Holz
Wald- und Forstwirtschaft in der Zukunft
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Für die Holzernte werden hochmoderne Forstmaschinen eingesetzt. Die Etablierung des Lehrberufs „Forsttechnik“ gilt als Meilenstein, um junge Fachkräfte zu gewinnen und für die Forstarbeit zu begeistern. © Jürgen Pistracher
Branchenexperte Peter Konrad sieht einige Herausforderungen auf die Forstwirtschaft zukommen: Vor allem geht es um eine nachhaltige Waldbewirtschaftung, die Reduzierung der Altholzbestände und dafür auch Fachkräfte zu gewinnen.
Herr Konrad, was sind für Ihre Branche die größten Herausforderungen für 2024?
Peter Konrad:Die große Herausforderung in der Gegenwart und für die Zukunft in der Forstwirtschaft sind zweifelsohne die Auswirkungen der Klimaveränderung mit Trockenheit, Sturmereignissen und in weiterer Folge die Schadsituation durch Borkenkäferbefall. Wir müssen in der Zukunft den Holzeinschlag erhöhen, das heißt Altholzreserven abzubauen und die Erstdurchforstungen sowie die Pflegemaßnahmen zu forcieren, um in Zukunft das Ziel von klimafitten Wäldern zu schaffen.
Warum sollen die Altholzbestände vermehrt geerntet werden?
Das bezieht sich vor allem auf die Fichte. Diese ist mit einem Alter von 100 bis 120 Jahren erntereif. In Österreich werden jährlich 18 bis 20 Millionen Festmeter Holz geerntet. Laut statistischem Bundesamt haben wir 50 Millionen Festmeter Altholzbestand. Wir können also zehn Jahre lang jedes Jahr fünf Millionen Festmeter mehr Holz ernten, damit wir diese Altholzbestände reduzieren. Dies ist notwendig, weil wir sonst Gefahr laufen, dass diese Bestände durch den Borkenkäfer, durch Windwurf und andere Schadereignisse eine enorme Holzentwertung erfahren. Das ist natürlich politisch und in der öffentlichen Debatte ein großer Spagat: den Umweltschützern zu verdeutlichen, dass die Außernutzungstellung des Waldes der falsche Weg ist. Für stabile und klimafitte Wälder der Zukunft müssen wir jetzt den Holzeinschlag erhöhen.
„Die Außernutzung-stellung des Waldes ist der falsche Weg.“
Peter KonradBundesvorsitzender der Forstunternehmer © beigestelltWelche Probleme macht die Fichte?
Fakt ist, dass uns die Klimaerwärmung jeden Tag begegnet und Forstwirtschaft wird auf Jahrzehnte im Voraus geplant. Wir müssen uns den neuen Anforderungen anpassen. Das heißt, dass das Umtriebsalter der Hauptbaumart Fichte auf nicht standortgerechten Flächen reduziert und diese durch standortangepasste und klimaresistente Baumarten ersetzt werden muss. Die großen Herausforderungen mit den Kalamitäten wie Windwurf und Borkenkäfer betreffen uns alle, speziell momentan in den Hotspotschadregionen Osttirol und Oberkärnten sowie im benachbarten Ausland Südtirol und Oberitalien. Die Schadholzaufarbeitung müssen wir zügig vorantreiben, um die verbleibenden Bestände resistenter für die Zukunft zu gestalten. Alle jammern über negative Wirtschaftsaussichten, aber sehen wir positiv in die Zukunft und stellen wir uns den Herausforderungen. Der geniale Rohstoff Holz hat eine fantastische Zukunft.
Worauf gründen Sie diese Zuversicht?
Holz hat den besten ökologischen Fußabdruck. Alle sprechen vom Bodenverbrauch, wir müssen die Bodenversiegelung stoppen und stattdessen bestehende Gebäude und Objekte im besten Fall mit dem genialen Rohstoff Holz erweitern und in die Höhe bauen. Dass das gut geht, zeigen uns ja eindrücklich die vielen mehrgeschoßigen Holzwohnbauten, die mittlerweile weltweit großen Anklang finden. Der Rohstoff Holz hat als Baustoff einen hohen Vorfertigungsgrad; das heißt schnelle Bauzeiten, geringes Gewicht, von ökologischen Vorteilen (CO²-Speicherung) gar nicht zu sprechen. Und hier schließt sich wieder der Kreis: Der geniale Rohstoff Holz wächst vor unserer Haustür und bedeutet für die gesamte Holzwertschöpfungskette in der Weiterverarbeitung einen enormen Mehrwert. In Zahlen ausgedrückt bedeutet dies für die Wertschöpfungskette einen Gesamterlös von 654 Euro für einen geernteten Festmeter Holz.

Holz hat angesichts stark gestiegener Energiepreise auch eine steigende Bedeutung als Energiequelle: etwa Pellets und Brennholz.
Ja, die Nachfrage nach Brennholz ist enorm. Aber ich weise eindringlich da-rauf hin, dass nur die schlechtesten Sortimente für die Energieholzgewinnung eingesetzt werden. Das höherwertige Holz geht natürlich in die Weiterverarbeitung wie Fertighäuser, Leimbinder, Brettsperrholz etc.
Viele Branchen ringen um Fachkräfte, auch die Forstwirtschaft?
Ja, das Thema beschäftigt auch uns, wenngleich die Etablierung des Lehrberufs Forsttechniker/in einen Meilenstein gesetzt hat. Wir müssen unsere Unternehmen nur noch intensiver davon überzeugen: Wer in Ausbildung, in Lehrlinge investiert, der wird der Gewinner der Zukunft sein. Österreich ist führend in der Seilkrantechnologie und für eine pflegliche und nachhaltige Waldbewirtschaftung werden moderne Holzerntesysteme eingesetzt. Aber was nützen die besten Maschinen, wenn wir keine Professionisten haben, die sie bedienen. Die heimischen Forstunternehmer machen ihre Hausaufgaben, um positiv zum klimafitten Waldumbau beizutragen. Österreich kann stolz sein auf die hervorragenden Organisationen in der gesamten Holzwertschöpfungskette. Die Waldverbände, der Forstdienst, die Holzernteunternehmen, die weiterverarbeitende Holz- und Papierindustrie und ihre starken Partner setzen sich für professionelle Forstarbeit und die Weiterverarbeitung des Rohstoffes ein, um die vielen Facetten des Rohstoffes Holz herauszuarbeiten. Hervorzuheben sind auch die Organisation proHolz mit ihren Leitbetrieben sowie der ehemalige Landesrat Hans Seitinger und nun Simone Schmiedtbauer, die sich stark machen für den Einsatz von Holz im öffentlichen Wohnbau, wo wir ja in der Steiermark Vorreiter sind in Österreich.






