Stadt der Zukunft
Positiv Denken
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Dagmar Schuller © Martin Nink
Die Steirerin Dagmar Schuller ist mit ihrem Unternehmen audEERING bei München im Bereich Sprachanalyse und Künstliche Intelligenz ganz vorne dabei. Sie berät auch politische Vertreter in Deutschland bei der Umsetzung der KI-Strategie des Bundes. Dabei pocht sie darauf, das Thema endlich positiv zu konnotieren.
Verstehen Sie die Furcht mancher Menschen davor, gläsern zu werden?
Schuller: Das ist schon verständlich, nur müssen wir uns endlich um eine positive Darstellung bemühen. Probleme gibt es natürlich, etwa beim Speichern auf der Cloud: Die meisten Anbieter, Amazon, Google, kommen aus den USA. Wir können noch so tolle Datenschutzregelungen haben, amerikanische Unternehmen verwenden unsere Daten trotzdem oftmals, ohne dass es uns bewusst ist. Nun kommt es darauf an, in eine Richtung zu gehen und die Technologie so zu gestalten, dass sie sicher sind, dass eine negative Auswertung nicht auf eine einzelne Person rückführbar ist, die Daten aber dennoch nutzbar sind für die große, breite Masse. Je mehr gute Daten ich habe, desto eher kann ich Modelle generalisieren, um KI für die Menschen wirklich nutzbar zu machen.
Was würde das für die gesetzliche Basis bedeuten?
Wir müssen unseren Datenschutz grundlegend ändern, mit unserer Zustimmungsregelung tun wir uns nichts Gutes. Es könnte gelöst werden wie bei der Organspende, wo man explizit widersprechen muss, natürlich unter der Voraussetzung, dass die Daten anonym und nicht rückführbar sind. Dadurch könnte ein großer Pool Daten entstehen, der für junge Unternehmen nutzbar wäre, die sich eine eigene Datenakquise nicht leisten können. Die grundlegenden Innovationen gehen nun einmal von kleineren Unternehmen aus.
Sie stehen in engem Austausch mit der deutschen Bundespolitik. Hat man dort einen Überblick dieses Thema?
Grundsätzlich gibt es großes Interesse, sich konkret und intensiv mit dem Thema auseinanderzusetzen, auch auf höchster politischer Ebene. Es gibt dennoch viele, die keinen konkreten Plan für die Umsetzung haben. In Deutschland beginnt man schon, auch uns kleinen Unternehmen zuzuhören. Politiker müssten beginnen, Vertrauen zu vermitteln, den Menschen das Gefühl geben, dass man weiß, was man tut. Es ist ja absurd: Auf Facebook geben User alles Mögliche Preis, sobald sich technologisch im Land etwas tut, bekommen sie plötzlich Angst, übervorteilt zu werden.
Wie erklären Sie sich dieses Misstrauen?
Wir haben das Glück des Wohlstands, man hat sich vieles erarbeitet, das man auf keinen Fall verlieren will. Alles, was für diesen Wohlstand bedrohlich erscheint, wird plötzlich zum Feind, ohne ausreichend hinterfragt zu werden. Umso wichtiger ist eine Aufklärung darüber, was eine Technologie kann und wo der mündige Bürger selbst entscheiden kann, ob und inwiefern er sie nutzt. Kinder sollten auch schon in den Schulen an die Technologien herangeführt werden, wenn das von den Kindern zur nächsten Generation getragen wird, hat man schon einen schönen Hebel.






