Zum Inhalt springen

Green Jobs – Wie Österreichs Arbeitswelt grüner wird

Veröffentlicht
Lesezeit
3 min
Green Jobs – Wie Österreichs Arbeitswelt grüner wird

© Shutterstock

Plus Kurz-Interview mit Alice Wieser, Abteilungsleiterin Förderungen für Unternehmen im AMS Steiermark

Mit dem Frühling 2026 wird sichtbar, wie stark sich Österreichs Arbeitswelt verändert hat. Was mit gedämmten Häusern, neuen Photovoltaikanlagen und jungen Menschen begann, die sich bewusst für Umweltberufe entscheiden, hat sich zu einem klaren Trend entwickelt. Green Jobs sind längst im Zentrum der wirtschaftlichen Entwicklung angekommen. Laut AMS gelten inzwischen 536 Berufe als Green Jobs, 190 davon mit direktem Umweltbezug. Sie reichen von erneuerbaren Energiesystemen über Abfall- und Ressourcenwirtschaft bis hin zu nachhaltigen Bauberufen. Auch traditionelle Tätigkeiten verändern sich: Elektroinstallateur:innen montieren Solaranlagen, Karosserietechniker:innen arbeiten mit neuen, recyclingfähigen Materialien. Schritt für Schritt werden immer mehr Berufe „grüner“.

Neue Perspektiven

Auch die Nachfrage bleibt hoch. Unternehmen suchen verstärkt Personen, die beim Umstieg auf klimafreundliche Technologien unterstützen können. Selbst in ruhigeren wirtschaftlichen Phasen hat sich gezeigt, dass grüne Berufe stabil gefragt sind. Für viele Menschen, die beruflich neu anfangen oder sich verändern möchten, eröffnen sich dadurch neue Perspektiven – gerade dann, wenn Zukunftssicherheit und Sinn gleichermaßen wichtig sind.

Besonders deutlich zeigt sich diese Dynamik in der Steiermark. Die Umweltstiftung des AMS hat sich zu einem zentralen Motor für Qualifizierung im Umweltbereich entwickelt. Seit 2022 haben dort rund 1.000 Personen eine Ausbildung in einem klimarelevanten Beruf begonnen. Die geförderten Ausbildungen umfassen ein breites Spektrum: von technischen Qualifikationen über Energie und Gebäudetechnik bis hin zu ressourcenschonenden Tätigkeiten. Viele dieser Ausbildungen finden direkt in steirischen Betrieben statt und sind damit eng an den regionalen Fachkräftebedarf gekoppelt.

Umweltstiftung 2.0

Die bisherige österreichweite Umweltstiftung lief seit April 2022 und endete mit März 2026. Seit April 2026 läuft nun die Umweltstiftung 2.0, die auf spezialisierte Umwelttechnologien, praxisnahe Lernformen und regionale Anforderungen ausgerichtet ist. Erste veröffentlichte Informationen zeigen, dass die neue Struktur gezielt jene Kompetenzen fördert, die für die ökologische Transformation besonders notwendig sind. Für die Steiermark bedeutet das eine konsequente Fortsetzung der bisherigen Qualifizierungsarbeit – und eine deutliche Verstärkung in einem Zukunftsbereich.

Green Jobs stehen damit nicht nur für neue berufliche Möglichkeiten, sondern auch für eine grundlegende Verschiebung: Wirtschaft und Ökologie wachsen enger zusammen. Innovation bedeutet zunehmend Verantwortung. Und viele Schritte, die klein beginnen – ein gedämmtes Haus, eine Solaranlage, eine erste Ausbildung – tragen dazu bei, dass die ökologische Zukunft im Alltag ankommt. Arbeit gewinnt dadurch wieder spürbare Wirkung: für Menschen, Unternehmen und eine nachhaltige Entwicklung der Steiermark.

Alice Wieser
Alice Wieser, Abteilungsleiterin Förderungen für Unternehmen im AMS Steiermark © Foto Fischer

„Die Umweltstiftung 2.0 stärkt den grünen Arbeitsmarkt in der Steiermark.“

Alice Wieser von der Förderung für Unternehmen im AMS Steiermark erklärt im Kurzinterview mit dem BUSINESS MONAT die neue Umweltstiftung.

BUSINESS MONAT: Welche Bedeutung hat die Umweltstiftung 2.0 für die Steiermark?

Alice Wieser:In der Steiermark wurden bisher mehr als 200 Menschen über die Umweltstiftung ausgebildet. Für die neue Umweltstiftung 2.0 sind rund 170 Plätze für unser Bundesland geplant, die bei Bedarf aufgestockt werden können – ein klares Zeichen für den wachsenden Umwelt- und Technologiebereich. Die Stiftung richtet sich an arbeitslose Personen und ermöglicht Ausbildungen für Berufe mit Umweltbezug: vom Fachhelfer:innen-Niveau über verkürzte Lehrabschlüsse bis hin zu Ausbildungen, die zu einem Hochschulabschluss führen können. Gleichzeitig übernimmt das AMS auch die finanzielle Absicherung der Teilnehmenden.

