Holz
Wie bleibt die Holzindustrie im globalen Wettbewerb nachhaltig und innovativ?
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Josef Stoppacher, Obmann der Fachgruppe Holzindustrie Steiermark © Thomas Luef
Ein Gespräch mit Josef Stoppacher, neuer Obmann der Fachgruppe Holzindustrie Steiermark, das die Chancen und Herausforderungen einer ganzen Branche beleuchtet.
Die Holzindustrie steht an einem spannenden Scheideweg: zwischen Tradition und Innovation, Nachhaltigkeit und globalem Wettbewerb. Besonders in der Steiermark, einer der führenden Holzregionen Europas, zeigt sich, wie wichtig der Einsatz neuer Technologien, der Fachkräftemangel und internationale Marktverschiebungen für die Zukunft der Branche sind. Im Gespräch mit mit dem BUSINESS MONAT gibt Josef Stoppacher, neuer Obmann der Fachgruppe Holzindus-trie Steiermark, spannende Einblicke, wie Digitalisierung, Kooperation und der Fokus auf junge Talente die Weichen für die Holzindustrie von morgen stellen.
BUSINESS MONAT: Die Holzindustrie ist ein traditionsreicher Sektor – wie schaffen Sie es, junge Menschen für eine Ausbildung in diesem Bereich zu begeistern, und welche Rolle spielt dabei die Digitalisierung?
Josef Stoppacher: Holz ist nicht nur ein uralter, sondern auch ein unglaublich moderner Rohstoff. Die junge Generation, die Sinnhaftigkeit in ihrer Berufswahl sucht, findet in der Holzindustrie genau das: Nachhaltigkeit in Reinform. Holz ist der größte nachwachsende Rohstoff der Welt – und genau das kommunizieren wir aktiv. Kampagnen wie unsere Holz-Influencer zeigen, dass wir den Sprung ins digitale Zeitalter bereits geschafft haben. Über soziale Medien und Veranstaltungen oder Schulprojekte bringen wir jungen Menschen die Möglichkeiten der Holzverarbeitung näher. Digitalisierung spielt hier eine Schlüsselrolle – von Drohnen für Waldvermessungen bis zu hochpräzisen Fertigungstechnologien, die zeigen, dass Tradition und Innovation Hand in Hand gehen können.
Welche Rolle spielt das „Wir-Gefühl“ in einer Branche, die sowohl große Player als auch viele kleine Betriebe umfasst?
Das „Wir-Gefühl“ ist für die Holzindustrie essenziell – und es wächst. Traditionell waren die Betriebe eher eigenständig orientiert, aber die Herausforderungen der heutigen Zeit verlangen Kooperation. Große Unternehmen treiben Entwicklungen voran, an denen kleinere Betriebe teilhaben können. Dieser Schulterschluss wird zur Basis unseres Erfolgs. Gemeinsam haben wir das Potenzial, die Steiermark als „Wood-Valley“ global zu positionieren. Ob innovative Holzprodukte oder internationale Märkte: Nur durch Zusammenarbeit können wir unsere Schlagkraft und Effizienz steigern und so die gesamte Branche voranbringen.
„Im Allgemeinen zeigt der globale Markt eine steigende Nachfrage nach nachhaltigem Bauen, etwa im Nahen Osten.“
Wie bewerten Sie die Auswirkungen internationaler Wettbewerbsbedingungen und strengerer EU-Regularien auf die heimische Holzindustrie?
Die EU-Regularien und internationale Wettbewerbsbedingungen sind eine Herausforderung, aber auch ein Motor für Innovation. Im Allgemeinen zeigt der globale Markt eine steigende Nachfrage nach nachhaltigem Bauen, etwa im Nahen Osten. Hier können wir unsere Stärken ausspielen und unser weltweit führendes Know-how weiter exportieren und neue Märkte erschließen.
Die wirtschaftliche Lage ist volatil – wie begegnen Sie konjunkturellen Unsicherheiten und wie wichtig ist dabei die Zusammenarbeit innerhalb der Wertschöpfungskette?
Volatilität ist eine ständige Begleiterin unserer Branche. Unsere Antwort darauf ist Diversifikation und Zusammenarbeit. Während einige Unternehmen exportorientiert agieren, etwa mit Projekten in Japan oder den USA, nutzen andere regionale Märkte. Gemeinsame Projekte, wie etwa die Entwicklung von Holzprodukten für den Automobilsektor, zeigen: Synergien innerhalb der Wertschöpfungskette machen uns widerstandsfähiger. Gleichzeitig setzen wir auf politische Einflussnahme, um Rahmenbedingungen zu verbessern, etwa die Förderung von Holz im heimischen Bauwesen.
Welche innovativen Projekte und Technologien spielen aktuell eine Schlüsselrolle in der Forschung und Entwicklung der steirischen Holzindustrie?
Die Steiermark ist ein Innovationshub der Holzindustrie. Projekte wie das „Woodvision Lab“ treiben den Einsatz von Holz in neuen Bereichen voran. Denken Sie an Holzkonstruktionen in Zügen oder modulare Gebäudekonzepte – das sind keine Visionen, sondern Realität. KI und Digitalisierung spielen dabei eine große Rolle: Sie optimieren Produktionsprozesse, steigern Effizienz und ermöglichen neue Geschäftsmodelle.
Stichwort: künstliche Intelligenz. Wie sehen Sie das Potenzial von KI und wo könnte sie Ihrer Meinung nach den größten Nutzen stiften?
Künstliche Intelligenz ist der nächste große Schritt in unserer Branche. Sie hilft, komplexe Prozesse zu automatisieren, sei es bei der Bestandsverwaltung, der Produktionsoptimierung oder der Kundeninteraktion. Von der Drohne, die Wälder millimetergenau vermisst, bis hin zu selbstlernenden Systemen, die den optimalen Transportweg berechnen – die Möglichkeiten sind enorm.
Holz ist ein nachhaltiger Rohstoff, aber auch begrenzt verfügbar – wie gelingt es der steirischen Holzindustrie, die Balance zwischen Klimaschutz und Rohstoffbedarf zu wahren?
Nachhaltigkeit ist in der DNA unserer Branche verankert. In der Steiermark wächst mehr Holz nach, als wir entnehmen – dank eines der weltweit strengsten Forstgesetze. Doch die wahre Kunst besteht darin, den Rohstoff optimal zu nutzen. Das bedeutet, neue Anwendungsbereiche zu erschließen, wie innovative Bauweisen, die weniger Material benötigen. Gleichzeitig fördern wir Recycling und setzen auf umfassende Kommunikation, um der Gesellschaft zu zeigen, dass Klimaschutz und Wirtschaftlichkeit keine Gegensätze sind.






