Stadt der Zukunft
Mit KI zum Wow-Effekt
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Künstliche Intelligenz in der Stadtplanung © AIT
Die Zukunft der Stadtplanung ist interaktiv – und erfolgt in Sekundenschnelle. Im City Intelligence Lab werden innovative Wege gesucht, eine Stadt lebenswerter zu machen. Eine Challenge auf vielen Ebenen – nicht nur digital.
Wie viele Menschen braucht es, um eine Stadt so zu planen, dass die Lebensqualität wirkungsvoll gesteigert werden kann? Geht es nach Angelos Chronis, Leiter des City Intelligence Labs am Center for Energy des Austrian Institute of Technology (AIT) und ehemals Lehrender a der TU Graz, lautet die Antwort: Es braucht alle, die darin leben. Die Stadtentwicklungspraxis der Zukunft soll einen spielerischen Touch bekommen – und so das Interesse der Bevölkerung entfachen, selbst mitzugestalten.
Beliebte Simulationen wie „Sim City“ zeigen auf unverkrampfte Art, wie spannend und unterhaltsam es sein kann, Ideen für eine Stadt umzusetzen. „Ähnliches sollen die Menschen auch empfinden, wenn sie zu uns kommen“, sagt Chronis. „Wir alle spielen doch gern. Und wenn das ein Weg ist, Begeisterung zu wecken, wollen wir ihn gehen.“ Besuche von Interessierten am AIT seien deswegen jederzeit willkommen.

Next Level
Das Tool, das Stadtplanung völlig neu erlebbar macht, heißt InFraRed und ist ein faszinierendes Konzept, das Planungsschritte innerhalb von Sekunden visualisiert und in einer Simulation präsentiert. So kann dank künstlicher Intelligenz (KI) nicht nur enorm viel Planungszeit eingespart werden – durch das direkte Sichtbarmachen entsteht ein Wow-Effekt, der nachhaltig wirkt. „Es ist eine Methode zur digitalen Interaktion, die alles sofort zeigt und dadurch echte Auswirkungen auf die Realität hat“, erklärt Chronis. „So bekommen die Anwesenden komplexe Informationen zum Prozess anschaulich in einer Simulation aufbereitet, ohne dass sie die Details selbst verarbeiten müssen.“ Wissenschaftskommunikation next Level also.
Die Vision dahinter ist freilich eine noch viel größere: die Gestaltung von Städten gemeinsam mit den Menschen – für eine lebenswerte Zukunft. Egal ob es um die Planung völlig neuer Stadtteile oder die Optimierung bereits vorhandener geht. Eine Stadt ist ein komplexes System, in dem viele Faktoren zusammenwirken und harmonieren müssen. Was sind die größten Herausforderungen, denen sich die Planenden von Smart Citys derzeit stellen müssen? „Städte müssen jetzt bewusste und rasche Entscheidungen treffen, wenn wir gegen die Klimakrise eine Chance haben wollen“, sagt Chronis. „Wind- und Wärmesimulation, Digitalisierungskonzepte, Mobilitäts- und Gebäudeplanung und deren direkte Auswirkungen sowie jegliche Begrünung – enorm viele Details müssen beachtet werden.“ Moderne Stadtplanung könne keineswegs auf einzelne Projekte reduziert werden, sondern erfordere eine umfassende Betrachtung des großen Ganzen, um wirklich effizient zu sein.

Partizipation erwünscht
Dafür benötige man in erster Linie Daten. Und zwar so viele wie möglich. „In Wien gelingt das schon ganz gut, hier haben wir bereits eine Menge Infos über die Stadt und können überlegen, wie wir sie sinnbringend nutzen und weiterführend anpassen“ , so Chronis. Mit dem Projekt „TreeHopper“ unterstütze das City Intelligence Lab beispielsweise die Klimastrategie der Stadt Wien, die unter anderem die Pflanzung von 25.000 neuen Bäumen vorsehe. „Wir entwickeln dafür eine digitale Lösung, die wichtige Kriterien wie Parkplätze, Wärmeinseln und vieles mehr einkalkuliert.“
Für den Lab-Leiter sei es deswegen von großem Interesse, dass die in einer Stadt lebenden Menschen zunehmend an der Stadtplanung partizipieren. Um möglichst viele zu erreichen, um ein diverses und realistisches Resultat zu erhalten, das alle Bevölkerungsschichten abbilde und niemanden diskriminiere, müssen ebenso vielfältige Wege zum Mitmachen geschaffen werden, wünscht sich Chronis. „Ich denke da beispielsweise an öffentlich und barrierefrei zugängliche Schaltflächen, an denen Menschen ihr Befinden und ihre Anregungen zur Stadt mitteilen können.“ Auch im Zuge von Schule und Ausbildung sehe er Potenzial, für das Thema interaktive Stadtplanung zu sensibilisieren.
Sobald genug Daten über die unzähligen Ebenen einer Stadt vorhanden seien, könne man nämlich jeden Schritt, jede Entscheidung via InFraRed sichtbar machen – und so die Lebensqualität nachhaltig und Schritt für Schritt positiv beeinflussen. In Chronis’ Augen sei das übrigens auch der Weg zu langfristigen Erfolgen. „Es gibt so viele riesige, unrealistische Ideen für zukünftige Stadtplanung – unser Ansatz ist es, realistische Konzepte zu erschaffen, die wirklich Verbesserung in den Städten bewirken. Und so mit kleineren Steps mehr für die Menschen zu erreichen.“







