Zum Inhalt springen

Leistung statt Jammern

Unterressort
Industrie
Veröffentlicht
Lesezeit
3 min
IBS-Paper-Performance-Group-Eigentümer Klaus Bartelmuss

IBS-Paper-Performance-Group-Eigentümer Klaus Bartelmuss © IBS

Von Murau aus die Welt erobert. IBS-Paper-Performance-Group-Eigentümer Klaus Bartelmuss im Gespräch über die bewusste Entscheidung, den Firmensitz in Teufenbach-Katsch zu belassen, überbordende Bürokratie und was ihm bei der Arbeit wichtig ist.

Teufenbach-Katsch, Murau. Knapp 800 Einwohner. Mittendrin erhebt sich markant ein futuristischer Turm – das Headquarter der IBS Paper Performance Group, weltweiter Technologieführer in der Optimierung von Papiermaschinen. Begonnen hat die Erfolgsgeschichte im Jahr 1967, als Heinrich Bartelmuss die IBS Kunststoffwerke in Teufenbach gründete. Mittlerweile zählt das Unternehmen, unter der Leitung von Eigentümer Klaus Bartelmuss, 24 Standorte mit über 800 Mitarbeiter:innen.

Trotz dieser weltweiten Aktivitäten hält der Unternehmer aber an Grundtugenden fest. Nicht nur, dass die Zentrale des Industrieunternehmens weiterhin im Murtal angesiedelt ist, sondern auch die dahinterliegende Symbolik sagt etwas über die Firmenphilosophie aus: Der IBS-Tower ist nicht nur ein weithin sichtbares Zeichen für weiteres Wachstum, sondern soll junge Menschen in der Region unübersehbar auf die vielfältigen Karrierechancen in einem international erfolgreichen Unternehmen hinweisen.

Headquarter in Teufenbach-Katsch
Headquarter in Teufenbach-Katsch © IBS

Herr Bartelmuss, haben Sie nie überlegt, den Hauptsitz Ihres Unternehmens in eine urbanere, zentralere Lage zu verlagern?
Diese Frage bekomme ich oft gestellt, vor allem hinsichtlich der Themen Abwanderung und Überalterung der Bevölkerung. Aber ich bin einfach leidenschaftlicher Teufenbacher und werde das auch immer bleiben. Mit dem Verbleib des Firmensitzes in Teufenfach-Katsch will ich aktiv ein Zeichen setzen. Und dank der Digitalisierung ist es heutzutage fast egal, wo man sitzt. Man ist mit der Welt verbunden. Außerdem hat eine ländliche Gegend auch seine Vorteile – viel Ruhe, um sich auf die Arbeit konzentrieren zu können.

Wie sehen Sie den Wirtschaftsstandort Österreich?
Die überbordende Bürokratie ist eine Katastrophe, die Wertschätzung gegenüber den Unternehmerinnen und Unternehmen oftmals sehr gering. Da sind uns andere Länder oftmals weit voraus. Aber die Menschen sind großartig – mit sehr viel Know-how und Loyalität.

Gerade die ländliche Lage macht es wahrscheinlich nicht immer einfach, neue Leute zu engagieren. Wie finden und halten Sie neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter?
Wir bieten eine sehr interessante internationale Tätigkeit mit tollen Karrierechancen. Von der Lehre zum Betriebsleiter ist bei uns nicht nur ein Slogan. Und das sehen die Leute auch.

Ob Lehre als Maschinenbautechniker:in, ... © IBS

Ihr Unternehmen ist weltweit tätig. Wie viel sind Sie selbst international unterwegs?
Im Durchschnitt 15 bis 20 Wochen pro Jahr.

Wird Ihnen das nicht manchmal zu anstrengend?
Ich liebe diesen Job, sonst würde ich ihn nicht schon 40 Jahre machen.

Was ist Ihr Motto bei der Arbeit?
Es ist prinzipiell wichtig, immer offen für neue Ideen zu sein und den Horizont zu erweitern. Was ich nicht mag, ist Sudern und Jammern, was aber gerade in Österreich oftmals sehr beliebt ist. Da hat man das Gefühl, dass manche vor dem vollen Topf verhungern.

