Stadt der Zukunft
Digital Game
- Unterressort
- Künstliche Intelligenz
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Statt das Match „Mensch gegen Maschine“ zu nennen, sollte man endlich beginnen, Digitalisierung und all ihre Spielarten als Chance zu sehen, sagen Experten. Letztlich werden die neuen Technologien leisten, was die anderen auch schon geschafft haben: das Leben bequemer machen.
Ridley Scott hat sich 1982 mit seinem Blockbuster Blade Runner dem Thema Künstliche Intelligenz gewidmet, er war damit einer der ers-ten, der intelligente künstliche Spezies auf die Kinoleinwand brachte. Der Film spielt im Jahr 2019 und handelt vom Polizisten Rick Deckard, der beauftragt wird, „Replikanten“, das sind künstliche Arbeitssklaven, aufzuspüren und auszuschalten. Die haben sich selbstständig gemacht, um in der Unterwelt von Los Angeles nach ihrem Schöpfer zu suchen. In der Realität des Jahres 2019 kämpft in L.A. ein Österreicher für die Umwelt, der sich 1984 noch als Cyborg durch die Filmwelt von Terminator schlug. Das zeigt wohl, dass man Science Fiction nicht zu ernst nehmen sollte.

Oh Gott!
Dagmar Schuller, gebürtige Weizerin und mit ihrem Unternehmen audEERING im Bereich Spracherkennung und KI gut im Geschäft, lacht, wenn man sie auf die Skepsis anspricht, die dieses Thema begleitet. „Es gibt da drei Cover des ,Spiegel‘, die das schön aufzeigen. Das erste zur Industriellen Automation hatte die Botschaft ‚Oh Gott! Jetzt kommen die Computer!‘, das zweite ,Oh Gott! Jetzt kommt das Internet‘ und zuletzt hörten wir ‚Oh Gott! Roboter nehmen uns die Arbeitsplätze weg‘.“ Auch wenn man nicht bei allen Entwicklungen „Super!“ rufen solle, sei es höchst an der Zeit, diese Themen in ein positives Licht zu rücken, findet Schuller.
Zunächst gelte es, stärker zu entmystifizieren, gerade was die Furcht vor flächendeckendem Arbeitsplatzverlust betrifft. „Es wird sich die Art und Weise verändern, wie wir arbeiten und Dinge einsetzen, aber erst einmal müssen wir herausfinden, was man mit der Technologie erreichen will.“ In diesem Zusammenhang werde in der Regel über Maschinenlernen geredet, die Basis von Künstlicher Intelligenz. Und das sei alles andere als mystisch, betont Schuller, es handle sich um statistische und mathematische Verfahren. Im Grunde gehe es wie bei allen KI-Modellen um Datenreduktion, um das Erkennen von entsprechenden Parametern und Mustern und wie man damit intelligente Schritte setzen könne. Schuller ist sich sicher: Es gibt viele Bereiche, in denen Maschinen bessere Entscheidungen treffen können als Menschen. Dreh- und Angelpunkt dabei sei jedoch die Aufarbeitung der Daten, mit denen die Maschinen gefüttert sind.
Maschinen können das Leben bequemer gestalten, ist die Unternehmerin überzeugt. Im Sportbereich etwa lassen sich dank Smartwatch schon heute bessere Trainingsergebnisse erzielen, Maschinen, die einmal zu Feedback fähig sein werden, könnten auch zu Ratgebern werden. „Nehmen wir einen Sprachassistenten, der mir sagt, wie ich einen Vortrag optimieren kann. Das könnte auch Schülern helfen, ihre Angst vor Referaten zu überwinden“, betont Schuller. Einen großen Bereich für KI und Robotics sieht sie im Bereich Gesundheit: in der Pharmaindustrie etwa, wo Generalisierungen bald der Vergangenheit angehören werden. Wurden in der Vergangenheit Medikamente an im Schnitt 30-jährigen Männern mit 75 Kilo Körpergewicht getestet, könne man künftig Maschinen mit den Daten von Personen füttern, die dann eine für sie angepasste Medikation und Information über Nebenwirkungen bekommen könnten.

