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Ressource Mensch

Eine Region schreibt Zukunft

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Ausbildung & Lehre
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5 min
Günther Staber, Bibiane Puhl, Florian Hampel, Athanasia Toursougas-Reif und Josef Rieberer (v. l.)

Beim Round Table mit Günther Staber, Bibiane Puhl, Florian Hampel, Athanasia Toursougas-Reif und Josef Rieberer (v. l.) war der „kraftvolle“ Spirit spürbar. © Erwin Scheriau

116 Betriebe, mehr als 8.500 Mitarbeiter:innen, eine gemeinsame Vision: KRAFT:dasMurtal zeigt seit 16 Jahren, wie eine Region durch Vernetzung, Bildung und Innovationsgeist Zukunft gestaltet. Beim Round Table wird klar: Hier entsteht weit mehr als ein Wirtschaftsnetzwerk – hier wächst ein Lebensraum mit Strahlkraft.

Seit 16 Jahren gilt die Initiative KRAFT:dasMurtal als eine der treibenden Kräfte für die wirtschaftliche Entwicklung der Region Murau-Murtal: ein starkes Netzwerk von 116 Betrieben mit über 8.500 Mitarbeiter:innen, getragen von Innovationsgeist, Nachhaltigkeit und einem klaren Fokus auf die Menschen, die hier leben und arbeiten. Der BUSINESS MONAT hat sich mit Josef Rieberer (Aufsichtsratsvorsitzender, Vorstand Murauer Bier), Florian Hampel (Sprecher, GF Hage Sondermaschinenbau), Bibiane Puhl (Geschäftsführerin KRAFT:dasMurtal), Günther Staber (Murauer Stadtwerke) und Athanasia Toursougas-Reif (Jilek & Reif Rechtsanwälte) zu einem Round Table getroffen.

BUSINESS MONAT: Frau Puhl, was macht das Netzwerk KRAFT:dasMurtal zu einem Modell, das seit über eineinhalb Jahrzehnten erfolgreich ist?

Bibiane Puhl: Wir bündeln Kräfte. Kein Betrieb, ob groß oder klein, könnte all die Themen allein bespielen – Bildung, Nachhaltigkeit, Gleichstellung, Digitalisierung. Indem wir Ressourcen teilen und voneinander lernen, schaffen wir Mehrwert für die gesamte Region. Und: Wir handeln nicht abstrakt, sondern immer sehr konkret, mit Projekten, die spürbar Wirkung entfalten.

Josef Rieberer: Wichtig ist auch, dass KRAFT:dasMurtal eine Plattform des Vertrauens ist. Man begegnet sich auf Augenhöhe, teilt Erfahrungen und wächst gemeinsam. Diese Kultur ist die Basis für den langfris-tigen Erfolg.

„In unserer Region zählt das gemeinsame Vorankommen.“
Bibiane PuhlBibiane PuhlGeschäftsführerin KRAFT:dasMurtal

Bildung gilt als einer der stärksten Hebel für die Zukunft. Sie haben im Herbst die zweite Runde des berufsbegleitenden Bachelorstudiums Automatisierungstechnik angekündigt. Welche Erfahrungen haben Sie bisher gesammelt?

Florian Hampel: Der erste Durchgang war ein voller Erfolg: Acht Abschlüsse – einige sogar mit Auszeichnung. Besonders bemerkenswert war, dass auch Menschen ohne technischen Hintergrund, etwa eine Absolventin eines Gymnasiums, erfolgreich dabei waren. Das zeigt: Mit der richtigen Unterstützung – durch Professor:innen, Mentor:innen vor Ort und ein flexibles Studienkonzept – ist das Studium für alle machbar.

Bibiane Puhl: Ich habe die Verleihung miterlebt – das war bewegend. Drei Jahre Beruf, Privatleben und Studium unter einen Hut zu bringen, verdient größte Hochachtung. Fast alle setzen ihr Studium nun mit einem Master fort. Für die Region ist das unbezahlbar: Hochqualifizierte junge Menschen bleiben hier, bringen ihr Wissen ein – und sichern so die Zukunft der Region.

Bildung ist aber mehr als akademische Ausbildung. Sie haben den MINT-Gedanken – Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik – stark verankert. Wie sieht das konkret aus?

Florian Hampel: Wir schaffen MINT-Erlebnisse für alle Altersstufen – vom Kindergarten bis zur Oberstufe. Mit der „Spürnasen-Ecke“ können schon die Jüngsten experimentieren. Dazu kommt das Projekt „PowerUp“, das in Planung ist – ein mobiles Konzept bringt dabei MINT-Erlebnisse in die Schulen. Es geht darum, Neugier zu wecken und Begeisterung für Technik und Naturwissenschaften frühzeitig zu fördern.

Günther Staber:Und das funktioniert. Wenn man in Workshops erlebt, mit welcher Kreativität und Neugier Kinder Fragen stellen – teilweise solche, die auch uns Erwachsene kurz zum Nachdenken bringen –, dann weiß man: Diese Investition trägt Früchte.

„Bildung entfaltet Kraft, wenn sie neugierig macht und Türen öffnet.“
Florian HampelFlorian HampelSprecher KRAFT:dasMurtal, GF Hage Sondermaschinenbau

Frau Toursougas-Reif, Sie setzen sich stark für die Förderung von Frauen ein. Wo sehen Sie den größten Handlungsbedarf?

