Vom Automobil- zum Mobilitätscluster
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Gläserne Weltkugel mit Mobilität-Icons in freier Natur © © Shutterstock
Anlässlich des 30-Jahr-Jubiläums des ACstyria-GF luden wir GF Christa Zengerer & Wirtschaftslandesrat Willibald Ehrenhöfer zum Interview über die Zukunft der Mobilität.
Seit 30 Jahren treibt der ACstyria Mobilitätscluster Innovation und Zusammenarbeit in der steirischen Industrie voran. Was 1995 als „Autocluster Steiermark“ begann, hat sich längst zu einem international anerkannten Mobilitätscluster entwickelt, der heute über 300 Partnerunternehmen mit mehr als 70.000 Beschäftigten vereint. Die Erfolgsgeschichte des Clusters zeigt eindrucksvoll, wie gezielte Vernetzung und Kooperation zwischen Wirtschaft, Wissenschaft und Industrie die Wettbewerbsfähigkeit einer ganzen Region stärken können.
Doch wie begann dieser Weg? Und welche Meilensteine prägten die Entwicklung bis heute? ACstyria-Mobilitätscluster-Geschäftsführerin Christa Zengerer und Wirtschaftslandesrat Willibald Ehrenhöfer dazu im Gespräch.
BUSINESS MONAT: Der ACstyria Mobilitätscluster feiert 2025 sein 30-Jahr-Jubiläum. Wenn man einen Blick zurückwirft – wie hat sich der Cluster entwickelt?
Christa Zengerer: Die Entwicklung des ACstyria Mobilitätsclusters in den letzten drei Jahrzehnten ist ein Erfolgsbeispiel für gelebte Kooperation und strategische Standortentwicklung. Was 1995 als visionäre Initiative begann, hat sich zu einem international sichtbaren Netzwerk entwickelt – von global agierenden Leitbetrieben bis hin zu hochspezialisierten KMUs und innovativen Start-ups. Dabei ging es immer um mehr als reine Vernetzung: Der ACstyria war und ist Impulsgeber, Initiator und Transformationsbegleiter für eine dynamische Branche im Wandel.

Was waren große Meilensteine?
Christa Zengerer: Ein gro-ßer Meilenstein für den Automobilstandort Steiermark war mit Sicherheit die Gründung des Clusters 1995 als Antwort auf die damalige Krise. Als zweiten großen Meilenstein sehe ich die Weiterentwicklung des Autoclusters zu einem Mobilitätscluster, der seit 2013 die drei Mobilitätsbranchen Automo-tive, Aerospace und Rail Systems in einer Clusterorganisation vereint. Das ist europaweit einzigartig und schafft für die im Netzwerk verankerten Unternehmen und Institutionen unzählige Synergien.
Welche Bedeutung hat der ACstyria Mobilitätscluster für die steirische Wirtschaft?
Willibald Ehrenhöfer: Der steirische Mobilitätscluster ACstyria ist eine Erfolgsgeschichte für unser Bundesland. Mit seiner thematischen Breite sichert er einen starken, hochinnovativen, industriellen Kern – und damit Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Zukunft für die Steiermark.
Welchen Stellenwert nimmt die Steiermark in puncto Mobilität im nationalen und internationalen Vergleich ein?
Willibald Ehrenhöfer: Mit einer Forschungs- und Entwicklungsquote von über zwölf Prozent im Netzwerk des ACstyria zählt die Steiermark zu den führenden Mobilitätsregionen Europas. Mit einer starken Industrie und einer klaren Spezialisierung im Bereich Mobilität in der universitären und außeruniversitären Forschung nimmt die Steiermark national eine Spitzenposition ein und ist auch international ein geschätzter Partner. Die heimischen Unternehmen sind in globale Wertschöpfungsketten eingebunden und in zahlreichen Bereichen international Technologieführer. Mit unseren Universitäten und Fachhochschulen und zahlreichen außer-universitären Forschungseinrichtungen verfügt die Region über eine enorme Forschungsdichte. Auch unsere COMET-Zentren, die in verschiedenen technologischen Zukunftsfeldern tätig sind, spielen eine zentrale Rolle sind wichtige Partner für die Mobilitätsin-dustrie.
Sie haben die hohe F&E-Quote im Cluster erwähnt. Worauf ist die zurückzuführen?
Willibald Ehrenhöfer: Auf die hervorragende Arbeit des ACstyria, der seit Beginn die Vernetzung zwischen Industrie, Wissenschaft und öffentlicher Hand forciert hat sowie auf die langjährige Kooperationsbereitschaft aller Akteure in der Mobilitätsbranche.
