Interview
Von Transaktionen zu Innovationen
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- Banken & Versicherungen
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Georg Bucher © Werner Kruger
Banken gestalten die Zukunft und sind dabei Pioniere des digitalen Wandels. Ein Gespräch mit Georg Bucher, Vorstandsmitglied der Steiermärkischen Sparkasse, über die entscheidende Rolle von Finanzinstituten als treibende Kraft in der Stadt der Zukunft.
Die rasanten Fortschritte in Technologie und Kommunikation haben in den letzten Jahren zu einem grundlegenden Wandel in unserer Gesellschaft geführt. Schon heute spielen digitale Innovationen eine zentrale Rolle – und Banken als finanzielle Drehscheibe für Privatpersonen wie Unternehmen stehen an vorderster Front dieses Wandels. Sie werden dabei selbst zu Innovatoren, die neue Technologien nutzen, um die Bedürfnisse der Bürger:innen zu erfüllen und das städtische Leben zu verbessern, Tendenz steigend.
Eine der wichtigsten Herausforderungen, denen sich Banken dabei stellen müssen, ist die Bereitstellung von digitalen Lösungen, die den Menschen ermöglichen, ihre finanziellen Angelegenheiten bequem und effizient zu erledigen. Da-rüber hinaus sind Banken aber auch maßgeblich daran beteiligt, das städtische Leben insgesamt zu verbessern. Sie stehen im Mittelpunkt bei der Finanzierung von zukunftsfähigen Projekten, die darauf abzielen, die Lebensqualität in den Städten zu erhöhen. Gemeinsam mit Georg Bu-cher, Vorstandsmitglied der Steiermärkischen Sparkasse, werfen wir einen detaillierten Blick auf diese sich verändernde Rolle der Banken, welche digitalen Innovationen bereits jetzt erfolgreich zum Einsatz kommen und ob Bargeld in Zukunft noch ein Thema sein wird.
Herr Bucher, wie sehen Sie die Rolle von traditionellen Banken in der Zukunft angesichts der fortschreitenden digitalen Transformation?
Als Bank sind wir bei der digitalen Transformation mittendrin statt nur dabei. Standardtransaktionen haben sich bereits zum Großteil auf den digitalen Weg verlagert. In der Beratung fokussieren wir uns stark auf die sogenannten Schlüsselerlebnisse im Leben unserer Kund:innen: Hauskauf, Erbschaft, Sparen für Kinder und Enkel … Das sind Themen, und davon bin ich überzeugt, bei denen auch in Zukunft das persönliche Gespräch gefragt sein wird.
Mit „George Business“ hat die Steiermärkische Sparkasse ganz aktuell ein neues digitales Service implementiert. Was sind die großen Vorteile dabei?
Unser Online-Banking George wird mittlerweile von über 8 Millionen Kunden in Zentral-Europa genutzt. Im Fokus dabei ist stets eine einfache Handhabung, die nicht nur hinsichtlich der aktuellen demografischen Entwicklungen essenziell ist. Mit diesen Erkenntnissen haben wir die letzten Jahre auch für die Unternehmen eine George-Lösung aufgebaut. George Business ermöglicht seit Kurzem den Kund:innen eine höchst professionelle Online-Lösung der täglichen Bankgeschäfte. Es ist multibankenfähig und multiunternehmenfähig. Mittlerweile nutzen bereits über 4.000 Unternehmen unser neues Service.
Bei unserem letzten Interview vor rund einem Jahr beantworteten Sie die Frage „Glauben Sie, dass es in Zukunft noch Bargeld geben wird?“ mit einem klaren Ja. Hat sich daran etwas geändert?
Es wird auch in Zukunft Bargeld geben. Das glaube ich nach wie vor. Jedoch darf die Rasanz der Zunahme von bargeldlosen Zahlungen nicht außer Acht gelassen werden. Betrug das Gesamtvolumen in Euro 2019 noch 4,5 Milliarden, waren es 2022 bereits 6 Milliarden. Die Anzahl der bargeldlosen Transaktionen stieg in Österreich von 83 Millionen im Jahr 2019 auf 123 Millionen im Jahr 2022. Und das wird noch weiter zunehmen. Diese Zunahme wird von manchen fast als Bedrohung gesehen. Ich sehe das als eine zeitgemäße Entwicklung, die viele Vorteile mit sich bringt.
Welche Technologien und Innovationen erwarten Sie, dass die Banken der Zukunft (vermehrt) einsetzen werden, um ihren Kunden einen Mehrwert zu bieten?