Athanasia Toursougas-Reif: Frauen sind in der Wirtschaft noch immer unterrepräsentiert. Ich habe es selbst erlebt, als ich mich als junge Anwältin selbstständig gemacht habe: Man wird nicht immer ernst genommen. Dabei sollte es längst selbstverständlich sein, dass Frauen Karriere und Familie verbinden können. Entscheidend sind bessere Kinderbetreuung, flexible Öffnungszeiten und eine ernsthafte Auseinandersetzung mit Gleichstellung.

Bibiane Puhl:Es fehlt nicht nur an Kinderbetreuungsplätzen, sondern auch die Öffnungszeiten sind oftmals eine Herausforderung. Wer Fachkräfte sichern will, muss flexiblere Modelle schaffen.

Josef Rieberer: Und dennoch ist es ermutigend: Zahlreiche unserer Betriebe sind bereits equalitA-zertifiziert. Das zeigt, dass das Thema nicht nur am Papier steht, sondern gelebt wird.

„Chancengleichheit ist kein Luxus, sondern die Basis für echte Stärke.“
Athanasia Toursougas-ReifAthanasia Toursougas-ReifAufsichtsrätin KRAFT:dasMurtal, Jilek & Reif Rechtsanwälte

Herr Staber, Sie haben betont, dass gerade kleine Unternehmen vom Netzwerk profitieren. Worin liegt für Sie der besondere Wert?

Günther Staber:KRAFT:das-Murtal bietet Zugang zu Themen, die kleine Betriebe alleine kaum stemmen könnten – sei es Employer Branding, Gesundheitsförderung oder Nachhaltigkeitsinitiativen. Wir lernen voneinander, können Lösunagen adaptieren und so attraktiver Arbeitgeber bleiben. Das Netzwerk lebt vom gegenseitigen Geben und Nehmen.

Athanasia Toursougas-Reif: Genau das ist entscheidend. Als Kanzlei profitieren wir von Themen, die auf den ersten Blick vielleicht „betriebsfremd“ wirken. Man sieht: Die Region denkt vernetzt.

Nachhaltigkeit ist ein weiteres Kernthema. Wie gehen Sie als Unternehmen damit um?

Josef Rieberer: Nachhaltigkeit ist kein Schlagwort, sondern eine Verpflichtung. Sie endet nicht beim Energiesparen, sondern beginnt bei der Frage: Wie stiften wir langfristig Nutzen? Für Kunden, Mitarbeiter:innen, die Region. Man muss das Thema fertigdenken – sonst bleibt es Symbolik.

Günther Staber: Dem stimme ich zu. Für uns als Stadtwerke heißt das: Energie aus erneuerbaren Quellen, regionale Wertschöpfung und soziale Verantwortung gehören untrennbar zusammen. Nachhaltigkeit ist kein Projekt, sondern Haltung.

„Unsere Stärke liegt in der Verbindung von Wirtschaft, Gemeinschaft und Nähe.“
Günther StaberGünther StaberAufsichtsrat KRAFT:dasMurtal, Murauer Stadtwerke

Ein Zukunftsthema ist die Digitalisierung – Stichwort künstliche Intelligenz. Welche Rolle spielt sie in Ihren Betrieben?

Florian Hampel: KI wird alle Bereiche durchdringen – von der Konstruktion über die Verwaltung bis ins Marketing. Sie ist Werkzeug, aber kein Ersatz. Wir müssen sie nutzen, ohne unsere Kreativität und Verantwortung abzugeben.

Günther Staber: Genau: KI kann Prozesse beschleunigen, aber auch Schaden anrichten, wenn wir sie unreflektiert einsetzen. Deshalb braucht es klare Regeln und Schulung.

Bibiane Puhl: Was wir unseren Kindern vermitteln müssen, ist Neugier. Kreativität, kritisches Denken – das bleibt zutiefst menschlich.

Lassen Sie uns zum Abschluss auf die Region selbst blicken. Was macht das Murtal für Sie persönlich lebenswert?

Günther Staber: Die Kombination aus Natur, sozialem Zusammenhalt und Nähe zu Graz. Junge Menschen kehren oft zurück – weil sie Familie und die Vorteile des Landlebens schätzen.

Athanasia Toursougas-Reif:Für mich ist es die Verbindung von guter Ausbildung und Arbeitsplätzen mit Lebensqualität.

Und: Wohnraum ist hier noch leistbar – ein großer Vorteil gegenüber Ballungsräumen.

Bibiane Puhl: Wer Natur und Kultur schätzt, findet in der Region ein großartiges Angebot. Ich bin ein Landmensch – und hier habe ich alles, was ich brauche.

Florian Hampel: Was unsere Region besonders macht, ist das Vertrauen untereinander. Man spürt die Verbundenheit – sei es im Beruf oder im Alltag.

Josef Rieberer:Diese Sicherheit, zu wissen, dass alles seinen Platz hat und man aufeinander zählen kann, schafft Lebensqualität, die weit über wirtschaftliche Aspekte hinausgeht. Das ist unbezahlbar.

„Nachhaltigkeit ist keine Kür, sondern unsere Pflicht für kommende Generationen.“
Josef RiebererJosef RiebererAufsichtsrats­vorsitzender KRAFT:dasMurtal, Vorstand Murauer Bier

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