Ressource Mensch
Gegenwart mit Perspektive – Zukunft mit Visionen
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Von neuen Studienplätzen bis zu TikTok, die Region Murau-Murtal zeigt auf, wie neue Fachkräfte gewonnen und auch gehalten werden können. Federführend dabei: die Initiative „Kraft. Das Murtal“.
Eine Region stärken, mit der Wirtschaft im Fokus – dieser Grundgedanke stand 2009 im Mittelpunkt bei der Gründung der Netzwerk-Initiative „Kraft. Das Murtal“. Begonnen mit zehn Mitgliedsbetrieben, hat sich die Initiative über die Jahre stetig weiterentwickelt. Mittlerweile zählt sie 85 Unternehmen mit insgesamt über 7.000 Mitarbeitenden – alleine heuer sind sechs neue Netzwerk-Mitglieder dazugekommen.
„Das Murtal hat nicht nur landschaftlich viel zu bieten, sondern ist auch Standort vieler wirtschaftlich starker Unternehmen – nicht wenige sogar Weltmarktführer auf ihrem Gebiet. Diese Stärke wollen wir aufzeigen, was uns mit dieser österreichweit einzigartigen Initiative zur Stärkung der regionalen Identität und wechselseitigen Inspiration gelungen ist“, weiß Bibiane Puhl, Geschäftsführerin von „Kraft. Das Murtal“.
Doch der Erfolg ist kein Grund, sich auszuruhen. Im Gegenteil: Mit vereinten Kräften stellt man sich der aktuell wohl größten Herausforderung: dem Fachkräftebedarf. „Innovative Ideen kommen dabei nicht zu kurz“, erklärt Bibiane Puhl gemeinsam mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden Josef Rieberer und dem Sprecher der Initiative Florian Hampel im Round-Table-Gespräch mit dem BUSINESS MONAT.

Werfen wir zuerst einmal einen Blick auf den Status quo – wie geht es der Region und Ihnen als Unternehmer aktuell?
Josef Rieberer: Die guten Tourismuszahlen des heurigen Jahres sowie die vielen Großveranstaltungen in der Region waren für uns als Brauerei natürlich toll. Jedoch ist die geopolitische Lage spürbarer denn je. Wir bemerken das beispielsweise anhand der extrem gestiegenen Energiepreise und der Lieferketten – vor allem bei Lieferungen aus dem Ausland. Eine der größten Herausforderungen aktuell bleibt aber trotzdem die Challenge, MitarbeiterInnen zu finden.
Florian Hampel: Ich sehe das gleich. Wir haben momentan die Konstellation: Auf der einen Seite sind die Auftragsbücher voll. Auf der anderen Seite sind die Rahmenbedingungen durch den Fachkräftebedarf, die Energiekosten und die Inflation erschwert. Aber unser Blick ist immer nach vorne gerichtet. Das ist Teil unserer DNA – als Netzwerk gemeinsam die Herausforderungen annehmen. Und die Geschichte zeigt, dass wir mit dieser Einstellung auch in der Vergangenheit die großen Aufgaben gut gemeistert haben.
Wie reagiert die Initiative „Kraft. Das Murtal“ auf die aktuelle Situation?
Bibiane Puhl: Wir sehen deutlich, dass nach 13 Jahren unser Kraft-Netzwerk so viel an Stabilität und gegenseitigem Vertrauen aufgebaut hat, dass auch diese brennenden Themen, wie beispielsweise der akute Fachkräfte-Bedarf, gemeinsam angepackt werden.
Der Fachkräftebedarf ist eine Herausforderung, die sich durch die meisten Unternehmen und Branchen zieht – besteht da nicht die Gefahr, dass andere in meinem Teich fischen?
Puhl: Uns ist natürlich bewusst, dass hier zum Teil eine Konkurrenz unter den Firmen da ist. Wir haben aber innerhalb des Netzwerks das Commitment, nicht direkt MitarbeiterInnen abzuwerben. Aber wenn MitarbeiterInnen Job wechseln wollen, sind die Türen offen. Dieses Vertrauen ist über die Jahre gewachsen und hat sich bewährt. Unterstützt wird diese Sichtweise auch dadurch, dass wir mit unseren Employer-Branding-Maßnahmen für alle Betriebe arbeiten. Als Einheit gesehen ist das Netzwerk ja der größte Arbeitgeber der Region Murau-Murtal mit über 7.000 Mitarbeitenden.
„Wir merken, dass das Thema Nachhaltigkeit immer stärker gefragt ist. Es gibt sehr viele Betriebe in der Region, die in diesem Bereich extrem viel investieren.“
Bibiane PuhlGeschäftsführerin „Kraft. Das Murtal“Stichwort: Employer Branding. Worauf legen zukünftige MitarbeiterInnen besonders Wert?
Puhl: Wir merken, dass das Thema Nachhaltigkeit immer stärker gefragt ist. Es gibt sehr viele Betriebe in der Region, die in diesem Bereich extrem investieren –
angefangen von Elektromobilität über Photovoltaik bis zu Umweltsystemen. Eine saubere Industrie ist für uns prinzipiell ein Herzensanliegen, da wir für die Region einen Beitrag leisten wollen.
Rieberer: Industriebetriebe waren früher sehr hierarchisch organisiert. Wir merken aber vor allem bei den jungen Menschen, dass sie großes Interesse
daran haben, zu wissen, was im Betrieb passiert. Die Jungen wollen ernst genommen werden, der erhobene Zeigefinger ist passé. Es geht nur miteinander.
Haben Sie Best-Practice-Beispiele, wie in Ihren Unternehmen Employer Branding gedacht wird?
