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Dieses schöne Land ...

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Politik
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Dieses schöne Land ...

© Shutterstock

… ist der Steirer Land. Wo die Kohlenglut und des Hammers Kraft, starker Hände Fleiß das Eisen zeugt. So tönt es zur Wirtschaft in der Steirischen Landeshymne. Wie es aktuell um die heimische Wirtschaft steht, welche Herausforderungen, aber auch Chancen es gibt, hat der BUSINESS MONAT bei Sozialpartnern und Politik nachgefragt.

Wirtschaftslandesrätin Barbara Eibinger-Miedl, Präsident der steirischen Landwirtschaftskammer Franz Tritschenbacher, WKO Steiermark Präsident Josef Herk, IV Steiermark Präsident Stefan Stolitzka, ÖGB Steiermark Vorsitzender Horst Schachner und AK Steiermark Präsident Josef Pesserl über die gegenwärtigen und zukünftigen Herausforderungen und Chancen in der Wirtschaft und am Arbeitsmarkt.

BARBARA EIBINGER-MIEDL
Wirtschaftslandesrätin Barbara Eibinger-Miedl © Lunghammer

Die richtigen Anreize setzen

Nach einigen sehr herausfordernden Monaten deuten alle Prognosen darauf hin, dass es im heurigen Jahr wirtschaftlich wieder bergauf gehen wird. Seitens des Landes werden wir dies entsprechend unterstützen und versuchen, die richtigen Impulse zu setzen – beispielsweise mit einem Förderungspaket für die Sanierung von leerstehenden Flächen in Stadt- und Ortszentren, wenn diese in der Folge für Gewerbebetriebe, Handel oder Gastronomie genutzt werden. Darüber hinaus steht das Thema Arbeits- und Fachkräfte besonders im Fokus. Denn der Bedarf an qualifizierten Fachkräften ist in allen Sektoren der heimischen Wirtschaft hoch. Es gilt daher, in sämtlichen Bereichen von der Lehre bis zur Hochschulbildung anzusetzen und attraktive Ausbildungsangebote zu schaffen. Dazu beitragen wird etwa ein neuer Masterstudiengang an der FH Joanneum mit 20 Anfängerstudienplätzen, der sich dem Thema der Grünen Transformation widmet.

Mit Vernunft agieren

Aus meiner Sicht sind gerade im heurigen Jahr zwei Aspekte besonders wichtig. Wir brauchen einerseits die richtigen Anreize für die Leistungsträgerinnen und Leistungsträger und andererseits eine Politik, die mit Vernunft agiert, zusammenarbeitet und gemeinsam zukunftsweisende Lösungen für unser Land entwickelt. Dann bin ich davon überzeugt, dass sich die heimische Wirtschaft auch im heurigen Jahr positiv entwickeln wird.

Franz Tritschenbacher
Präsident der steirischen Landwirtschaftskammer Franz Tritschenbacher © Foto Melbinger

Kurskorrektur statt Beruhigungspillen

Kein anderer Wirtschaftssektor hat aktuell so große Herausforderungen zu schultern wie die Landwirtschaft: die volatilen Agrarpreise infolge des Ukrainekriegs, die Bewältigung des Klimawandels und obendrauf wurde den Bäuerinnen und Bauern auch noch ein Riesenrucksack mit immer mehr Bürokratie, realitätsfremden Regelungen und Produktionsbeschränkungen umgehängt. Das schafft Frustration und Resignation. Daher ist es nur verständlich, dass Bäuerinnen und Bauern, die als Schlüsselspieler in der Gesellschaft den Tisch täglich decken, europaweit protestieren.

Hin zur ökosozialen Marktwirtschaft

Nur ein paar haarsträubende Beispiele, die aufregen: So werden billige Äpfel aus Südamerika ohne nachvollziehbarer Produktionsstandards importiert – unsere nachhaltig wirtschaftenden Obstbauern werden hingegen mit Bürokratie nur so überschüttet. Oder: Um den Regenwald im Rahmen der EU-Entwaldungsverordnung zu schützen, werden heimische Tierhalter und Waldbesitzer mit Beschränkungen und Papierkram zermürbt. Konfrontiert waren wir in den vergangenen Monaten auch damit, dass der nachwachsende Rohstoff Holz nicht mehr als erneuerbare Energie anerkannt werden sollte, während die Atomkraft als nachhaltiges Investment gesehen wird. Deshalb brauchen wir eine Kurskorrektur in der EU-Politik hin zu einer ökosozialen Marktwirtschaft, die die Besonderheit der Landwirtschaft als Lebensmittelproduzent berücksichtigt. Wir brauchen praxisgerechte Lösungen, die mit den Bäuerinnen und Bauern erarbeitet werden und keine halbherzigen Beruhigungspillen, die die Wogen nur oberflächlich glätten.

