Zukunftsvisionen
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© Christopher Burns/ Unsplash
Autonomes Fahren, Wohnen, Nachhaltigkeit – der BUSINESS MONAT hat bei steirischen Vordenkerinnen und Vordenkern nachgefragt. Das Ergebnis: Einblicke mit Ausblicken.
Anja Benesch
Anja Benesch, Leiterin der KEM und KLAR! StadtLandSee © beigestellt
Sieben-Punkte-Plan
In Kapfenberg heißt das Motto zukünftig: Zuerst genau prüfen, dann handeln, denn wichtigen Entscheidungen wird ab sofort eine Prüfung auf Nachhaltigkeit vorangestellt. Anja Benesch, Leiterin der Klima- und Energie-Modell-Region (KEM) und und Klimawandel-Anpassungsmodellregion (KLAR!) StadtLandSee sowie Gemeinderätin in Kapfenberg, erklärt dabei den Sieben-Punkte-Plan für ein zukunftsfähiges Kapfenberg: „Unsere Stadt der Zukunft schont ihre Ressourcen und vergibt Aufträge nach klimafitten Kriterien. Wir ermöglichen lebenswertes Wohnen in einer grünen Umgebung mit kurzen Wegen und der Nutzung von autarken Energiequellen. Die Stadt ist fair miteinander, achtet auf gleiche Chancen in Bildung, Ausbildung und Beruf für Jung und Alt, Frauen und Männer, unabhängig von den Lebensumständen.“
Gemeinsam in eine starke Zukunft
Die weiteren Punkte umfassen ein gesundes Leben in angenehmen Temperaturen, mit gratis Bewegungsmöglichkeiten im Alltag, Beratungs- und Unterstützungsangeboten. Die Bürger:innen werden motiviert, Rad zu fahren, Autos zu teilen und den ÖV zu nutzen. Zukunftsfähiges Wirtschaften, welches Dekarbonisierung und attraktivste Arbeitsplätze sowie Kreislaufwirtschaft bewirkt, wird gefördert. Und schlussendlich kooperieren alle Beteiligten über Abteilungs- und Gemeindegrenzen hinweg in Sachen Klimaschutz und Klimawandelanpassung.
Matthias Rüther
Direktor von Digital bei der Joanneum Research © Joanneum Research/Bernhard Bergmann
Den Weg finden
Das Testen automatisierten Fahrens erfolgt nicht sofort auf Straßen oder Schienen, sondern in erster Linie in Simulationen. Auf diese Weise lassen sich Millionen von Test-kilometern digital abspulen, ohne ein Fahrzeug zu starten. Damit die Testkilometer der Realität möglichst genau entsprechen, muss man die reale Umgebung in ein digitales Abbild bringen, also einen digitalen Zwilling erstellen. Die Forscher:innen bei Digital, dem Institut für Informations- und Kommunikationstechnologien der Joanneum Research, engagieren sich bereits seit 2017 im Forschungsbereich für hochautomatisiertes Fahren, dessen Basis hochpräzise, digitale Karten sind.
Lücken schließen
Ein einzelnes Sensorsystem, beispielsweise am Dach eines Fahrzeugs, kann seine Umgebung nur aus seiner speziellen Perspektive erfassen, dadurch können blinde Flecken und tote Winkel entstehen. „Um diese Lücken zu schließen, haben wir unser Labor für hochautomatisiertes Fahren erweitert. Mit einer Kombination aus Mobile-Mapping-Methoden, die auf Fahrzeugen oder Drohnen montiert oder als Rucksack von Personen getragen werden, können wir eine völlig neue Qualität der Datengrundlage für digitale Zwillinge erreichen“, erklärt Matthias Rüther, Direktor von Digital. Gefördert wurde die Investition von der FFG im Rahmen der „F&E-lnfrastrukturförderung“.
Nikolaus Lallitsch
Geschäftsführer Raiffeisen Immobilien Steiermark © Christa Strobl
Das „Glücksdorf“ als Sehnsuchtsort
Ein Megatrend unserer Zeit ist die Urbanität. Viele Menschen ziehen zur Ausbildung, zur Arbeit, zur Action in die Städte. Dort wird es eng – mit allen negativen Auswirkungen wie zum Beispiel Wohnungsnot, Immobilienpreissteigerungen, Grünraumverlust, Verkehrsprobleme oder Infrastrukturschwächen. Wien wird bald zwei Millionen Einwohner haben und Graz wird bis 2040 um rund ein Viertel der Bevölkerung wachsen. Damit das gelingen kann, wird man eine maßvolle Verdichtung von innen nach außen zulassen müssen.
