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Ressource Mensch

KI – Quo vadis?

Veröffentlicht
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8 min
Künstliche Intelligenz & Ressource Mensch

Wie kann man mit künstlicher Intelligenz die Effizienz im Unternehmen steigern? Was muss man in puncto Sicherheit bedenken? Und welche Branchen profitieren besonders? Steirische Experten geben Antworten zu den wichtigsten Fragen.

KI im Betrieb: Effizienz steigern, Sicherheit wahren

KI ist längst kein Zukunftsthema mehr, sondern auch in steirischen Betrieben angekommen. Dominic Neumann, Fachgruppenobmann der Fachgruppe UBIT der Wirtschaftskammer Steiermark und Gerichtsgutachter für Informationstechnik, gibt im Interview Einblicke in dieses richtungsweisende Thema.

BUSINESS MONAT: Viele Betriebe fragen sich im Moment: „Wann ist der Einsatz von KI wirklich sinnvoll und brauchen wir das überhaupt?“ Wie kommt man da als Unternehmer:in zu einer Entscheidung?

Dominic Neumann: Ich bin sicher: KI wird jede Branche, jedes Unternehmen in Zukunft betreffen. Es gibt schon sehr viele Branchenlösungen, wenn auch noch nicht für alle Bereiche der Wirtschaft. Es gibt zentrale KIs, die viele Dienste übernehmen können. Was man tun kann, ist, sich jetzt schon mit einem/einer Berater:in aus der Fachgruppe UBIT zu unterhalten. Dabei werden der Ist-Stand und der Soll-Stand erhoben und analysiert, was erreicht werden kann, wie viel Effizienz zu welchen Kosten gesteigert werden kann usw.

Es gibt drei Hauptnutzenargumente für KI: Prozesse optimieren, Ressourcen sparen und diese zeiteffizient nutzen. Was heißt das genau?

Für jedes Unternehmen sind Zeit-, Geld- und Mitarbeiterressourcen sehr hohe Belastungen. KI unterstützt Unternehmen dabei, egal in welcher Branche, generell Ressourcen zu sparen und effizienter und automatisierter arbeiten zu können.

Könnten Sie mir an einem praktischen Beispiel erklären, wie KI dabei unterstützen kann?

Nehmen wir etwa den Bereich der Medizintechnik: Hier ist es besonders spannend, was KI schon zu leisten imstande ist, wenn es um Tumorbekämpfung geht. Die KI sichtet CT-Aufnahmen und wertet dann die Wahrscheinlichkeit aus, dass ein Tumor vorhanden ist. Ganz wichtig ist dabei: Diese KI ist „out of the black box“.

Was bedeutet das genau, „out of the black box“?

Das heißt, der Arzt oder die Ärztin kann den Entscheidungsweg nachvollziehen und in letzter Instanz noch immer entscheiden, ob er oder sie der KI glaubt. „AI out of the black box“ bedeutet nichts anderes, als dass KI nachvollziehbar wird. Dadurch, dass man Einblick darin hat, wie die KI zu Entscheidungen kommt, kann man sie nachvollziehen – oder eben auch nicht und selbst zu einem anderen Resultat kommen. Im Gegensatz dazu steht „AI in the black box“: also eine KI, die eigentlich kaum zu kontrollieren ist. Das ist im Hacking-Bereich ein großes Thema, wenn wir über das Thema Sicherheit sprechen.

Stichwort Sicherheit und Vertrauen: Wie kann man als Unternehmen sicherstellen, dass die Ergebnisse, die von der KI kommen, wirklich vertrauenswürdig und transparent sind?

Es muss eine Vertrauensbasis zwischen den Entwickler:innen der KI und dem Unternehmen da sein, weil letztendlich die KI entscheidet – auch wenn sie sauber gemacht und „out of the black box“ nachvollziehbar ist. Unternehmen müssen den Entwickler:innen vertrauen.

