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Interview

Digital denken. Menschlich handeln.

Unterressort
Digitalisierung
Veröffentlicht
Lesezeit
4 min
Walburga Seidl

Walburga Seidl, Vorstandsmitglied Steiermärkische Sparkasse © Thomas Luef

Für Walburga Seidl, Vorstandsmitglied Steiermärkische Sparkasse, ist eines klar: Technologie soll Prozesse vereinfachen und Raum für persönliche Beratung schaffen. Im Interview spricht sie über KI, neue Arbeitswelten und die Zukunft des Bankings zwischen Effizienz und Vertrauen.

In der Steiermark nutzen bereits rund 326.000 Kund:innen das Onlinebanking George und rund 7.000 Kund:innen vertrauen auf -George Business. Zahlen, die zeigen: Die digitale Transformation ist in der Finanzbranche Realität. Die Steiermärkische Sparkasse verfolgt dabei einen klaren Ansatz: Digitalisierung soll Freiräume schaffen – nicht ersetzen.

Vorstandsmitglied Walburga Seidl spricht von verbesserten Kundenerlebnissen, von echter Wertschöpfung durch Technologie und von einer Organisation, die Veränderung nicht nur umsetzt, sondern gestaltet. Heißt: Wer Banking neu denkt, muss den Menschen konsequent in den Mittelpunkt stellen.

BUSINESS MONAT: Frau Seidl, die Digitalisierung gilt als zentraler Treiber im Bankensektor. Welche Rolle spielt sie für die strategische Ausrichtung Ihres Hauses?

Walburga Seidl:Die Finanzbranche insgesamt ist mitten in einer umfassenden Transformation – wir sehen darin vor allem eine große Chance. Unser Anspruch ist klar: Digitalisierung darf kein Selbstzweck sein. Sie muss das Kundenerlebnis verbessern und gleichzeitig unsere internen Prozesse vereinfachen, automatisieren und beschleunigen. Gemeinsam mit Erste Bank und Sparkassen arbeiten wir an strategischen Initiativen, die das Leben unserer Kund:innen spürbar einfacher machen sollen. Initiativen wie unser neues AI Lab zielen genau darauf ab.

Sie formulieren als Ziel „mehr qualitative Beratungszeit“. Wie verändert Digitalisierung den Alltag Ihrer Berater:innen konkret?

Ganz wesentlich. Wenn einfache Prozesse digital abgewickelt werden können, entsteht automatisch mehr Raum für das, was wirklich zählt: persönliche Beratung. Unsere Berater:innen gewinnen Zeit, um zum Beispiel für die großen komplexen Lebensentscheidungen unserer Kund:innen – sei es beim Immobilienkauf oder bei unternehmerischen Fragen – die persönlichen Beratungsgespräche zu intensivieren. Genau dort entsteht der eigentliche Mehrwert. Und genau das wird auch sehr positiv wahrgenommen.

Transformation verlangt aktive Mitgestaltung. Wie stellen Sie sicher, dass Ihre Mitarbeiter:innen diesen Weg mitgehen?

Indem wir sie einbinden und befähigen. Wir arbeiten mit unterschiedlichen Lernformaten – von niederschwelligen digitalen Angeboten bis hin zu individuellen Coachings. Wichtig ist, dass jede und jeder dort abgeholt wird, wo sie oder er steht. Und wir sehen: Wenn der Nutzen erlebbar ist, steigt auch die Bereitschaft zur Mitgestaltung. Digitalisierung wird dann nicht als Bedrohung wahrgenommen, sondern als Unterstützung.

Mit George verfügen Sie über eine der bekanntesten Banking-Plattformen Europas. Welche Rolle spielt es in Ihrer Strategie?

George ist längst mehr als ein Gesicht zu Kund:innen – es ist unsere zentrale Infrastruktur. Über diese Plattform laufen wesentliche Bank- und Serviceprozesse: von der Kontoeröffnung über den Zahlungsverkehr bis hin zum Dokumentenaustausch. Viele Abläufe sind heute bereits end-to-end digital möglich. Und wir bauen das konsequent weiter aus – etwa mit Angeboten wie George Invest oder digitalen Financial Health Checks. Ziel ist ein einfaches, verlässliches und jederzeit verfügbares Kunden-erlebnis.

Wie gelingt es, unterschiedliche Kundengruppen in diese digitale Welt mitzunehmen?

