprechen wollen, ohne Termin. Die Fluktuation ist sehr gering, wir bilden viele Lehrlinge und HTL-Absolvent:innen selbst aus. Schön ist: Wir sind ein Familienbetrieb, unter anderen arbeitet auch meine ältere Schwester hier. Und das ist einfach gut zu wissen, dass man jemanden in der Firma hat, bei dem man weiß, der sagt es dir wirklich, wenn du Blödsinn machst.
Wie erleben Sie Ihre Rolle als Frau in einer stark männlich geprägten Branche?
Ich bin da vielleicht etwas naiv hineingegangen. Meine Eltern haben mir nie vermittelt, dass ich etwas nicht könne, weil ich eine Frau bin. Im Studium war das auch kein großes Thema. Erst im Berufsalltag habe ich gemerkt, dass ich in Geschäftsführerrunden oft die einzige Frau bin und mich die anderen meist nicht für die Geschäftsführerin halten. Es gibt noch viele strukturelle Hürden – vor allem für selbstständige Frauen mit Kinderwunsch, rechtlich wie auch bei der Kinderbetreuung. Es wird uns einfach so schwer gemacht, obwohl es heißt: Es gibt zu wenig Kinder, es gibt zu wenig Frauen in Führungsetagen, aber es ändert sich nichts.
Welchen Rat würden Sie anderen Betriebsnachfolgerinnen geben?
Man sollte ausreichend Zeit einplanen. Keine Hauruckaktion, sondern langsam in die Rolle hineinwachsen, sodass auch die Person, die den Betrieb übergibt, langsam rauswachsen kann. Dann ist es für beide einfacher. Und einen guten Plan machen, wie man die Übergabe gestaltet.






