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Ressource Mensch

Gekommen, um zu bleiben

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Arbeitswelt
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Gekommen, um zu bleiben

© Shutterstock

Lebensqualität als veritabler Pull-Faktor macht den steirischen Arbeitsmarkt für international umworbenes Spitzenpersonal attraktiv.

Wartelisten für den Schwimmkurs oder Reitunterricht sind in Berlin gang und gäbe. Wer seinen Kindern eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung ermöglichen will, braucht vor allem eines: Geduld. Genau die ist Daniela Tulezi mit der Zeit vergangen. Die Mutter von zwei sieben- und zehnjährigen Kindern hatte die überlaufenden Strukturen der Großstadt satt und schaute sich nach Alternativen mit besseren Betreuungsquoten in Schulen und mehr Lebensqualität im Allgemeinen um. Ihre Wahl fiel dabei auf das Grazer Umland: „Ich kannte die Steiermark von früheren Reisen und habe hier schon viel Zeit verbracht. Irgendwann kam der Punkt, an dem ich mir vorstellen konnte, mit der Familie hierherzuziehen.“

An diesem Punkt begann für Tulezi auch die Jobsuche. Dank ihrer Berufserfahrung in der PR war es für sie ein Leichtes, adäquate Angebote an Land zu ziehen, sie entschied sich schlussendlich für die Knapp AG in Hart bei Graz, wo sie seit April 2024 als PR & Media Relations Manager tätig ist. Dort lernte sie auch das heimische Arbeitsklima zu schätzen: „Man spürt hier den geografischen Bezug zur Natur und Bergwelt, in der ein Ausgleich in der Freizeit gesucht wird. Am Feierabend schwingen sich alle aufs Rad – das kennt man aus Berlin so nicht“, sagt Tulezi über den Standortfaktor Lebensqualität. Weitere Faktoren, die sie in die Steiermark gezogen haben: leistbare Wohnkosten, familienfreundliches Umfeld, sauberes und gepflegtes Stadtbild, stärkeres Bewusstsein für das Gemeinwohl und geringe Kriminalitätsrate.

Kompetente Behörden

Entgegen kam Tulezi, dass die österreichischen Behörden ihr wenig Steine in den Weg gelegt haben. „Die bürokratischen Wege von Kindergartenplatz bis hin zu Schulplatz funktionierten total unkompliziert, da bin ich aus Deutschland anderes gewohnt“, sagt die Exil-Berlinerin. Zwar musste sie sich hier auf ein allgemein höheres Preisniveau einstellen – von Lebensmitteln bis hin zu Versicherungsausgabe –, das sie für die höhere Lebensqualität aber gerne in Kauf nimmt. Bei der Wohnungssuche wurde sie dafür bald in Gössendorf in Graz-Umgebung fündig, zu wesentlich günstigeren Konditionen als in der deutschen Hauptstadt. Tulezi hat sich ihre Ankunft in der Steiermark vorwiegend auf eigene Faust organisiert, dabei kam ihr auch die nicht vorhandene Sprachbarriere zugute. Andere internationale Fachkräfte, die kaum oder gar nicht des Deutschen mächtig sind, brauchen allerdings mehr Unterstützung – und hier kommt der CINT ins Spiel.

„Die büro­kratischen Wege von Kindergarten­platz bis hin zu Schulplatz funktionierten total unkompliziert, da bin ich aus Deutschland anderes ­gewohnt.“
Daniela TuleziDaniela TuleziPR & Media Relations Manager bei Knapp AG