Wir verfolgen stark eine Omni-Channel-Philosophie. Viele Kund:innen möchten eine Möglichkeit geboten bekommen, auch nach dem Arbeitsalltag ein Beratungsgespräch über eine Online-Verbindung vereinbaren zu können. Dazu haben wir bei der Steiermärkischen Sparkasse aktuell an drei Standorten in Österreich ein Remote-Beratung-Pilotprojekt laufen. Dieses ist bereits sehr ausgereift und wird gut angenommen.
Wird die fortschreitende Nutzung von Künstlicher Intelligenz auf die Bankenbranche Einfluss haben?
Natürlich beschäftigt uns Künstliche Intelligenz. Darum kommt man heutzutage nicht mehr umhin. Dazu haben wir in der Sparkassengruppe schon erste Testläufe für interne Ablaufbeschreibungen. Uns ist dabei wichtig, diese Abläufe zuerst intensiv intern zu testen, bevor sie in weiterer Folge auch im Kundenbereich eingesetzt werden. Das wird aber noch dauern.
Wie kann man diesbezüglich die wachsenden Sicherheitsbedenken bewältigen und das Vertrauen der Kund:innen wahren?
Die Unsicherheit in puncto Künstlicher Intelligenz ist nicht überraschend. Hier erwartet uns ein gewaltiger nächster Entwicklungsschritt, bei dem wir gerade erst am Anfang stehen. Es ist nicht nur Fingerspitzengefühl gefragt, sondern man muss auch abwarten, in welcher Form Regulatorien zum Einsatz kommen. Das Thema Datenschutz ist dabei wohl einer der wesentlichsten Punkte.
Um das Thema Nachhaltigkeit kommt man heutzutage nicht mehr herum. Welche Rolle spielen Nachhaltigkeit und Umweltbewusstsein im Bankwesen?
Nachhaltigkeit darf keine Marketingblase sein. Bei der Steiermärkischen Sparkasse haben wir diesbezüglich eigens eine Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt (Anm. der Redaktion: siehe auch Infobox). Nachhaltigkeit wird bei uns nicht nur intern gelebt, sondern spielt auch bei Mitarbeiter:innen, Kundengesprächen, Kreditvergaben und vielem mehr eine bedeutende Rolle.
Das neue Projekt „Paperless Bank“ setzt in diesem Bereich an. Um was geht es dabei im Detail?
Wenn Sie heutzutage eine unserer Filialen betreten, werden Sie kaum mehr ein Papier sehen. Wir haben es geschafft, die Abläufe in der Bank – vom Kundentermin bis zur Auszahlung – papierfrei zu gestalten. Sämtliche Prozesse sind zu 100 % digital. Es gibt nur noch wenige Phasen, wo die gesetzlichen Vorschriften eine Papierform erfordern.
Die Steiermärkische Sparkasse ist in Südosteuropa stark vertreten. Gerade diese Länder sind oft Vorreiter bei nachhaltigen Ideen. Welche Projekte werden dort umgesetzt?
Tatsächlich sind diese Länder oftmals Vorreiter. Sie sind unbelastet von alter Prozesshistorie und können so am grünen Tisch Nachhaltigkeit neu denken. Wir geben unseren Tochterbanken diesbezüglich sehr viel Freiraum. Der Output ist sehr erfreulich. Das reicht von Flussreinigungen durch Mitarbeiter:innen in Bosnien über Financial-Literacy-
Programme für Jugendliche bis zu Step-by-Step-Coachings für junge Entrepreneure.
Wäre ein Voranschreiten der EU-Beitrittsverhandlungen für diese Länder wünschenswert?
Auf jeden Fall. Dies würde einerseits der Jugend neue Zukunftsperspektiven eröffnen und so den Braindrain aus der Region stoppen. Andererseits wäre es auch wirtschaftlich essenziell für die Stadt Graz und die gesamte Steiermark. Es gibt bereits jetzt über 250 steirische Unternehmen, die in der Region tätig sind. Das wird in Zukunft mehr werden.
Start-up-Ideen von heute sind die Unternehmen von morgen – wie trägt die Steiermärkische Sparkasse zur Förderung von Unternehmertum und Innovation in der Stadt der Zukunft bei?
Die Steiermärkische Sparkasse war bereits die letzten 15 Jahre bei diesem Thema sehr aktiv unterwegs. Wir verstärken das noch durch unsere #glaubandich-Challenge. Damit wollen wir Menschen Mut machen, Ideen in die Tat umzusetzen. Es sind oft gerade die einfachen Ideen für die Bedürfnisse des täglichen Lebens, die besonders großen Erfolg haben.
Ihr Tipp für junge Ideengeber:innen?
Traut euch. Ein Fehler ist nicht das Ende des Lebens, sondern oftmals sogar Anfang eines viel besseren Lebens.






