Interview
Radwege
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Aglaée Degros, Verkehrsplanerin © Thomas Luef
Die Stadtplanerin Aglaée Degros kennt viele Städte, in denen die Lebensqualität drastisch gestiegen ist, nachdem die Radfahrer Vorrang bekommen haben. Graz hätte gute Voraussetzungen, aber …
Aglaée Degros ist Professorin an der TU und gestaltet mit ihrem Geschäftspartner Plätze, die den urbanen Raum lebenswerter machen. Das Rad gehört dort dazu.
Frau Degros, welche Voraussetzungen braucht es für eine perfekte Radstadt?
Degros: Die Topografie muss passen, sollte eben sein, die Stadt kompakt und das Straßenprofil sollte Platz für verschiedene Fortbewegungsmittel bieten. Montreal ist eine tolle Radstadt, auch wenn sie weitläufig ist, auf den breiten Straßen wurden Streifen für Radfahrer geschaffen. In Europas Städten ist das mit den mittelalterlichen Kernen nicht einfach. Die Frage muss lauten: Wer hat Priorität? Autos? Räder? Wenn Räder, braucht es ein gutes Netz.
Haben wir das in Graz?
Es fehlen noch Teile im Netzwerk, innerstädtisch ist das schon gegeben. Ein gutes Netzwerk bedeutet eine gute Integration ins allgemeine Straßennetz sowie Fahrradhighways, auf denen man schnell fahren kann. Das ist in Graz ausbaufähig.
Was machen andere Städte besser? Das Wetter in Kopenhagen etwa ist schlechter als bei uns.
In Groningen beträgt der Radanteil am Gesamtverkehr 60 Prozent, in Graz sind es 19 Prozent. Es ist wie gesagt eine Frage der Priorität. Mit seinen 50.000 Studenten hätte Graz schon eine kritische Masse, die etwas bewegen könnte.
In Graz wird der Verkehr immer dichter. Wie könnte man Bürgern das Fahrrad schmackhaft machen?
Solange wir bereit sind, die Situation zu akzeptieren, wird nichts passieren. In den Niederlanden geht da viel über die Pragmatik. Nicht ökologische Gründe lassen Menschen dort Rad fahren; in dem dicht bevölkerten Land gibt es viele Staus, mit dem Umstieg auf das Rad ist dieses Problem behoben.
„In Holland hat Radfahren pragmatische Gründe: Mehr Räder bedeuten weniger Autos.“
Welche Bilder bräuchte die Bevölkerung hier?
Vorbilder, in Holland fährt sogar die königliche Familie Rad. Wichtig sind Bilder, die zeigen, dass mit Rädern eine Stadt lebenswerter wird. Es lebt auch die Wirtschaft. Radfahrer, die nicht so viel transportieren können, kaufen lieber in kleineren Läden ein, unter dem Strich sogar mehr. Eine ruhige Stadt ist weniger gefährlich für Kinder, das ist doch ein einfaches Argument! Und nicht zuletzt steigt der Wert von Immobilien.
Haben Sie ein Beispiel?
In Loewen, wo wir eine typische Autostraße umgebaut haben – dort bestimmen Fahrräder das Straßenbild, Autos sind sozusagen Gäste – sind die Häuser vier Mal so viel wert! Wenn man mich fragt, ob das nicht Gentrifizierung ist, sage ich: Nein, das ist eine Verbesserung von Lebensqualität! Und auf Graz bezogen hätten wir ein gutes Argument: die Verbesserung der Luftqualität. Es kommen schon immer mehr Firmen zu uns, die sich beraten lassen, wie sie die Mitarbeiter zum Radfahren motivieren können.
Welche Ideen gibt es im Frachtbereich?
Ein gutes Beispiel ist Göteborg. Es entstehen innerstädtisch Mikrodepots, die dort gelagerten Waren werden mit dem Cargobike die letzte Meile zum Kunden gefahren. Das wäre auch für Graz denkbar