Die Abkürzung steht für Club International: Der Verein besteht aus Mitgliedern aus Wirtschaft und Industrie in der Steiermark – mit einem klar definierten Ziel: Unterstützung und Betreuung von Fach- und Schlüssel-arbeits-kräften sowie deren Familien aus aller Welt. „80 Prozent von ihnen verfügen über keine oder zu niedrige Deutschkenntnisse, um sich hierzulande zurechtzufinden. Unsere Aufgabe ist es, die ‚Internationals‘ bei Behördenterminen zu begleiten und mit ihnen gemeinsam Probleme des täglichen Lebens zu lösen“, sagt Veronika Wolf. Die CINT-Geschäftsführerin hat ebenfalls einen internationalen Hintergrund, stammt ursprünglich aus Tschechien und hat ihren beruflichen Werdegang im grenzüberschreitenden Hochschulwesen gestartet. Mit diesen Erfahrungswerten hat sie ein gutes Gespür dafür, was Neuankömmlinge in der Steiermark bewegt und beschäftigt.

Ankommen und wohlfühlen

„Das sind neben Themen des Aufenthaltsrechts sehr viele Fragen zur Sozialversicherung, Gesundheitsversorgung und zum Steuersystem. Aber auch triviale Anliegen nehmen wir uns zu Herzen: Wenn eine Familie aus Großbritannien ankommt und nach einem Reitstall für die Tochter sucht, helfen wir mit“, sagt Wolf. 80 Prozent ihrer Klientel sind Drittstaatsangehörige, CINT begleitet sie beginnend von der Rekrutierungsphase bis hin zur potenziellen Staatsbürgerschaft. Gut ankommen und wohlfühle – diese Maxime wird verfolgt, auch um das Worst-Case-Szenario zu vermeiden: ein frühzeitiger Abbruch des Arbeitsverhältnisses und Abreise aus Österreich. „Das wäre ein großer finanzieller Verlust, Studien zufolge bewegen sich die Kosten beim Abbruch auf das Drei- bis Vierfache des Jahresgehalts der Fachkraft. Wir versuchen mit all unseren Services, genau dem entgegenzuwirken, indem wir die Personen langfristig und ohne Einschränkungen unterstützen“, so Wolf.

Eine wichtige Form der Unterstützung ist der Deutscherwerb. Umfragen unter den CINT-Internationals legen nahe, dass für knapp 80 Prozent die Sprachbarriere zur größten Herausforderung am neuen Arbeitsort zählt. Gemeinsam mit dem Österreichischen Integrationsfonds ÖIF veranstaltet CINT daher Deutschkurse, die auf großes Interesse treffen. Angeboten werden aber auch niederschwellige Möglichkeiten, ins heimische Leben einzutauchen: Freizeitformate wie Stadtführungen, Ausflüge, Sportveranstaltungen vernetzen die „Expats“ untereinander und machen sie mit den Annehmlichkeiten des Umfelds vertraut.

Innovative Köpfe

Nicht umsonst wählen viele der internationalen Fachkräfte bewusst die Steiermark als Arbeitsort, auch wenn sie anderswo vielleicht sogar lukrativere Angebote vorfinden könnten. CINT befragt die betreuten Personen – mit Familien sind es im Schnitt rund 2500 pro Jahr – regelmäßig zu ihren Motiven, sich hier niederzulassen. „In Sachen Lebensqualität punktet die Steiermark mit Sicherheit, der intakten Umwelt und Naturlandschaft, Nachhaltigkeit, Sauberkeit, gesundem Leben und dem sozialen Netz. Auch der sehr gute öffentliche Verkehr und die Ausbildungschancen für die Kinder werden immer wieder positiv genannt“, sagt Wolf. Sie verfügt über einen internationalen Blickwinkel, in dem die Steiermark als attraktiver Arbeitsstandort wahrgenommen wird, der mit großen Unternehmen und einer hohen Forschungs- und Entwicklungsquote auftrumpft: „Um das zu erhalten, braucht es viele innovative Köpfe – gemeinsam mit unseren Mitgliedsunternehmen und unseren Gründungsorganisationen leisten wir den Beitrag, dass sie nicht nur herkommen, sondern auch hierbleiben und sich wohlfühlen.“

Veronika Wolf
Veronika Wolf, CINT-Geschäftsführerin © CINT

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