Smart agieren
Wo neu gebaut wird, sollte man der öden Monokultur einen Riegel vorschieben: Die monotonen „Pyjamastädte”, in die man nur zum Schlafen kommt, sind Modelle der 60er- und 70er-Jahre. Smart Citys mit einem spannenden Mix aus Wohnen und Arbeiten, Einkaufen und Kulinarik, Einheimischem und Exotischem, Lehren und Lernen, Kultur und Sport haben Zukunft. Sie sind Stadtteile der kurzen Wege, leicht erreichbar, aber nicht nur mit dem Auto, sondern mit öffentlichen Verkehrsmitteln, zu Fuß, mit dem Rad, sie bieten einen bunten Wohnungsmix für alle Generationen und haben intelligente Energiekonzepte.
Übrigens gibt es auch einen immer stärker werdenden Trend zum „Glücksdorf“. Es ist ein Sehnsuchtsort, dort wo sich Stadt und Land berühren. Junge Familien, die ihren Kindern Grün und Sicherheit geben wollen, Menschen kurz vor der Pension, die aus dem Hamsterrad der Stadt aussteigen und eine neue Beschaulichkeit erleben wollen, fühlen sich besonders dort hingezogen.
Gernot Katzenberger
Geschäftsführer der Wegraz © Stella Kager
Intelligent vernetzt
Der Trend geht definitiv zur Urbanität. Immer mehr Menschen weltweit zieht es in Städte. Laut einer Studie der United Nations, Department of Economic and Affairs, könnten 2050 sogar mehr als zwei Drittel der Weltbevölkerung in urbanen Regionen konzentriert sein.
Gernot Katzenberger, Geschäftsführer der Wegraz, hat genaue Vorstellungen zur Stadt der Zukunft: „Die Stadt der Zukunft ist grün, digital ressourcenschonend und sozial inklusiv. Um da hinzukommen, setzen Städte auf technische Innovationen, digitale Methoden und intelligent vernetzte Systeme und versprechen sich davon optimierte Infrastruktur und lebenswerte und umweltfreundliche öffentliche wie private Räume.“
Herausforderung und Chance
Die Globalisierung und neue Kommunikationstechnologien sind für urbane Regionen Europas durchaus eine große Herausforderung, aber auch eine Chance. Und obwohl die Städte global mit denselben Herausforderungen zu kämpfen haben, fallen die lokalen Lösungen sehr unterschiedlich aus. Denn auch wenn für Stadtentwicklung und -planung vorrangig die Behörden zuständig sind, so entsteht eine lebendige Stadt erst durch das Engagement ihrer Bewohner.
Hannes Schreiner
Technopark Raaba © Mario Gimpel
Reif für die Inseln
„Wenn wir von Visionen für die Stadt der Zukunft sprechen, dann zeigen einzelne gegenwärtige Projekte in Metropolen wie Mailand und Barcelona bereits, wie so etwas aussehen könnte“, erklärt Hannes Schreiner vom Technopark Raaba. Dort wie da wird mit einzelnen „Inseln“ im urbanen Raum die revolutionäre Idee umgesetzt, den öffentlichen Raum für alle Menschen zu öffnen. Konkret geht es dabei um die Schaffung von Spielplätzen, Grünanlagen sowie Fahrradstationen. Diese Innovationen sollen aktiv dazu beitragen, dass die Bevölkerung den städtischen Raum für sich wieder zurückgewinnt.
Epizentren für Lebensqualität
Gerade diese Innovationen sind es, welche die Technopark Raaba Holding am eigenen Standort forciert. Fahrradboxen für Bewohner, Mieter und Besucher sowie die fußläufige Erreichbarkeit von Einrichtungen des täglichen Bedarfs wurden ebenso realisiert wie Ladestationen für die Elektromobilität. Das Interesse an öffentlichen Plätzen und den damit verbundenen sozialen Kontakte wird in Zukunft immer stärker an Bedeutung gewinnen. Eine Infrastruktur sollte Arbeit, Wohnen und Freizeit miteinander verbinden und mit grünen Inseln das Epizentrum für Lebensqualität bereitstellen.
Florian Kulterer
Geschäftsführer Immoxx © Sissi Furgler Fotografie
Mit Haus-Verstand
Der Zuzug in Ballungsräume stellt für zahlreiche Städte eine große Herausforderung dar. Der Bedarf an Wohnungen steigt, der Raum für Neubauten ist aber begrenzt. Um eine zukunftsfähige Stadt zu gestalten, gilt es also, Altbestand nach neuestem Standard nachhaltig zu sanieren. So kann wertvolle Bausubstanz erhalten werden und gleichzeitig neuer Wohnraum entstehen, ohne neue Flächen zu versiegeln.
Für alle Generationen
Die Durchmischung von Generationen, Gesellschaft und Kulturen innerhalb der Stadt ist wünschenswert. Die zentrale Aufgabe der kommenden Jahre wird dabei sein, das Wohnen als eines der Grundrechte der Gesellschaft wieder preiswerter und leistbarer zu machen – und das für alle Generationen.