Welche Green Skills und Berufe werden vermittelt – und warum profitieren Unternehmen?

Die Auswahl ist sehr breit. Ausgebildet wird in Bereichen wie Energie und Gebäudetechnik, Recycling, Kreislauf und Abfallwirtschaft, Mobilität sowie Natur, Forst- und Landwirtschaft. Fortlaufend kommen neue Schwerpunkte hinzu. Das Besondere: Die praktische Ausbildung findet direkt im späteren Betrieb statt. Unternehmen sagen dem AMS, welche Fachkräfte sie brauchen – und die Stiftung bildet genau dafür aus. Das hilft, den Fachkräftemangel im Umweltbereich deutlich zu verringern.

Warum ist die Nachfrage nach Green Jobs so hoch?

Viele Menschen möchten heute in Berufen arbeiten, die sinnvoll sind und etwas für Umwelt und Gesellschaft bewirken. Das betrifft junge Menschen ebenso wie Umsteiger:innen. Die Umweltstiftung 2.0 nutzt dieses Interesse: Sie ermöglicht eine hochwertige Ausbildung und führt – dank einer Übernahmequote von über 70 Prozent – sehr häufig direkt in eine feste, vollversicherte Anstellung.

Welche Voraussetzungen braucht man?

Teilnehmen können arbeitslose Personen ab 18 Jahren mit ausreichenden Deutschkenntnissen und ehrlichem Interesse an einer Tätigkeit im Umweltbereich. Das regionale AMS informiert gerne über alle weiteren Schritte und Einstiegsmöglichkeiten.

Themen

  • ACstyria Materials Day
    Mobilität9 Min

    Werkstoff der Zukunft

    Advanced Materials sind weit mehr als ein Forschungsthema. Sie entscheiden darüber, wie effizient, robust, ressourcenschonend und wettbewerbsfähig Mobilität künftig sein kann. Beim Round-Table-Gespräch im Rahmen des ACstyria Materials Day am Red Bull Ring wurde deutlich, warum die Steiermark dafür beste Voraussetzungen mitbringt.

  • Alexandra Loidl
    Klimaschutz4 Min

    "Wir sind am weitesten vorne"

    Klimaschutz und Nachhaltigkeit stehen ganz oben auf der Agenda von Alexandra Loidl. Die neue Vorständin der Holding Graz setzt dabei auf moderne Technologien – die nicht nur die Umwelt schonen, sondern auch die Ohren der lärmgeplagten Grazer Stadtbevölkerung.

  • Bernhard Puttinger
    Klimaschutz6 Min

    Green Tech: Die Kraft grüner Technologie

    Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten wächst ausgerechnet jene Branche, die lange als reines Zukunftsversprechen galt: Green Tech. Warum Energie- und Umwelttechnologien jetzt zum entscheidenden Standortfaktor werden, erklärt Bernhard Puttinger, Geschäftsführer des Green Tech Valley Clusters.

  • Im Schatten der Krisen
    Klimaschutz4 Min

    Im Schatten der Krisen

    Inflation, Kriege, Spritpreise: Während multiple Krisen die Aufmerksamkeit dominieren, rutscht die Klimakrise nach hinten. Nachhaltigkeitsforscher Dr. Thomas Brudermann erklärt, warum genau das brandgefährlich ist – und weshalb die aktuellen Krisen eng mit der ökologischen Transformation verknüpft sind.

  • Symbolbild © Shutterstock
    Green Future2 Min

    Daten & Fakten

    Österreich zählt zu den europäischen Vorreitern der Umwelttechnik. Und das nicht nur aus ökologischer, sondern zunehmend auch aus wirtschaftlicher Sicht – wie aktuelle Zahlen beweisen.

  • Gläserne Weltkugel mit Mobilität-Icons in freier Natur
    Mobilität5 Min

    Vom Automobil- zum Mobilitätscluster

    Anlässlich des 30-Jahr-Jubiläums des ACstyria-GF luden wir GF Christa Zengerer & Wirtschaftslandesrat Willibald Ehrenhöfer zum Interview über die Zukunft der Mobilität.

Taboola · Below Article Thumbnails

Nächster Artikel

Maruša Puhek
4 Min
Energie

Sonnenstrom trifft Brainpower

Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften boomen in Österreich – nicht zuletzt dank der Immobranche, die zögerlich die Vorteile der gemeinschaftlichen Stromerzeugung entdeckt.