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Lehrlinge begehrt wie nie zuvor

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Ausbildung & Lehre
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4 min
Lehrlinge begehrt wie nie zuvor

Lehrlinge begehrt wie nie zuvor © Shutterstock

Jugendliche, die heute eine Lehre absolvieren, finden beste Jobchancen und Karrieremöglichkeiten vor. Der Grund: Demografisch sinkt die Zahl der Jugendlichen signifikant. Darum umwerben Betriebe das „knappe Gut“ Lehrlinge mit attraktiven Ausbildungsbedingungen, weiß Lehrlingsexperte Gottfried Krainer.

Der Fachkräftemangel spitzt sich aufgrund der demografischen Entwicklungen zu. Besonders kämpfen die Betriebe immer mehr auch darum, Lehrstellen zu besetzen. Dr. Gottfried Krainer, Leiter der Lehrlingsstelle der Wirtschaftskammer Steiermark, bringt die drastische Entwicklung auf den Punkt: „Wir haben nur noch halb so viele Jugendliche wie vor 40 Jahren. Das bewirkt von unten her also schon einen Mangel an Fachkräften. Dieser Druck kommt bei den Betrieben unvermittelt und Jahr für Jahr steigend an.“

Für die Betriebe seien Fachkräfte und Jugendliche zusehends ein knappes Gut und daher bilden immer mehr ihre Fachkräfte selber aus. „Wir sehen, dass so viele Betriebe Lehrlinge ausbilden wollen wie noch nie“, so Krainer. Der Grund liegt auf der Hand. Entgegen der demografischen Entwicklung befinden sich die Betriebe in einem dynamischen, globalen Markt und im Wettbewerb mit einer erheblichen Wachstumsentwicklung.

Attraktive Ausbildungsqualität
Der Wettbewerb unter den Betrieben, um Lehrlinge in ihre Betriebe zu lotsen, werde immer größer. „Auch große Betriebe, die es früher noch viel leichter hatten und mit gewissen Benefits bei den Berufseinsteigern punkten konnten, stehen im Wettbewerb um Lehrlinge. Und selbst sie können heute nicht mehr alle Stellen besetzen. Darum geht es immer mehr darum: Wie attraktiv bin ich als Ausbildungsbetrieb? Angesichts der gesteigerten Dynamik sind jedoch auch die Chancen kleinerer und mittlerer Betriebe genauso intakt wie die der großen. Es geht im Prinzip um die Ausbildungsqualität und die Attraktivität des Betriebes“, sagt Gottfried Krainer. Dazu gehören ein jugendgerechtes und wertschätzendes Betriebsklima. Entscheidend ist daher in den Betrieben die Bedeutung der Ausbilder, die in direkter Beziehung zu den Jugendlichen stehen. Krainer: „Für die Ausbilder wird es immer wichtiger, Zusatzqualifikationen zu erwerben, um die jugendlichen Lehrlinge bestmöglich zu betreuen. Auch Lehre mit Matura ist hier wichtig. Im Kern geht es darum: Betriebe müssen sich um die Ausbildung ihrer jungen angehenden Fachkräfte umfassend kümmern.“

Rollenbilder aufbrechen
Auch beim Thema überkommene Rollenbilder bei der Wahl der Lehrberufe – Stichwort Mädchen wird Friseurin, Bursche wird Automechaniker – gehe es laut Gottfried Krainer darum, „so manche falsche Rollenbilder aufzubrechen. Und das passiert ja. Immerhin rangiert Metalltechnik an vierter Stelle der von Mädchen gewählten Lehrberufe. Für Frauen haben technische Berufe ein großes und steigendes Potenzial. Es muss nur noch viel mehr und gut kommuniziert werden, dass hier große Chancen bestehen.“

Durch die sinkende Zahl der Jugendlichen stehen der Wirtschaft also immer weniger potenzielle Lehrlinge zur Verfügung. Seit Jahren beginnen traditionell rund 42 bis 43 Prozent der 15-Jährigen eine Lehre (2021 waren das 4.778 von 11.257, also 42,4 Prozent. Zum Vergleich: 2012 starteten 5.536 von 12.897 15-Jährigen eine Lehre, also 42,9 Prozent, siehe auch Infobox).

Immer wichtiger werden Wechsler von weiterführenden Schulen – 38 Prozent aller Lehrlinge gehen diesen Weg. „Junge Menschen, die in der Schule nicht so recht glücklich werden, finden in der Lehre mit der dualen Vermittlung berufspraktischer Kompetenzen einen raschen und attraktiven Einstieg in den Arbeitsmarkt“, weiß Gottfried Krainer.

Darum öffnen sich Firmen in Sozial-Media-Kanälen Interessierten und stellen sich vor, gehen in Schulen, um sich dort zu präsentieren, oder auch auf Lehrlingsmessen. „Als die beste Möglichkeit, um zu einem passenden Jugendlichen zu kommen, gilt in vielen Unternehmen das Schnuppern. Betriebe, die offen für Schnuppern sind und das gut gestalten, haben beste Chancen, jemanden zu finden. So lernen die jungen Menschen einen Betrieb kennen, sehen, wie eine Arbeitsstätte ausschaut und was den Beruf ausmacht “, sagt Krainer.

Lehre mit großem Potenzial
Da sich an der demografischen Entwicklung nicht viel ändern werde, wachsen die Chancen für Jugendliche, die eine Lehre absolvieren, ist Krainer überzeugt. Die geburtenstarken Boomer verabschieden sich nun laufend in die Pension, Karriere mit Lehre gewinne immer mehr an Bedeutung. Jugendlichen rät Krainer, weniger auf Trends zu achten, als auf die eigenen Interessen und Neigungen: „Es ist gut, über die eigenen Potenziale und Interessen Bescheid zu wissen. Mit Tests und Beratungen kommt man hier ein gutes Stück weiter. Auch im Talentcenter der WKO Steiermark kann man sich selber gut darin erforschen, wo die eigenen Interessen und Begabungen liegen.“

Gottfried Krainer
Gottfried Krainer © Loske

Gottfried Krainer
Leiter der Lehrlingsstelle der Wirtschaftskammer Steiermark: „Immer mehr Betriebe bilden ihre zukünftigen Fachkräfte selbst aus. Attraktive Ausbildungsqualität erhöht die Chance, einen Lehrling zu gewinnen.“

Der Wettbewerb um junge Menschen.
Der Wettbewerb um junge Menschen. © Shutterstock

Die Betriebe stehen im Wettbewerb um junge Menschen, die eine Lehre beginnen wollen. Die Karrierechancen mit Lehre steigen auch in den nächsten Jahren.

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