Hampel: Wir verfolgen mit unserer Firmen-Philosophie einen eher partnerschaftlich-kooperativen Umgang. Neben Mitarbeiter-Vorteilen wie flexible Arbeitszeiten oder das hauseigene Fitnessstudio ist auch die Weiterbildung bei uns ein großes Thema. Vor einem halben Jahr haben wir mit der internen Lehrlingsakademie gestartet und sind aktuell dabei, die Hage Academy aufzubauen.
Rieberer: Um Mitarbeiter zu halten, ist das bewährteste Mittel meiner Meinung nach, Vertrauen zu den Mitarbeitern aufzubauen – sehr viele Gespräche zu führen, viel bei den Mitarbeitern zu sein. Natürlich führen wir auch Weiterbildungsmaßnahmen in sehr intensivem Maße durch. Ein Beispiel dafür: Es wird ab Anfang Oktober bei uns allen Mitarbeitern angeboten, Fahrlizenzen in allen Führerscheingruppen zu bekommen. Die Kosten dafür übernimmt das Unternehmen.
„Mit September haben zwölf Studierende ihr Automatisierungstechnikstudium in der Region begonnen – eine Kooperation von ,Kraft. Das Murtal‘ und der FH CAMPUS 02.“
Florian HampelSprecher der Initiative „Kraft. Das Murtal“, GF Hage SondermaschinenbauAuch „Kraft. Das Murtal“ beschreitet immer gerne innovative Wege. Da konnte jüngst ein großer Erfolg verbucht werden.
Hampel: Es gibt eine neue Kooperation mit der FH CAMPUS 02, Studienrichtung Automatisierungstechnik. Das heißt, zwölf Studierende haben im September in den Räumlichkeiten von Hage mit ihrem dreijährigen Automatisierungstechnik-Studium begonnen. Neben dem Studium können die Studierenden ein Netzwerk mit Unterstützung von „Kraft. Das Murtal“ aufbauen, Betriebsbesuche machen und Projekte umsetzen.
Wie informieren Sie gerade die junge Generation über die Möglichkeiten in der Region?
Puhl: Die Pandemie hat gerade beim erreichen dieser Zielgruppe eine gewisse Bremse eingelegt. Umso glücklicher waren wir, dass wir heuer wieder die reale Begegnung mit einem Tag der offenen Tür bieten konnten. 1.200 Schüler und Schülerinnen aus der ganzen Region besuchten Unternehmen und bekamen einen Einblick in den beruflichen Alltag.
Gerade diese Zielgruppe betreffend ist aber noch mehr geplant.
Puhl: Social Media und da vor allem der neue TikTok-Account, den wir gerade aufbauen, werden für uns zukünftig eine zentrale Rolle spielen.
Aufgrund der demografischen Entwicklungen wird es aber nicht reichen, sich nur auf die junge Generation bei der Suche nach neuen MitarbeiterInnen zu konzentrieren. Welche Schritte werden noch unternommen?
Hampel: Gemeinsam mit den Partnern, dem Personalmanagement TTI Austria sowie dem BFI Steiermark, gibt es dazu ein spannendes Projekt. Arbeitssuchende Personen, die wieder in den Arbeitsprozess kommen möchten, werden bei TTI Austria angemeldet und bekommen dort vom ersten Tag weg einen Facharbeiter-Lohn ausbezahlt. Die Person hat dann die Möglichkeit, sich innerhalb der Kraft-Gruppe neu zu orientieren, welcher Job interessant wäre. Nach der Orientierungsphase startet über das BFI Steiermark die Ausbildung dazu. In dieser Zeit kann man auch in die Betriebe gehen und schnuppern. Nach Beendigung der Ausbildung bleibt man entweder bei der TTI Austria oder entscheidet sich für ein Unternehmen mit Fixanstellung.
Rieberer: Diese Kooperation ist relativ neu, die wirklichen Früchte wird man erst in einigen Jahren ernten können. Aber wir sehen jetzt schon, dass das Angebot gut angenommen wird. Wichtig ist es, innovativ in die Zukunft zu schauen und einen ersten Schritt zu machen.
Puhl: Ein Thema diesbezüglich ist sicher auch, mehr Frauen gerade für technische Jobs zu interessieren sowie mehr Kinderbetreuungsplätze zur Verfügung zu stellen, damit Eltern die Gewissheit haben, dass ihre Kinder gut aufgehoben sind. Aber auch hier sind die Unternehmen der Region schon sehr fortschrittlich unterwegs.
„Der große Vorteil von unserem Netzwerk ist, dass wir uns branchenübergreifend austauschen und zusammenarbeiten.“
Josef RiebererAufsichtsratsvorsitzender „Kraft. Das Murtal“, Vorstand Murauer BierZum Abschluss noch kurz zusammengefasst: Was macht die Initiative „Kraft. Das Murtal“ für Sie persönlich so besonders?
Rieberer: Der große Vorteil von unserem Netzwerk ist, dass wir uns branchenübergreifend austauschen und zusammenarbeiten. Ich komme österreichweit und darüber hinaus mit Leuten aus der Wirtschaft zusammen und bekomme oft die Einzigartigkeit unserer Initiative bestätigt.
Puhl: Durch unser innovatives Denken und Handeln sind wir eine über die Region hinaus bekannte Initiative. Dass wir stark wahrgenommen werden, sieht man auch an den Zugriffen auf die Homepage sowie auf unsere Jobbörse.
Hampel: Wir sind mit unseren Stakeholdern aus Politik und Verwaltung erfolgreich verbunden. Wir bekommen ein offenes Ohr, weil man weiß, dass wir gesammelt für zahlreiche Unternehmen sprechen.

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