Christa Zengerer: Wir stehen nicht nur für Kontinuität, sondern vor allem für Innovation durch Kooperation.
Quo vadis Mobilität? Was sind die großen Herausforderungen der Zukunft – kurzfristig und langfristig?
Christa Zengerer: Die Mobilitätsindustrie unterliegt einem noch nie dagewesenen Wandel. Kurzfristig sehen wir uns mit einer Reihe konkreter Herausforderungen konfrontiert: steigende Energiepreise, wachsende Lohnstückkosten und volatile Lieferketten setzen unsere Unternehmen zunehmend unter Druck. Hinzu kommen der Fachkräftemangel, geopolitische Spannungen und ein regulatorisches Umfeld, das immer komplexer wird – gerade im Hinblick auf Nachhaltigkeit und Klimaziele. Langfris-tig geht es jedoch um mehr als nur das Bewältigen einzelner Krisen. Es braucht eine grundlegende Transformation: hin zu klimaneutraler, intelligenter und vernetzter Mobilität. Dekarbonisierung, Digitalisierung, neue Antriebssysteme und Mobilitätskonzepte sowie sektorübergreifende Kooperationen werden zur Basis unseres wirtschaftlichen Erfolgs. Der Standort Steiermark bringt dafür beste Voraussetzungen mit – eine hochinnovative Industrie, starke Forschungseinrichtungen und eine hervorragende Aus- und Weiterbildungslandschaft. Dennoch sind wir gefordert, Rahmenbedingungen zu schaffen, die den Produktionsstandort langfristig absichern.

Technologische Innovationen, neue Marktteilnehmer und strenge europäische Regularien setzen die Unternehmen unter Druck – wie können die aktuellen Herausforderungen gemeistert werden?
Willibald Ehrenhöfer: Der technologische Wandel passiert in einer unglaublichen Geschwindigkeit und der globale Wettbewerb nimmt zu. Um diesen Herausforderungen erfolgreich zu begegnen, braucht es ein Zusammenspiel auf unterschiedlichen Ebenen. Eine gezielte Standortpolitik, eine starke Forschungslandschaft, um technologische Entwicklungen aktiv mitzugestalten, und natürlich Cluster wie den ACstyria, die als Plattform für Austausch, Kooperation und Technologietransfer dienen und damit den steirischen Unternehmen helfen, schneller und besser auf Veränderungen zu reagieren. Clusterübergreifende Zusammenarbeit forciert bereits heute technologische Lösungen, wie etwa die Aktivitäten des Wood Vision Lab oder im Bereich Autonomes Fahren.
Wie kann die Politik dazu beitragen, die Wettbewerbsfähigkeit der steirischen Mobilitätsunternehmen weiter zu stärken?
Willibald Ehrenhöfer: Die Betriebe erwarten sich von der Politik zu Recht Planbarkeit und Verlässlichkeit, das gilt für alle Branchen. Wir müssen also die richtigen Rahmenbedingungen schaffen, damit unsere Unternehmen auch in Zukunft wettbewerbsfähig bleiben. Der Abbau bürokratischer Hürden ist dafür ein wesentlicher Schlüssel. Hier müssen wir auf allen politischen Ebenen entsprechende Anstrengungen unternehmen. Darüber hinaus müssen etwa die Lohnneben- und die Energiekosten gesenkt werden, damit wir im internationalen Wettbewerb bestehen können. Hier ist die neue Bundesregierung gefordert.
Welche großen Zukunftsfelder sehen Sie für den ACstyria Mobilitätscluster?
Christa Zengerer: Der ACstyria hat in einem mehrmonatigen Prozess auf allen Stakeholder-Ebenen fünf Zukunftsfelder für die steirische Mobilitätindustrie erarbeitet: digitale Geschäftsprozesse und -modelle, automatisierte Systeme, Antriebs- und Fahrzeugtechnologien & Produktion, Materialien, Werkstofftechnologien & Kreislaufwirtschaft sowie KI, Elektronik & Softwareentwicklung. Diese fünf definierten Zukunftsfelder sind gleichsam kennzeichnend für die Automobil-, Luftfahrt- und Bahnindustrie und somit künftig auch in der neuen Strategie des Clusters verankert.
Was wünschen Sie sich für die nächsten 30 Jahre des ACstyria Mobilitätsclusters?
Christa Zengerer: Dass wir als ACstyria gemeinsam mit unseren Partnern auch in den nächsten 30 Jahren die internationale Mobilitätsindustrie aktiv mitgestalten und so der Mobilitätsstandort Steiermark weiterhin zu den führenden Regionen Europas zählt.