Der EU AI Act sorgt gerade für sehr viel Gesprächsstoff. Seit 2. August greifen dieRegeln für allgemein nutzbare KI-Systeme, angestrebt werden dadurch mehr Erklärbarkeit, Nachvollziehbarkeit und Vertrauen. Was steckt dahinter und welche Folgen hat das Gesetz für Unternehmen?

Die EU hat erkannt, dass KI ein Gamechanger ist und noch mehr werden wird. Es ist gut und richtig, dass das Gesetz umgesetzt wird, aber man darf nicht vergessen, dass es nur innerhalb der EU gilt.

Dominic Neumann
Dominic Neumann, Fachgruppenobmann der Fachgruppe UBIT der Wirtschaftskammer Steiermark und Gerichtsgutachter für Informationstechnik © Foto Fischer

Das bedeutet, es geht darum, aus welchem Land die Anwendungen stammen?

Genau, es geht um europäische Anwendungen. Das KI-Gesetz ist eine europäische Verordnung über künstliche Intelligenz, die erste umfassende Verordnung über KI durch eine wichtige Regulierungsbehörde weltweit. Wir sind die ersten, die anderen (China, USA) werden nicht folgen. Das Gesetz ordnet Anwendungen von KI in vier Risikokategorien ein. Es gibt die Risikokategorie „Unannehmbares Risiko“. Diese Anwendungen sind in der EU schlichtweg verboten. Das wären zum Beispiel KI im Hacking-Bereich. Die zweite Kategorie ist „Hohes Risiko“. Das wäre jetzt zum Beispiel Scannen von Lebensläufen im HR-Bereich, also sensible Daten, aber mit einer sauberen, transparenten KI ist es natürlich sinnvoll, sie dort einzusetzen. Immer wenn es um große Datenmengen geht, ist KI ein Vorteil. Die dritte Kategorie ist „Begrenztes Risiko“, das wäre etwa ChatGPT – da muss nur gekennzeichnet sein, dass KI dahintersteckt. Und die vierte Kategorie ist „Minimales oder kein Risiko“. Der EU AI Act ist aber noch recht jung, da ist man jetzt gerade in der Umsetzungsphase und es ist normal, dass bei solch großen Themen ein bis zwei Jahre Umsetzungszeit sind und dann wird erst bestraft.

Welche Risiken bringt der Einsatz von KI mit sich, wenn man etwa an Datenschutz denkt?

Informationssicherheit ist das Thema unserer Zeit in der digitalen Welt. Daten sind das Gold unserer Zeit. Es gibt nichts Wertvolleres als Informationen, und die gilt es zu schützen. Das gelingt einigen besser, einigen schlechter. Man hört immer wieder auch von Datenleaks bei großen Anbietern. Der EU AI Act unterstützt bei dieser Einstufung, wie sicher eine Applikation, eine KI-Anwendung ist. Und eine klassische Risikoeinschätzung, wie man es zur Informationssicherheit in vielen technischen Bereichen macht, muss man auch durchführen. Und dann unterm Strich für sich entscheiden, ist es das Risiko wert und stimmt die Kosten-Nutzen-Rechnung.

Wie gut sind steirische Betriebe auf die technologische Entwicklung im KI-Bereich vorbereitet?

Das ist ganz unterschiedlich. Es gibt Unternehmen, die großen sowieso, die müssen viel in den Bereich investieren. Aber es gibt auch viele KMUs, die irgendeine Nische haben und möglicherweise sogar am Weltmarkt ganz weit vorne dabei sind. Also technologische Unternehmen, die auch verstehen, wenn ihre Daten abhandenkommen, dann haben sie ein Problem. Wenn man auch die Freiberufler miteinbezieht, Ärzt:innen, Steuerberater:innen, die müssen ja per Berufsdefinition schon ein entsprechendes Sicherheitskonzept haben. Eine E-Mail ist wie eine Postkarte. Jeder kann sie mitlesen. Und ein verschlüsseltes E-Mail ist wie ein eingeschriebener Brief. Da ist es schon sehr schwer, ranzukommen.

