Wo immer noch der Holzofen regiert
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In der 130 Jahre alten Bäckerei hat traditionelles Handwerk einen hohen Stellenwert. Backwaren, Mehlspeisen und Eisspezialitäten werden im hauseigenen Kaffeehaus angeboten, das sich zum echten Künstlertreff entwickelt hat.
Als Johann Wilfling 1945 aus dem Krieg ins südoststeirische Söchau heimkehrt, stehen die Dinge schlecht. Sein Vater Friedrich stirbt früh, Johann übernimmt daraufhin in dritter Generation die familien-eigene Bäckerei. Die erste Nachkriegszeit ist jedoch wirtschaftlich derart karg, dass sich der Betrieb kaum über Wasser halten kann; die finanzielle Unterstützung durch seine Mutter, die viele Jahre in der Fürstenfelder Tabakfabrik gearbeitet hatte und daher in den Genuss einer Pension kommt, ermöglicht Johann die Weiterführung. Überhaupt hält man in der Region zusammen: Die Schalk-Mühle in Fürstenfeld gewährt Wilfling einen Liefervorschuss – das Mehl, das er bezieht, muss er erst nach einem Jahr bezahlen. Mit diesem „Startkapital“ und mit viel harter Arbeit zieht man sich nach und nach aus der Krise.

Gründung in der Monarchie
Das Unternehmen war freilich lange vor diesen dramatischen Ereignissen gegründet worden: Im Jahr 1893, zur Regierungszeit Kaiser Franz Josephs also, eröffnete Johanns Großvater Ferdinand Wilfling im Haus Söchau Nr. 26 – der Betrieb befindet sich noch heute dort – die Bäckerei. Nicht immer beschränkte sich der Verkauf aufs Brot: Die Familie Wilfling handelte über Jahre mit „Viktualien und Landesprodukten“. Von Lebensmitteln für den täglichen Gebrauch über Brennstoffe bis hin zum Kälberstrick – alles war bei ihr erhältlich. Zwischenzeitlich betrieb man im Haus zudem eine Außenstelle der Grazer Wechselseitigen Versicherung, eine der ersten GRAWE-Stellen in der Region überhaupt.

Café als Künstlertreff
Ein weiterer Meilenstein in der Betriebsgeschichte ereignete sich 1971: Johann Wilflings Sohn Johann junior, der die vierte Unternehmergeneration verkörpert, baute die Bäckerei aus und eröffnete zusammen mit seiner Frau Renate das hauseigene Kaffeehaus. Der passionierte Musiker, der selbst eine Band gegründet hatte, sorgte mit seiner Familie dafür, dass das Lokal nicht nur wegen der hausgemachten Mehlspeisen zum echten Publikumsmagneten wurde: Musik-Größen wie Carl Peyer, STS, Boris Bukowski, Casey Jones oder Andreas Gabalier und Fernsehstars wie Frank Hoffmann (bekannt als Moderator der Sendung „Trailer“) oder Wolfram Berger (u. a. Tatort, Trautmann) gaben sich hier über Jahre die Klinke in die Hand, zum Teil sind sie Stammgäste. Noch heute richtet die Familie Wilfling im benachbarten „Kräutergarten“, dessen Errichtung man seinerzeit mitinitiierte, regelmäßig Konzerte und Lesungen aus.

Im Kaffeehaus ebenfalls eine Institution: der Schachklub „Café Wilfling“, der hier seit 40 Jahren beheimatet ist und derzeit vier Mannschaften – drei Herren- und eine Damenmannschaft – im Meisterschaftsbetrieb stellt.

Liebe zum Handwerk
Seit 2010 führt Johannes Wilfling, der Sohn von Johann Wilfling junior, den Betrieb, der momentan acht Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Die Philosophie ist auch in Generation Nummer fünf dieselbe geblieben: Liebe zum Handwerk und zum Produkt, Verbundenheit mit der Region. Immer noch backt man bei Wilfling mit dem 60 Jahre alten Holzofen. Die große Produktpalette reicht von der Semmel über das Bauernbrot bis hin zur Riesenschaumrolle. Eine besondere Spezialität des Hauses: das „Söchauer Brot“, dessen Zutaten zu 100 Prozent von Lieferanten aus der Gemeinde Söchau stammen.

Gegründet 1893, steht die Bäckerei Wilfling auch heute noch – geführt in bereits fünfter Generation – für Liebe zum Produkt sowie Verbundenheit mit der Region.