JOSEF HERK
WKO Steiermark Präsident Josef Herk © Oliver Wolf

Die Stimmung ist angespannt

Für die heimische Wirtschaft bleiben die Zeiten auch 2024 herausfordernd. Hohe Arbeitskosten bei gleichzeitigem Arbeitskräftemangel sorgen angesichts der angespannten weltwirtschaftlichen Situation für ein weiterhin sehr frostiges Wirtschaftsklima in der Steiermark. Unser WKO-Wirtschaftsbarometer zeigt dies sehr deutlich: Zwei Drittel der steirischen Unternehmerinnen und Unternehmer meldeten zum Jahreswechsel in der großen Konjunkturumfrage eine weitere Verschlechterung der allgemeinen Wirtschaftssituation zurück. Nur 4,5 % sahen eine konjunkturelle Entspannung seit dem Sommer 2023. Auch in Bezug aufs neue Jahr sehen nur wenige Unternehmen Licht am Ende des Tunnels (3,5 %), der Großteil (69,3 %) zeigt sich pessimistisch in den Erwartungen. Zu den Hauptsorgen zählen die Arbeitskosten, der ungeminderte Arbeits- und Fachkräftemangel sowie die Inflation inklusive Energie- und Rohstoffpreise. Die hohe Bewertung des Personalmangels ist ob der herausfordernden Rahmenbedingungen mehr als bemerkenswert. Eine baldige Besserung oder gar ein nachhaltiger Aufschwung ist nicht in Sicht.

Es muss sich lohnen

Wir verfügen zwar über eine gesunde wirtschaftliche Basis im Land, aber auch das innovativste Unternehmen mit den besten Produkten braucht Rahmenbedingungen, die eine Wettbewerbsfähigkeit am Markt zulassen. Deshalb braucht es jetzt rasch Entlastungsmaßnahmen auf der Kos­tenseite für unsere Unternehmen und konjunkturelle Impulse, um die Wirtschaft wieder flottzubekommen. Vor allem aber gilt es, Leistung wieder zu einem Wert zu machen und eine stimmungstechnische Kehrtwende einzuleiten, die dem Motto folgt: Leistung muss sich lohnen!

Stefan Stolitzka
IV Steiermark Präsident Stefan Stolitzka © Marija Kanizaj

2024 – ein besonderes Jahr

2024 wird ein herausforderndes und ein entscheidungsreiches Jahr. Es ist nicht nur für uns in der Steiermark, in Österreich und in Europa politisch richtungsweisend, sondern nahezu weltweit. Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung ist zum Urnengang eingeladen – viele sprechen von einem Superwahljahr. Aber ob es wirklich ein super Wahljahr wird? Die politische Mitte bricht zunehmend weg, Ränder erstarken, und das in gerade sehr fordernden und von Transformationen geprägten Zeiten. Auch für unsere Industrie wird 2024 kein einfaches Jahr. Die wirtschaftlichen Vorzeichen bleiben getrübt, die Rezession setzt sich fort und wir erleben eine neue Dynamik am Arbeitsmarkt.

Reden wir darüber!

Über 44 Prozent der Teilnehmer:innen an unserer aktuellen Konjunkturumfrage geben an, ihren Personalstand im ersten Quartal 2024 nicht halten zu können. Ein Wert, den wir zuletzt inmitten der Pandemie zu verzeichnen hatten. Und das ist nicht der einzige Indikator, der sich wieder auf Krisenniveau befindet: So ist die Auftragslage in der steirischen Industrie deutlich zurückgegangen, vorhandene Kapazitäten werden weniger ausgelastet und die Ertragssituation bleibt schwierig. Die Ursachen sind in den gestiegenen Personalkosten sowie in den nach wie vor deutlich höheren Energiekosten als etwa bei unseren Handelspartnern in den USA oder Fernost zu finden. Daher der dringende Appell an alle wahlwerbenden Gruppen im In- wie auch im Ausland: Reden wir über Konjunktur und darüber, wie wir sie in Gang bringen können. Reden wir aber auch über die Struktur unseres Standortes und darüber, wie wir als Standort Österreich und Europa einen sicheren und wettbewerbsfähigen Rahmen für Betriebe bieten können.