Was sollten Unternehmen heute schon tun, um sich zukunftssicher mit KI aufzustellen?

Erstens schauen, ob das Unternehmen grundsätzlich sicher ist. Ob ISO 27001, das ist der ISO-Standard für Informationssicherheit, oder NIS 2 (das Netzwerk-Informationssicherheitsgesetz der EU) eingehalten werden, auch bei den Zulieferern. Zweitens Hilfe in Form einer UBIT-Beratung, wo geschaut wird, welche der vielen existierenden KI-Anwendungen für meinen Büroalltag sinnvoll wäre. Drittens eine Kosten-Nutzen-Rechnung und eine Risikoanalyse mithilfe unserer Berater:innen. Gerade kleinere Unternehmen sind eher nicht in der Lage, so etwas selbst zu machen.

>> Hier geht’s zum Video mit Dominic Neumann <<

Roboter Hand
© Shutterstock

Mit Wissen, Innovation & Strategie

Wie Unternehmen den KI-Wandel gestalten können, erklärt Markus Posch, CEO tecTrain GmbH, im Gespräch.

BUSINESS MONAT: In welchen Branchen Ihrer Kunden sehen Sie aktuell den größten Bedarf an KI-Lösungen – und warum?

Markus Posch:Wir beobachten derzeit eine enorme Dynamik rund um das Thema künstliche Intelligenz, quer durch alle Branchen und Unternehmensbereiche. Dabei stehen weniger bestimmte Sektoren im Vordergrund, sondern die unterschiedlichen Anforderungen der jeweiligen Zielgruppen. Auf Anwenderseite zeigt sich aktuell ein starkes Interesse an praxisnahem Know-how, insbesondere im Zusammenhang mit dem EU AI Act. Hier unterstützen wir Unternehmen mit kompakten Trainingseinheiten und E-Learning-Formaten, um Bewusstsein zu schaffen und den verantwortungsvollen Umgang mit KI zu fördern. Gleichzeitig richten sich unsere Angebote an Fach- und Führungskräfte, die zunehmend vor der Aufgabe stehen, technologische Entwicklungen strategisch einzuordnen und fundierte Entscheidungen zu treffen. Auf technischer Expert:innen-Ebene begleiten wir Unternehmen dabei, KI-Anwendungen effizient in bestehende Systeme zu integrieren, mit dem Ziel, Innovation nicht nur zu verstehen, sondern aktiv voranzutreiben.

Wo liegen Ihrer Einschätzung nach die größten Potenziale von KI?

KI entfaltet ihr Potenzial vor allem dort, wo große Datenmengen verarbeitet und Entscheidungen unterstützt werden. Im HR-Bereich hilft sie beispielsweise, Bewerbungsprozesse effizienter zu gestalten und qualifizierte Kandidat:innen schneller zu identifizieren. Im Projektmanagement kann sie Ressourcen optimieren und Risiken frühzeitig erkennbar machen. Der Vertrieb profitiert von intelligenten CRM-Systemen, die Kundenbedürfnisse analysieren und personalisierte Ansprache ermöglichen. In der Produktentwicklung fließt Kundenfeedback in Echtzeit in Innovationsprozesse ein. Darüber hinaus entstehen neue Einsatzfelder in Bereichen wie Marketing, Controlling oder
Support.

Welche Herausforderungen sehen Sie bei der Integration von KI in bestehende Unternehmensstrukturen?

Viele Unternehmen unterschätzen den tiefgreifenden Veränderungsprozess, der mit der Einführung von künstlicher Intelligenz verbunden ist. Es geht dabei nicht nur um Technologie, sondern vor allem um Kultur, Prozesse und Kompetenzen. Die technische Integration erfordert ein durchdachtes Datenmanagement, klare Zuständigkeiten und oft eine Anpassung bestehender Systeme. Gleichzeitig ist die größte Hürde häufig nicht die Technik, sondern – wie so oft – der Mensch.