Wir differenzieren klar. Junge Kund:innen erwarten digitale Lösungen. Für sie ist das selbstverständlich. Andere brauchen Unterstützung. Dafür haben wir George Assisted entwickelt: Berater:innen begleiten Kund:innen direkt im System und zeigen ihnen, wie einfach vieles funktioniert. Und natürlich gibt es auch Menschen, die bewusst den persönlichen Kontakt suchen. Für sie bleiben wir weiterhin vor Ort präsent. Die Kombination aus digitalen Services und persönlicher Präsenz vor Ort ist von zentraler Bedeutung.

„Technologie ist der Hebel – der Mensch bleibt der Maßstab.“
Walburga SeidlWalburga SeidlVorstandsmitglied Steiermärkische Sparkasse

Ein spannender Aspekt ist die Digitalisierung von „Geldmomenten“. Welche Lebenssituationen stehen im Fokus?

Vor allem jene, die besonders prägend sind: Immobilienkauf, Familien- und Unternehmensgründung. Die Informationsphase wird zunehmend digital, oft auch mit Unterstützung von KI. Aber die finale Entscheidung fällt fast immer im persönlichen Gespräch – weil es um Vertrauen geht. Und um individuelle Lösungen, nicht um Standardprodukte.

Sie haben ein eigenes AI Lab aufgebaut. Wo sehen Sie die größten Potenziale von künstlicher Intelligenz im Banking?

Die Einsatzmöglichkeiten sind vielfältig. KI unterstützt uns bereits bei der Beantwortung von Anfragen, in der Dokumentenverarbeitung, in der Betrugserkennung oder im Risikomanagement. Ein besonders wichtiger Bereich ist die Unterstützung unserer Berater:innen: KI hilft, bessere und individuellere Lösungen für Kund:innen zu finden. Entscheidend ist aber: Technologie allein schafft keinen Mehrwert. Es braucht immer die Verbindung mit menschlicher Intelligenz – ganz nach unserem Credo: Super Human, Super Digital.

Sie sprechen von der „Demokratisierung von AI“. Wie setzen Sie das konkret um?

Mit unserem AI Lab haben wir ein Netzwerk geschaffen, das weit über die IT hinausgeht. Mitarbeitende aus verschiedenen Bereichen bringen als „AI Scouts“ eigene Ideen und Anwendungsfälle ein. Wir wollen begeistern, befähigen, bündeln. Wir investieren stark in AI Literacy und stellen gleichzeitig sicher, dass Themen wie Datenschutz und Sicherheit zentral gesteuert werden. So entsteht Innovation aus der Breite heraus.

Die Steiermärkische Sparkasse wurde gerade als eine der besten Arbeitgeber:innen Österreichs ausgezeichnet. Was macht eine moderne Bank heute attraktiv?

Menschen stehen im Mittelpunkt – das ist für uns keine Floskel. Wir wollen ein Umfeld schaffen, in dem Leistung honoriert wird und gleichzeitig Freude an der Arbeit entsteht. Ein zentraler Punkt ist die „Employee Experience“. Mitarbeitende sollen an den entscheidenden Touchpoints Wertschätzung, Feedback und Entwicklungsmöglichkeiten erleben. Denn Wachstum als Organisation funktioniert nur, wenn auch die Menschen wachsen.

Für 2026 planen Sie zusätzliche Investitionen in Learning & Development. Welche Kompetenzen werden künftig entscheidend sein?

Lernen wird noch stärker zum integralen Bestandteil des Arbeitsalltags. Mit unserem neuen Campus kombinieren wir digitale Formate, Präsenztrainings und moderne Lernmethoden – auch unter Einsatz von KI. Gefragt sind künftig nicht nur fachliche Kompetenzen, sondern vor allem Lernfähigkeit, digitale Affinität und die Bereitschaft, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln.

Sie investieren auch in Gesundheitsmanagement. Warum wird das strategisch immer wichtiger?

Weil Gesundheit die Grundlage für Leistungsfähigkeit und Zufriedenheit ist. Wir betrachten das ganzheitlich: physisch, mental und präventiv. Mit neuen Angeboten – von digitalen Beratungen bis hin zu einem eigenen Gesundheitszentrum – schaffen wir zusätzliche Möglichkeiten für unsere Mitarbeitenden. Das ist kein Zusatz, sondern ein zentraler Bestandteil moderner Unternehmensführung.

Zum Abschluss: Welche Entwicklung wünschen Sie sich für die Zukunft des Bankings?

Dass es uns gelingt, Technologie so einzusetzen, dass sie echten Mehrwert schafft. Einfachere Prozesse, bessere Entscheidungen und mehr Zeit für persönliche Beratung. Wenn uns diese Balance gelingt, dann haben wir viel erreicht – für unsere Kund:innen und für die Region.

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