Horst Schachner
ÖGB Steiermark Vorsitzender Horst Schachner © AK Steiermark/Verena Fürst

Österreich ist gut aufgestellt

Blickt man auf das heurige Jahr, so kann man zuallererst hoffen, dass der Krieg in der Ukraine ein Ende finden wird, doch die Wahrscheinlichkeit dafür ist leider nicht sehr hoch. Hört man auf Einschätzungen von Wirtschafts-forscher:innen, so entsteht ein von Krisen geprägtes Bild, das überdies von relativ vielen Unsicherheiten überlagert ist. Betrachtet man insbesondere das Jahr 2023 aus der Sicht der Arbeitnehmer:innen, so rückt natürlich sofort die Inflation in den Fokus. Von vielen Seiten wurde der Regierungspolitik ein Ungenügen beim Einsatz von inflationssenkenden Maßnahmen attestiert und auch der ÖGB teilt diese Einschätzung. Demgegenüber ist es gelungen, die Kollektivvertragsabschlüsse in konzentriert geführten Verhandlungen so zu gestalten, dass sie Kaufkraft erhalten. Gerade für die Zeiten einer zweistelligen Inflation gilt, dass Arbeitnehmer:innen über viele Monate die Inflation „schlucken“ mussten, bis es dann im Nachhinein zu Erhöhungen im Sinne der sogenannten Benya-Formel kam. Auf diese Weise wurde der Kaufkraftverlust in den Lohnverhandlungen bekämpft.

Erfolg ist möglich

Im Jahr 2024 wird es wichtig sein, Löhne und Gehälter an die Inflation anzupassen. In bewährter sozialpartnerschaftlicher Art und Weise sollen die Kollektivvertragsverhandlungen einen guten Abschluss für die Arbeitnehmer:innen bringen, was den Inlandskonsum weiterhin wesentlich stützen wird. Auf dem Arbeitsmarkt sind derzeit steigende Arbeitslosenraten zu verzeichnen. Hier ist auf eine aktive Arbeitsmarktpolitik im Sinne der Arbeitnehmer:innen und im Sinne der Wirtschaft zu achten. Österreich ist gut aufgestellt. Gerade durch die Einsatzbereitschaft und das Können der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer können wir getrost in die Zukunft schauen, dann kann das Jahr 2024 trotz Krisen ein erfolgreiches werden.

Josef Pesserl
AK Steiermark Präsident Josef Pesserl © AK Steiermark/Derler

Rahmenbedingungen verbessern

Eine der großen Herausforderungen wird 2024 die steigende Arbeitslosigkeit sein. Daher braucht es dringend Beschäftigungsimpulse. Weiterhin dramatisch ist die Situation in den Bereichen Pflege und Kinderbetreuung – hier müssen die Rahmenbedingungen für die Beschäftigten weiter verbessert sowie ausreichend Kinderbetreuungsplätze geschaffen werden. Die Teuerung wird auch in diesem Jahr spürbar sein, daher wird die Stärkung der Massenkaufkraft eine zentrale Rolle spielen – davon profitieren alle. Neben der Entwicklung der Löhne und Gehälter bedarf es einer steuerlichen Entlastung der Einkommen aus Arbeit. Wir haben immer noch das Phänomen, dass Einkommen aus Arbeit wesentlich höher besteuert wird als Einkommen aus Vermögen. Der Hausverstand sagt einem, dass es im Interesse aller dringend erforderlich ist, die Steuerlasten fairer zu verteilen. Dies ist nicht nur wirtschaftlich sinnvoll, sondern auch zur Sicherung des sozialen Friedens und der Demokratie mehr als geboten.

Beitrag leisten

Einen Beitrag zu Fairness und Gerechtigkeit leistet auch die Arbeiterkammer. So haben die Expertinnen und Experten der AK Steiermark im Jahr 2022 rund 67 Millionen Euro für die AK-Mitglieder erwirkt und 260.000 Auskünfte erteilt. Dazu kommen noch zahlreiche Beratungen und Förderungen in den Bereichen Konsumentenschutz, Bildung, Steuer, Arbeitnehmerschutz, Pflege oder Frauen und Gleichstellung.

Von 16. bis 29. April 2024 findet in der Steiermark wieder die AK-Wahl statt. Die AK-Mitglieder können mit ihrer Stimme die Arbeiterkammer als ihre Interessenvertretung stärken.

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