Wie kann man dieser „Hürde“ entgegenwirken?

Wer KI wirklich produktiv einsetzen will, muss Mitarbeitende frühzeitig einbinden, Ängste ernst nehmen und interne Strukturen schrittweise anpassen. Besonders im Management ist es entscheidend, ein Bewusstsein für die Chancen und Auswirkungen KI-gestützter Arbeit zu schaffen. Wir setzen hier in unseren Projekten häufig auf kompakte Impuls-Workshops, die in interaktiven Peer-Groups praxisnahe Einblicke in Tools, Methoden und Anwendungsszenarien bieten. So entstehen oft schon an einem Tag die Grundlagen für weiterführende KI-Initiativen – sowohl auf technologischer als auch auf organisatorischer Ebene.

Markus Posch, CEO tecTrain GmbH
Markus Posch, CEO tecTrain GmbH © Werner Krug

Wie begegnen Sie in Ihren Beratungsprojekten der Sorge vieler Unternehmen, dass KI Arbeitsplätze ersetzt oder bestehende Rollen fundamental verändert?

Die Sorge, dass KI bestehende Arbeitsplätze verändert oder sogar ersetzt, ist nachvollziehbar und sollte ernst genommen werden. Gleichzeitig darf sie nicht zum Innovationshemmnis werden. In unseren Projekten zeigen wir, dass KI in erster Linie ergänzt, nicht ersetzt. Zwar werden bestimmte repetitive Tätigkeiten automatisiert, doch im Gegenzug entstehen neue, zukunftsorientierte Rollenprofile wie zum Beispiel im Bereich Prompt Engineering, in der Überwachung und Qualitätssicherung von Modellen oder bei der strategischen Integration von KI-Lösungen in Geschäftsprozesse.

Welche Entwicklungen im Bereich KI beobachten Sie mit besonderem Interesse – und wo sehen Sie tecTrain in den nächsten fünf Jahren in diesem Kontext?

Wir beobachten mit großem Interesse die Entwicklung von KI-Anwendungen, die speziell für einzelne Branchen oder Fachbereiche entwickelt werden, etwa für die Rechtsberatung, das Gesundheitswesen oder die Logistik. Für uns bedeutet das, nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern als Brückenbauer zwischen Technologie und Praxis zu agieren. Genau diese Verbindung können wir innerhalb unserer Unternehmensgruppe optimal abbilden. Während tecTrain für die praxisorientierte Weiterbildung steht, deckt unser Schwesterunternehmen tecConsult die technische Umsetzung und Implementierung ab. Diese Kombination bietet unseren Kunden einen echten Mehrwert. In den kommenden fünf Jahren sehen wir uns als führenden Weiterbildungspartner im DACH-Raum, mit modernen analogen und digitalen Lernformaten, die Unternehmen dabei unterstützen, künstliche Intelligenz strategisch, praxisnah und verantwortungsvoll zu verankern.

Inwiefern spielt künstliche Intelligenz aktuell eine Rolle in Ihrem Unternehmen?

Als technologieorientiertes Unternehmen mit Partnerschaften wie etwa mit Microsoft und anderen führenden Anbietern spielt künstliche Intelligenz für uns eine zentrale Rolle, sowohl nach außen als auch nach innen. Wir integrieren KI seit Beginn gezielt in unsere internen Abläufe, beispielsweise in der zentralen Verwaltung unserer Veranstaltungen, bei der Analyse von Lernverhalten oder im Content Management. Gleichzeitig unterstützen wir Unternehmen bei der erfolgreichen Einführung von KI-Technologien, mit klarem Fokus auf praktischen Nutzen – Datensicherheit und die kontinuierliche Weiterentwicklung der Mitarbeitenden.

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