E-Mobilität: Abschied vom Ladekabelsalat
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© Easelink
Ein weltweit einheitlicher Standard für das automatisierte Aufladen von Elektrofahrzeugen könnte der E-Mobilität den erhofften Boost bringen. Das Grazer Unternehmen Easelink hat sich eine Millionenförderung der EU sichern können, um die Standardisierung voranzutreiben.
Es wurden 1.211 Proposals geschrieben, 431 der Verfasser eingeladen, am Ende haben 71 Unternehmen eine Förderzusage des European Innovation Council (EIC) erhalten. „Das ist eine Erfolgsquote von gerade einmal drei Prozent. Uns wurde im Nachhinein gesagt, dass es der anspruchsvollste und am härtesten umkämpfte Call bis dato war“, sagt Hermann Stockinger, der sich mit seinem Start-up Easelink zu den wenigen Erfolgreichen zählen darf: 11,5 Millionen Euro hat das Grazer Unternehmen, das automatisches Laden von Elektroautos vorantreibt, von der Jury der Fördergesellschaft der Europäischen Union zugesagt bekommen. Für Easelink bedeutet das neuen Drive.

Stockinger freut sich besonders über diesen Vertrauensbeweis in die Easelink-Technologie, zumal die durchschnittliche Förderhöhe in dem Call bei rund 5,5 Millionen Euro lag – also gerade einmal die Hälfte dessen, was Easelink zugestanden wurde. Das Vertrauen in die technologische Reife des konduktiven Ladesystems namens „Matrix Charging“ (siehe nächste Seite) kommt aber nicht nur vom wichtigsten und größten Technologie-Fördergeber in der EU, sondern auch von zahlreichen Fahrzeugherstellern: Autobauer und Technologie-Entwickler in der Automotive-Branche aus Europa, China und Japan konnte das Easelink-Team bereits von seinem ehrgeizigen Ansinnen überzeugen: einen globalen Standard für das automatische Laden von Elektrofahrzeugen zu etablieren.
Matrix Charging
Gegen Wildwuchs
Keine Kleinigkeit: Die frühen Auswüchse der Elektromobilität krankten seinerzeit nicht zuletzt daran, dass die Autohersteller mit jeweils eigenen Ladesystemen die Kunden ködern wollten – Ladekabel-Salat inklusive, denn in den Anfangsjahren existierten viele Standards bei den Steckern. CCS- und CHAdeMO-Kabel sind E-Autofahrern noch in Erinnerung, es dauerte bis 2013, als die EU-Kommission dem Wildwuchs einen Riegel vorschob und den mittlerweile am weitesten verbreiteten Typ-2-Stecker als Standard festlegte. „Um weltweit einen allseits gültigen und anerkannten Standard zu definieren, braucht es vor allem Rückhalt aus der Industrie. Wenn die relevanten Akteure entschlossen dahinterstehen, ist ein wesentlicher Schritt in Richtung einer einheitlichen Ladeinfrastruktur getan“, sagt Stockinger. Genau für diesen Schritt erhielt er die Fördermillionen der EU – die damit signalisiert, für die Standardisierung der konduktiven Ladefunktion die Technologie von Easelink zu bevorzugen.

Ein Ritterschlag für das 2016 gegründete Start-up, das mittlerweile über 40 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verfügt und dessen Ladesystem bereits erfolgreich im Pilotbetrieb in Graz und Wien ist: 38 E-Taxis wurden in beiden Städten mit dem Easelink-System ausgestattet (siehe Info). „Die Praxis zeigt: Das System funktioniert und wird von den Taxifahrern genutzt. Aus den Nutzerdaten wissen wir, dass die Präferenzen und Anforderungen sehr unterschiedlich sind – insbesondere bei sehr kurzen Standzeiten kann eine höhere Ladeleistung gefragt sein. In der nächsten Generation ist das bereits umgesetzt“, sagt Stockinger. Der Klima- und Energiefonds unterstützt das eTaxi-Austria-Projekt mit ca. 2,3 Mio. Euro, um der Taxi-Branche den Umstieg auf emissionsfreie Fahrzeuge zu erleichtern. Stockingers Ziel geht noch weiter: die Elektromobilität vom lästigen Ladekabel zu befreien. „Die Zukunft gehört dem automatisierten Laden – es ist die entscheidende Schnittstellentechnologie, die Elektrofahrzeuge, Nutzer und das Stromnetz verbindet“, sagt Stockinger.