Gesundheit von morgen
Science Fiction habe längst vorgezeigt, was medizinisch einmal machbar sei, sagt der Chirurg Lars-Peter Kamolz aus Graz, etwa bionische Rekonstruktion mittels neuer myoelektrischer Prothesen und bio- logischer 3D-Druck. Es gebe bereits einen relativ guten Überblick, was im medizinischen Bereich in den nächsten zehn Jahren kommen werde, allerdings mit der Problematik, dass darüber hinausgehende Prognosen auf Technologien basieren, die es noch gar nicht gibt. „Fakt ist, dass sich das medizinische Wissen heute alle sieben Monate verdoppelt, vor nicht allzu langer Zeit waren das noch zehn Jahre.“ Diese Daten digital zu nutzen bietet sich an. KI wird künftig einen wesentlichen Beitrag zur Diagnoseerstellung beitragen, die endgültige Behandlung wird weiterhin zwischen Arzt und Patienten besprochen. Auch präzise Tätigkeiten, die oft wiederholbar sind, könnten künftig Roboter leisten, einfache Operationen oder bestimmte medizinische Versorgungen an Orten beispielsweise, wo keine Mediziner verfügbar sind. Assisted Living ist ein großes Schlagwort für eine Gesellschaft, die immer älter wird: Roboter, KI und Smart Devices wie elektronische Uhren werden ermöglichen, dass Menschen so lange wie möglich selbstständig in ihren eigenen vier Wänden leben können. Was die Lebensdauer betrifft, so sei ethischer Konsens in der Wissenschaft, dass vorrangiges Ziel nicht ist, das Leben endlos zu verlängern. Die Technologie wie auch die Genetik solle dazu dienen, dass Menschen so lange wie möglich gesund leben können. „Der Tod gehört nun einmal zum Leben. Ich weiß nicht, ob die Aufgabe der Sinngebung im Leben noch funktioniert, wenn wir 200 oder 300 Jahre alt werden würden bzw. wüssten, dass wir niemals sterben“, sagt Kamolz.

Globale Versorgung
Damit die Kommunikation zwischen Maschine und Umwelt klappt, braucht es Sensoren. Das Unternehmen ams in Unterpremstätten ist in diesem Bereich weltweit ein Big Player, Thomas Riener ist dort Entwickler und Scout, was Markt-trends betrifft. Auch er ist überzeugt, dass intelligente Maschinen das Leben enorm vereinfachen können.
In einer Welt, in der in absehbarer Zeit zehn Milliarden Menschen lebten, gehe es nicht ohne Technologie, ist Riener überzeugt. Vertical Farming in Städten könnte helfen, die Versorgungssituation zu gewährleisten, möglicherweise mit einer Lichttechnologie, deren Farbspektrum die Pflanzen schneller wachsen lässt. Schon heute bieten Smart-Home-Anwendungen Lichtfarben, die auf das Wohlgefühl einwirken.
Intelligente Technologie könne auch helfen, das Thema Klimawandel auf eine andere Basis zu stellen. Schnell verfügbare Messmethoden können jedem Einzelnen den Grad seiner Umweltverschmutzung zeigen und ihm Maßnahmen zur Ressourceneffizienz nahelegen. Auch ein gesünderes Leben sei dank Digitalisierung und effizienter, direkter Messverfahren möglich: Blutdruckmessen ohne Armbinde etwa oder eine bessere Gewichtskontrolle durch rasche Kalorienmessung inklusive Tipps zur besseren Ernährung. Das Ganze könne weitergedacht werden bis hin zu Spielereien, etwa dass Sneakers die Farbe wechseln, damit sie zum gesamten Outfit passen, betont Riener.
Wie so eine intelligente Kopplung mit einem Gerät aussehen kann, beschreibt Riener anhand eines Shooter-Games, das schon entwickelt, aber noch nicht erhältlich ist. Über einen Sensor wird der Puls des Spielers gemessen, ein hoher Erregungsgrad lässt weniger Gegner ins Spiel kommen, bei beginnender Langeweile werden es mehr.
Auch Augmented Reality sei in diesem Zusammenhang ein wichtiges Stichwort, betont Riener, wo die reale Welt mit virtuellen Überblendungen verschmilzt: etwa in Form einer Brille, die den Weg ansagt, die auf einem Produkt angegebene Inhaltsstoffe analysiert oder noch Empfehlungen gibt, wo dieses günstiger zu finden ist.
Autonomes Fahren
Sensorik spielt gerade im Automotivbereich eine große Rolle. In rund zehn Jahren, wenn autonomes Fahren möglich sein wird, werden in einem Pkw statt wie aktuell hundert Sensoren ein paar hundert verbaut sein. In der Forschung beschäftigt man sich aktuell noch mit den größten Unfallrisiken, also mit Fehlern, die vom Fahrer ausgehen, und der Frage, wie man diese ausschalten kann.
Bei ams laufen die Arbeiten am sogenannten Lidar-System auf Hochtouren: Mittels Lasern wird vom Auto aus die Umgebung dreidimensional abgetastet, das Auto erkennt somit, wie die Umgebungssituation ist, und weiß damit, wie es handeln muss.






