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Gesunde Stadt

Unterressort
Stadt der Zukunft
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Eva Schwab vom Grazer Institut für Städtebau

Eva Schwab vom Grazer Institut für Städtebau © Thomas Luef

Gute Infrastruktur und Lebensqualität müssen sich nicht ausschließen. Deshalb machen Faktoren wie etwa gendergerechte Mobilität und umweltverträgliche Stadtgestaltung gesunden, urbanen Raum aus, weiß Eva Schwab vom Grazer Institut für Städtebau.

Was ist für eine klimafreundliche, nachhaltige Stadt der Zukunft essenziell?
Eva Schwab:Kompakte Städte, die an den Grundprinzipien Funktionsmischung, Dichte und Nähe ausgerichtet sind, bieten am ehesten die Grundlage für Nachhaltigkeit und Klimagerechtigkeit. Sie bieten mehr Möglichkeiten für aktive Mobilität, neue, zirkuläre Modelle der Energieversorgung, Sharing-Angebote, Nachbarschaftshilfe und eine stärkere Kombination von Wohnen und Arbeiten. Wenn diese Ressourceneffizienz mit mehr Bedacht auf den öffentlichen Frei- und Grünraum, der sowohl sozial als auch für das Hitzeentlastungssystem der Stadt relevant ist, gelegt wird, kommen wir dem Ideal schon sehr nahe.

Dabei denken Sie auch an einen Fußgänger:innen-Masterplan für die Steiermark?
Wir sind gerade Teil eines Projektkonsortiums, das an einer Fußgänger:innen-Strategie für die Steiermark arbeitet. Die Strategie soll mit einer Reihe von Vorschlägen für konkret umsetzbare Maßnahmen die Attraktivierung des Fußgänger:innen-Verkehrs unterstützen. Damit wird der Bedeutung von Fußgänger:innen-Mobilität für eine nachhaltige Entwicklung unserer Mobilität, für die Belebung und Lebendigkeit öffentlicher und halböffentlicher Räume, für die Gemeindeentwicklung, den Klimaschutz und nicht zuletzt für die Gesundheit jeder und jedes Einzelnen Rechnung getragen.

Wie sehen Sie eine gelungene umweltverträgliche, alltagstaugliche Mobilität im urbanen Raum?
Ich sehe vor allem eine multi-modale Mobilität, eine Kombination aus Radfahren, Zufußgehen, öffentlichem Verkehr und auch Autoverkehr. Dazu ist eine „Gleichberechtigung“ zwischen den Verkehrsarten nötig – es muss genauso für die aktive Mobilität geplant und Raum geschaffen werden, wie es bisher für den Autoverkehr der Fall war, der derzeit unglaublich viel der Fläche in Anspruch nimmt.

Wie unterschiedlich sind Frauen und Männer in Graz unterwegs?
Frauen, die alltägliche Care-Arbeit leisten, haben viele kleine Wege – auf dem Weg zur Arbeit werden die Kinder mitgenommen, am Weg nach Hause wird eingekauft … Die Verkehrsplanung denkt zum Teil noch in überholten Konzepten. Wege werden von A (zu Hause) nach B (zur Arbeit) konzipiert und nicht in der oben angesprochenen Lebensrealität.

Und wie wirkt sich das auf die Verteilung des öffentlichen Raumes aus?
Viel vom öffentlichen Raum ist Mobilitätsraum, also Straßenraum. Wir reden zwar immer von der Gestaltung sowie Nutzung von Parks und Plätzen, sollten aber auch mehr über die Qualität des Straßenraums reden. Straßen müssen Lebensräume werden. Die Verteilung des öffentlichen Raums nach Mobilitätsformen ändert sich natürlich, wenn sich die Prioritäten in der Mobilität ändern. Wenn man mehr Bedacht auf Frauen und ihre Care-Arbeit, Fußgänger:innen und Radfahrer:innen legt, wird sich der Raum ändern müssen. Wir haben uns in einem kürzlich abgeschlossenen Forschungsprojekt in der My Smart City Waagner Biro den öffentlichen Raum angesehen und festgestellt, dass der größte Teil des öffentlichen Freiraums Straßeninfrastruktur ist. Hier ist also ein immenses Potenzial für Klimawandelanpassung vorhanden. Dazu haben wir 13 Handlungsempfehlungen für mehr Ressourceneffizienz und klimagerechte Lebensqualität entwickelt, die auf Mischnutzung, Sharing-Angebote und die Aktivierung der Erdgeschoß-zonen genauso abzielen wie auf die qualitative und quantitative Verbesserung der Grünraumversorgung und die Unterstützung der aktiven Mobilität.

Stadtstruktur und Architektur fördern die Gesundheit und das Wohlbefinden. Welche Faktoren formen dabei die „gesunde Stadt“?
Eine kompakte Siedlungsentwicklung und eine Stadtgestaltung, die Klimawandelanpassung und Lebensqualität großschreibt, sind die Basis für eine gesunde Stadt. Gerade ältere Menschen, Kranke und Kinder leiden unter der Hitze in der Stadt, und Leute, die zu Fuß gehen und Rad fahren im Alltag, sind gesünder. Sie sehen, die Dinge greifen ineinander.

Welche Projekte im Städtebau der Stadt Graz sind gerade aktuell und zukunftsweisend?
Ein großes Thema ist die Transformation des peri-urbanen Raums – des Speckgürtels um die Städte. Denn Stadtwachstum passiert nicht in der Innenstadt, sondern am Rand. Dort fehlt es an urbanen Qualitäten wie Funktionsmischung und Nähe, da fehlt der gut ausgebaute öffentliche Verkehr, da fehlen die öffentlichen Räume. Man könnte dezentrale Stadtteilzentren intensivieren und ausbauen und sie z. B. über grüne Korridore mit der Innenstadt vernetzen. Gerade schauen wir uns am Stadtrand von Feldbach an, wie man öffentlichen Straßenraum so gestaltet, dass er einerseits ein qualitätsvoller Raum für aktive Mobilität und Aufenthalt ist und andererseits auch dem Regenwassermanagement dient, damit es bei klimawandelbedingten, immer häufiger auftretenden Starkregenereignissen nicht zu Überschwemmungen kommt.

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