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„ACTION, ACTION, ACTION“

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Harald Friedl

Harald Friedl © Sacha Gillen

Als einer der global führenden Experten im Bereich Kreislaufwirtschaft berät Harald Friedl Unternehmen, Städte und Regierungen – seit Oktober auch Klimaschutzministerin Leonore Gewessler. Das Motto dabei: Handeln statt mit dem Finger auf andere zu zeigen.

BUSINESS MONAT:
Herr Friedl, Sie beschäftigen sich seit geraumer Zeit mit dem Konzept der Kreislaufwirtschaft. Warum brennen Sie dafür so sehr?

Harald Friedl: In Zeiten, in denen Krisen so breit gesät sind, dass wir mit dem Brandlöschen gar nicht mehr hinterherkommen, gibt uns die Kreislaufwirtschaft einen Rahmen vor, der spannend und klar ist: Dass man mit den vorhandenen Ressourcen so wirtschaftet und auskommt, dass alle genug haben. Das ist ein lösungsorientierter Zugang, der sich von all diesen Nebelschwadendiskussionen abhebt, die ich schon nicht mehr hören kann.

Man fragt sich oft, bei so einem einleuchtenden Modell des Wirtschaftens, warum es sich nicht schon längst viel stärker verbreitet hat?
Das ist eine Frage, die mir viele Leute immer wieder stellen – warum ist nicht längst schon alles so, wie es sein sollte? Eine Begründung finde ich auch nicht, aber ich kann sagen, wie wir dort hinkommen können, zu diesem Idealzustand: indem wir die Menschen und die Umwelt in den Mittelpunkt stellen, dort, wo wir bis jetzt vor allem die Profitmaximierung positioniert haben. Dass es so nicht mehr weitergehen kann, entwickelt sich mittlerweile zum gesellschaftlichen Konsens.

In welche Richtung muss die Gesellschaft umdenken, damit die Kreislaufwirtschaft wirklich Fahrt aufnehmen kann?
Die wichtigste Veränderung betrifft unser Mindset: Wir müssen wegkommen davon, ständig die Verantwortung auf andere abzuschieben. Die Politik auf die Wirtschaft, die Wirtschaft auf die Konsumenten und so weiter. Wir sehen, dass es eine neue Art der Zusammenarbeit braucht, nur mit dem Finger auf andere zu zeigen, damit kommen wir nicht weiter. In meiner Funktion als Kreislaufwirtschafts-Beauftragter des Klimaschutzministeriums sehe ich mich daher in einer verbindenden Rolle, um über die Ideologien und Parteigrenzen hinweg die Leute zusammenzubringen.

Sie haben unter anderem schon der Großstadt Amsterdam ein Kreislaufwirtschafts-Konzept verpasst.
Wie lässt sich das auf einen wirtschaftlich wie geografisch inhomogenen Staat wie Österreich übertragen?

Für die Städte haben wir schon vorgezeigt, wie es gehen kann, in Österreich kommt die Herausforderung dazu, auch den ländlichen Raum für die Kreislaufwirtschaft fit zu machen. Da geht es vor allem um die landwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten, die angepasst werden müssen: Weniger Aufwand an Ressourcen, Vorhandenes länger gebrauchen, weniger Abfall produzieren, das lässt sich auch hier verwirklichen. Das hat schon einmal funktioniert, die Nachkriegsgeneration erinnert uns daran, wie es möglich ist, in einer Mangelwirtschaft zu funktionieren. Die Kreislaufwirtschaft umzusetzen bedeutet, Österreich zukunftsfit zu machen – mit einer klaren Vision einer nachhaltigen, enkeltauglichen und fairen Wirtschaft und Gesellschaft im Mittelpunkt. Österreich hat dabei viel erreicht, auf das wir aufbauen können – und wir können damit ein Vorreiter in Europa und der Welt sein.

Was braucht es dafür?
Ich lasse da gerne einen weltweit berühmten Österreicher sprechen, Arnold Schwarzenegger: „Action, Action, Action!“ Um die Menschen davon zu überzeugen und eine globale Diskussion anzuregen, wurde der „Circular Gap Report“ erstellt. Der legt ganz klar dar, dass erst neun Prozent der Weltwirtschaft zirkulär ablaufen, das führt die große Aufgabe und Dringlichkeit des Handelns vor Augen.

Woran kann man sich in Sachen Best Practice der Kreislaufwirtschaft orientieren?
Die Holländer haben damit angefangen, das System umzudrehen. Ein ganz wichtiger erster Schritt dabei war, das klar zu formulieren. Das Land hat sich das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2050 vollständig zirkulär zu werden, solche klaren Vorgaben braucht es überall. Ähnliche Beispiele gibt es auch in den USA in Portland oder, näher an uns, in Prag. Wichtig dabei ist, die Strategie unter Einbindung der Bürger zu entwickeln. Genau das war der Zugang, als ich bei der Erarbeitung des Kreislaufwirtschafts-Konzepts für Amsterdam beteiligt war.

Welche Vision verfolgen Sie mit Ihrer Tätigkeit?
Ich stelle mir gerne vor, wie man die Wirtschaft vollständig neu aufstellen könnte, auf einer Tabula rasa – und sie so gestaltet, dass der Mensch im Mittelpunkt steht und seine persönliche Progression. Ein Fortkommen, das der Entwicklung der Welt am besten dient und nicht die Zerstörung des Planeten vorantreibt. Und da haben wir mit der Kreislaufwirtschaft ein bestens geeignetes Werkzeug in der Hand.

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