Erfolg als Herausforderung
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Heinz Mayer, der neue Leiter der Forschungsgesellschaft Joanneum Research, sieht vor allem in den Bereichen Energieeffizienz, Künstliche Intelligenz, Medizin und Pflege enormes Forschungspotenzial. Die Forschungsverwertung soll gesteigert werden.
Seit 1. September ist Heinz Mayer, bisher Direktor des Instituts DIGITAL, als neuer Geschäftsführer der Joanneum Research (JR) im Amt. Die JR ist eine der größten außeruniversitären Forschungseinrichtungen Österreichs und beschäftigt rund 500 Mitarbeiter*innen. Thematisch ist die JR in die sieben Institute Digital, Materials, Robotics, Coremed, Health, Life und Policies gegliedert. Wie Mayer im Gespräch mit dem Business Monat ausführt, ist die JR ein agiles Unternehmen mit einem breiten Portfolio, das flexibel auf Marktbedürfnisse reagieren kann.
Werden Sie innerhalb dieser Forschungsbereiche neue Gewichtungen vornehmen?
Heinz Mayer: Der Fahrplan ist sehr klar. Die JR ist gut aufgestellt und wirtschaftlich erfolgreich. Über das Gesamtunternehmen sind wir sehr gut ausgelastet. Vor allem unsere größeren Institute haben einen sehr guten Arbeitsvorrat. Das gibt Planungssicherheit und einen beruhigten Blick in die Zukunft. Wir können uns jetzt aus einer guten Ausgangslage mit der nächsten Strategieperiode, die von 2023 bis 2027 läuft, intensiv beschäftigen uns mögliche neue Schwerpunktsetzungen überlegen. Erfolgreich gemacht hat uns eine notwendige Flexibilität und Agilität, mit der wir uns permanent an den Herausforderungen der Industrie, Wirtschaft und Gesellschaft orientieren. Wir haben uns auch in den letzten Jahren schon sehr stark transformiert. Und das wird sicher in den nächsten Jahren noch stärker der Fall sein.
In welchen Bereichen konkret?
Diese Transformationen kamen in mehreren Wellen: Zuerst kam Big Data und die Digitalisierung, jetzt spielt Künstliche Intelligenz (KI) eine geradezu dramatische Rolle. Und natürlich sind mit dem Green Deal die Themen Nachhaltigkeit und Gesellschaft unter Berücksichtigung der Wettbewerbsfähigkeit der Industrie wesentliche Elemente.
In welchen Bereichen werden Sie die Forschungsaktivitäten erhöhen?
Energieeffizienz, Ressourcen- und Sekundärnutzung und damit die Kreislaufwirtschaft spielen sicher eine wesentliche Rolle, da spielt auch die Elektronik mit hinein. Im Stahlbereich hat man ja schon begonnen, nationale und europäische Forschungsprogramme auf diese Schwerpunkte auszurichten. Wir sind mit unseren Technologien vorbereitet, innovative Lösungen anzubieten. Auch die Überwachung unserer Umwelt selbst bekommt eine gesteigerte Bedeutung. Das spiegelt sich auch in den Budgets der Europäischen Weltraumorganisation ESA wider: Der Bereich Erdbeobachtung verfügt mittlerweile über das größte Budget der ESA. Medizin und Pflege werden eine große gesellschaftliche Herausforderung darstellen. Für unsere Institute Health und Coremed, die eng mit der Medizinischen Universität Graz kooperieren, sehe ich hier großes Potenzial. Im medizinischen Bereich werden die Digitalisierung und KI immer wichtiger, vor allem wenn es um die Entscheidungsunterstützung geht. Und: Es geht nicht nur um den Strategieprozess, sondern auch darum, welche Geschäftslogik wollen wir zukünftig verfolgen wollen: Wie wir mit Verwertungen umgehen, wie mit industrienahen Themen und wie mit Beteiligungen und Spin-offs? Und darum, das Forschungsportfolio im Kern noch weiter zu entwickeln.
zur Person
Der Telematiker Heinz Mayer (52)
kam nach Stationen an der TU Graz und Magna
Steyr 2007 zur Joanneum Research, leitete dort
seit 2013 das Institut Digital und ist seit 1. September
Geschäftsführer der Joanneum Research
Forschungsgesellschaft.
In welchen Geschäftsfeldern könnte man da verstärkt andocken?
Die JR hat schon über die letzten Jahre sehr erfolgreich Technologien in neue Unternehmen ausgegründet, sei es über Spin-offs oder Tochtergesellschaften: z. B. die
Nextsense GmbH, die decide Clinical Software GmbH, die Geo5 GmbH, die EPIG GmbH oder die JR-AquaConSol GmbH. Nextsense ist 2006 mit einem ursprünglichen Team von fünf Mitarbeitern ausgegliedert worden und 2018 von Hexagon, einem weltweit führenden Anbieter von Mess- und Informationstechnologien, wirtschaftlich äußerst erfolgreich übernommen worden.
Was sehen Sie als den wichtigsten Auftrag in Ihrer neuen Rolle als Chef einer so großen Forschungseinrichtung an?
Unsere Mitarbeiter*innen sind unsere wichtigste Ressource, daher ist das Thema Diversität, und da meine ich nicht nur Gender allein, ganz wichtig. Wir müssen die Rahmenbedingungen schaffen, damit wir die Humanressourcen – das Kapital unseres Unternehmens, das Potenzial unserer Expert*innen entsprechend nutzen. Das kann sowohl in der Forschungskompetenz als auch im Forschungsmanagement der Fall sein. Wichtig ist, die Mitarbeiter*innen entsprechend weiterzuentwickeln und einzusetzen.
Wie würden Sie Ihren Führungsstil bezeichnen?
Mein Führungsstil ist geprägt von extrem hoher Verantwortungsübertragung gepaart mit dem hohen Anspruch, den die JR hinsichtlich inhaltlicher und wirtschaftlicher Vorgaben an ihr Management stellt. Im Vergleich mit anderen Mitbewerbern der außeruniversitären Forschung sind wir Weltmeister, was die Förderquote betrifft. Der Erfolg stellt natürlich auch eine Herausforderung dar: Wir sind über die letzten Jahre stark gewachsen, nicht nur bei der Mitarbeiteranzahl, sondern auch geografisch: mit Einheiten in Kärnten und im Burgenland. Bei gleichbleibendem Gesellschafterzuschuss und geringer werdenden Förderquoten bedeutet das, dass wir wirtschaftlich noch erfolgreicher sein müssen. Darauf müssen wir in den nächsten Jahren reagieren.






