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Interview

„Allein ,dahebt‘ man viele Sachen nicht“

Unterressort
Klimaschutz
Veröffentlicht
Lesezeit
3 min
Bernhard Puttinger ist Geschäftsführer des Clusters Green Tech Valley © Foto Fischer

Bernhard Puttinger ist Geschäftsführer des Clusters Green Tech Valley © Foto Fischer

Kooperation und Innovation sind die treibenden Kräfte im Green Tech Valley. Cluster-Geschäftsführer Bernhard Puttinger spricht über die Erfolge und Herausforderungen für die Nachhaltigkeitsbranche.

Herr Puttinger, mit den neuen ESG-Kriterien für das Umweltreporting kommen nicht nur auf Großunternehmen, sondern in weiterer Folge auch auf zahlreiche KMU viele neue Berichtspflichten zu. Wie bereitet sich das Green Tech Valley auf diese Herausforderung vor?
Bernhard Puttinger:Mit den Nachhaltigkeitsberichten trifft die Grüne Transformation die Unternehmen in Papierform. Davon werden alle Branchen und auch unsere 300 Clustermitglieder betroffen sein, dabei werden es die KMU leichter haben als die Großen, von denen man schon einiges im Vorfeld wird lernen können. KMU werden auch einen Aufschub bis zum Jahr 2028 in Anspruch nehmen können, während große Unternehmen schon jetzt an ihren ersten Berichten nach neuen Standards arbeiten. Als Cluster unterstützen wir unter anderem mit der „Green Transformation Map“, in der wir aufschlüsseln, was KMU wann und wie genau zu tun haben (siehe Infobox).

Die Berichtspflicht bringt vor allem zusätzliche Arbeit, sehen Sie auch zusätzlichen Nutzen?
Bei all den neuen Herausforderungen rund um Berichte wollen wir dazu beitragen, die Chancen der Grünen Transformation sichtbar zu machen und nutzen zu lernen. Welche neuen Technologien können eingesetzt werden, wie können neue Umsätze lukriert und frisches Personal gewonnen werden? Wer die Grüne Transformation vorantreibt, zieht damit vor allem junge Menschen an, die sich sehr stark mit diesem Mindset identifizieren. Zugleich können Unternehmen widerstandsfähiger werden, wenn sie auf effiziente und erneuerbare Energieformen setzen und somit weniger vom volatilen Preis für fossile Energieträgern abhängig sind. Wir sehen es als unsere Aufgabe als Cluster, diese Chancen zu nutzen und die Unternehmen bei ihrer Pionierarbeit bestmöglich zu unterstützen.

Einen zentralen Vorteil sehen Sie in der Zusammenarbeit – worin liegt hier das Potenzial?
Um es plakativ auszudrücken: Allein „dahebt“ man viele Sachen einfach nicht. In der globalen Debatte ist immer öfter vom „Zusammenarbeitsvorteil“ (Collaborative Advantage) die Rede – als neue Form des Wettbewerbsvorteils. Dabei wird deutlich, wie sich frühe technische Lösungen schneller realisieren lassen, wenn etwa Start-ups ihre Erfindungen mit großen, internationalen Playern gemeinsam anbieten oder Unternehmen sich ergänzende Kompetenzen rasch als gemeinsame Systemlösung anbieten. In Zeiten der großen Verwerfungen am Markt und der nationalen Bestrebungen der USA oder China bietet eine agile, digital orchestrierte und wirksame Kollaboration über Unternehmensgrenzen hinweg eine zentrale Chance für neue Wettbewerbsfähigkeit.

Auch Forschung und Entwicklung sind in dieser Hinsicht entscheidende Faktoren. Wie ist die Steiermark diesbezüglich aufgestellt?
Acht von insgesamt 11 neuen kooperativen „COMET“-Forschungszentren im Umweltbereich kommen aus dem Green Valley, das zeigt erneut diese treibende Rolle der Steiermark für künftige grüne Innovationen. Die Gründungsdynamik entwickelt sich sehr gut – die Steiermark konnte zuletzt sogar die Bundeshauptstadt Wien bei den Green-Tech-Neugründungen überholen. Der Campus der TU Graz mit Forschungseinrichtungen wie HyCentA, LEC, BEST und vielen Instituten zählt mittlerweile europaweit zu den Top-Drei-Standorten für die Erforschung von Anwendungen für grünen Wasserstoff. Das alles zeigt: Das Green Tech Valley ist nicht nur ein Hotspot, sondern ein Spirit, mit dem Bahnbrechendes
entsteht.

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