Die Erweiterung des Unternehmens ist immer wieder Thema. Erst Mitte 2023 übernahm die IBS Paper Performance Group 60 Prozent der Servicios Sirpac Spa in Südamerika. Sind in naher Zukunft weitere Steps geplant? Eventuell sogar in Österreich?
Ich sage immer: Was kommt, das kommt. Aktuell ist Österreich nicht Fokus Nummer eins bei uns betreffend Erweiterungen. Um den Fokus wieder verstärkt auf die Heimat richten zu können, müssten sich zuerst die politischen und bürokratischen Rahmenbedingungen ändern.

Empfang im Headquarter
Empfang im Headquarter © © Markus Kaiser

Ihr Sohn Mark arbeitet als CEO für Papertech bereits länger im Unternehmen mit. Ist es geplant, dass er Ihre Nachfolge antritt?
Wenn er es selbst will, sehr gerne. Wir arbeiten ja bereits sehr gut gemeinsam im Unternehmen zusammen. Das Thema Nachfolge hat daher noch keinen großen zeitlichen Stressfaktor. Ich bin ja prinzipiell kein Typ für die Frühpension. Dafür mag ich meine Arbeit einfach zu gerne.

Rückblickend auf Ihren bisherigen Berufsweg, würden Sie etwas anders machen?
Nein.

Abschließend: ein Tipp, den Sie aufstrebenden Unternehmerinnen und Unternehmern mit auf den Weg geben würden.
Nicht immer die Schuld bei anderen suchen, wenn etwas nicht so läuft, wie man es gerne hätte. Man sollte öfter in den Spiegel schauen. Dort sieht man meist den Hauptschuldigen.
Und Leistung bringen. Bevor man fragt, was man bekommt, sollte man erst einmal zeigen, was man kann.

Themen

  • Julia Schwager © Foto Fischer
    Arbeitswelt2 Min

    Zukunft braucht Menschen

    Die Fahrzeugindustrie verändert sich rasant. Entscheidend für ihre Zukunft sind nicht nur neue Technologien, sondern vor allem die Menschen, die Wandel möglich machen. Julia Schwager, Head of Global HR bei AVL DiTEST, im Gespräch.

  • KI abstrakte Wirtschaftsgrafik © Adobe Firefly KI
    Industrie7 Min

    Steirische Erfolgsgeschichten

    Global ist die wirtschaftliche Lage angespannt und die Stimmung eher gedrückt. Die folgenden Erfolgsmeldungen beweisen jedoch die Stärken des Standorts Steiermark.

  • Sandra Venus @ Johannes Puch
    Mobilität6 Min

    „Wir müssen auf Spezialisierungen setzen“

    Seit Jänner 2026 ist Sandra Venus die neue Leiterin der Abteilung Finanzen & Controlling und Prokuristin bei der Forschungsgesellschaft Joanneum Research in Graz – und pendelt täglich mittels Koralmbahn aus Klagenfurt. Im Interview spricht die bekennende Optimistin über das Zusammenspiel von Forschung und Wirtschaft, das nicht zuletzt die wirtschaftliche Kraft der Steiermark mit ausmacht.

  • Willibald Ehrenhöfer, Simone Spitzer, Dietmar Schweiggl und Oliver Kröpfl.
    Köpfe & Karrieren3 Min

    Follow-me-Award: Frischer Wind an der Spitze

    In Vorau befindet sich eines der größten Ingenieurbüros Österreichs: Spitzer Engineering. Die engagierte Firmenchefin Simone Spitzer konnte beim Online-Voting von „Follow me“ 3.285 Stimmen sammeln und wurde damit zur „Nachfolgerin des Jahres 2025“ gekürt.

Taboola · Below Article Thumbnails

Nächster Artikel

Eine Region überstrahlt ihre Grenzen
4 Min
Standort

Eine Region überstrahlt ihre Grenzen

Vor eineinhalb Jahrzehnten wurde „KRAFT:dasMurtal“ aus der Taufe gehoben. Dass hinter deren knackigen Slogans wie „Bleiben statt pendeln“ oder „Bergluft für die Karriere“ auch Substanz steckt, wird mit den zahlreichen Aktivitäten der Initiative deutlich.