Expansion mit Forschungs-Power
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Anita Frauwallner, Gründerin & Geschäftsführerin des Instituts Allergosan in Graz © Foto Fischer
Mit Omni-Biotic hat das Grazer Institut AllergoSan die Spitze des mitteleuropäischen Markts für Probiotika erobert. Der Rest der Welt soll bald folgen, wenn es nach den Plänen der Firmenchefin Anita Frauwallner geht.
Der Fachkräftemangel verschafft Anita Frauwallner keine schlaflosen Nächte. Mit 1. Februar konnte sie wieder sechs neue Mitarbeiter im Institut AllergoSan begrüßen, über 400 sind es im Unternehmen mittlerweile insgesamt. „Ich bin immer wieder perplex, wie viele Bewerbungen wir erhalten. Erst unlängst haben wir eine fachlich anspruchsvolle Position ausgeschrieben, für die sich 18 Interessenten meldeten. Zehn davon waren extrem gut, wir konnten uns die Besten aussuchen“, sagt die Firmenchefin, die sich noch gut daran erinnert, mit einer einzigen Mitarbeiterin angefangen zu haben.
Das war im Jahr 1991. Mit allergenfreien Nahrungsergänzungsmitteln gegen chronische Hauterkrankungen wie Neurodermitis und Psoriasis startete das Institut, ausgehend von einer Grazer Innenstadt-apotheke. Frauwallner übernahm 1992 die Führung und setzte auf Probiotika für eine gesunde Verdauung. Das Konzept ging auf: Heute ist AllergoSan mit Produkten seiner Marke Omni-Biotic Marktführer für Probiotika im deutschsprachigen Raum und spielt weltweit unter den Top drei mit. „Vor 30 Jahren hätte ich mir das nicht vorstellen können, dass man einmal Telefonate mit Spitzenforschern aus der ganzen Welt führen wird. Renommierteste Wissenschaftler rufen bei uns an und fragen, ob sie mit unseren Produkten Studien durchführen dürfen“, sagt Frauwallner.
Neues Forschungsfeld
Die Darmexpertin beschreibt die Forschung als ihre persönliche Leidenschaft und hat mit dem Institut AllergoSan ein Kompetenzzentrum für die Mikrobiomforschung aufgebaut. Der noch relativ junge Forschungszweig beschäftigt sich mit der Zusammensetzung des menschlichen Bakterienhaushalts, der vor allem im Darm, aber auch im gesamten Körper großen Einfluss auf die Gesundheit hat. Frauwallner: „Wissenschaftliche Belege gibt es unter anderem für die Depression, Fettlebererkrankungen oder chronisch entzündete Wunden, die mit dem Mikrobiom im Darm in Zusammenhang stehen. Wir arbeiten daran, diese Probleme gezielt mit Probiotika in den Griff zu bekommen. Wenn uns das gelingt, werden wir zur Nummer eins weltweit aufsteigen.“
Ein ambitioniertes Ziel, das sich nahtlos in die expansive Unternehmensstrategie von AllergoSan einfügt. Erst im letzten Jahr konnte das Flaggschiff Omni-Biotic in vier weiteren Ländern in den Vertrieb gehen. Ein Auge hat Frauwallner auf den großen chinesischen Markt geworfen, wo man Zulassungen beantragt hat. Eine weitere Front wird indes am heimischen Markt bearbeitet: AllergoSan bemüht sich schon seit Jahren darum, dass indikationsspezifische Probiotika für die begleitende Therapie bei Antibiotikaeinnahme auch von den Gesundheitskassen übernommen werden. „Das ist mir persönlich wichtig und wäre einer meiner größten Erfolge, wenn die Versicherungsträger davon überzeugt werden könnten, dass nicht nur klassische Arzneimittel der Gesundheit zuträglich sind“, sagt Frauwallner. Diesen Anspruch kann sie nicht nur durch zahlreiche Studien an internationalen Universitätskliniken untermauern, sondern auch mit einem nicht zu unterschätzenden wirtschaftlichen Erfolg.

Mundpropaganda
101,5 Millionen Euro Umsatz machte das Unternehmen im Jahr 2022, über 40 Länder werden beliefert. Hinter dem Erfolg steht keine ausgeprägte Marketingmaschine, vielmehr setzt AllergoSan auf Mundpropaganda: „Die Menschen spüren die Wirkung unserer Produkte bei sich selbst. Wenn sie etwas nachhaltig überzeugt, erzählen sie das ihrer Familie, ihren Freunden und auch ihren Ärzten“, sagt Frauwallner, die sich daran erinnert, wie in den Anfangszeiten Anrufe von Medizinern eingingen, die neugierig wurden, weil sie schon von mehreren Patienten nach Omni-Biotic gefragt wurden. Als weiteren Erfolgsfaktor führt Frauwallner ihren Qualitätsanspruch ins Treffen – die Bakterienstämme, die in ihren Produkten verarbeitet werden, durchlaufen gründliche Analysen, um sicherzustellen, dass sie wirkungsvoll beim Menschen eingesetzt werden können und z. B. nicht zu Antibiotikaresistenzen führen.
Vor allem kann sich das Institut aber Zeit lassen bei der Produktentwicklung: „Anders als bei großen Pharmaunternehmen lastet auf uns kein Druck, ein neues Produkt zu einem bestimmten Termin auf den Markt zu bringen. Wir gehen erst damit raus, wenn wir mit den Tests in den eigenen Labors und mit den Ergebnissen von externen, wissenschaftlichen Studien zufrieden sind“, sagt Frauwallner.
Die großen Pharmaunternehmen haben bei ihr schon des Öfteren angeklopft und sie mit Übernahmeangeboten gelockt. Angebissen hat die 66-jährige Firmenchefin aber nicht: „Es vergeht keine Woche, wo wir nicht von großen Konzernen kontaktiert werden. Hätte ich nicht das große Glück, meinen Sohn im Unternehmen zu haben, hätte ich schon vor ein paar Jahren gesagt, ich verkaufe und verbringe meine Zeit dort, wo es schön und warm ist.“ Frauwallner wird von ihrem Sohn Bernd Assinger besonders bei den wirtschaftlichen Aspekten der Expansion unterstützt, während sie sich um Forschung sowie Beratung und Schulungen kümmert, die sich vor allem an Ärzte und Apotheken richten. Als Familienunternehmen verspürt AllergoSan auch eine große Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern: „Bei uns merkt man den Teamgeist, die Leute haben das Gefühl, zusammenzugehören, und nicht nur zufällig am selben Ort zu arbeiten“, sagt Frauwallner. Das Wohlergehen ihres Personals stellt sie über das Gewinnstreben – auch das lasse sich nur in einem familiengeführten Betrieb sicherstellen.
Steirisches Mindset
Auch in der Standortfrage setzt das Führungsteam des Institut AllergoSan auf Loyalität. „Für mich ist die Präsenz in der Steiermark extrem wichtig, nicht nur, weil mir das Steirerblut durch die Adern fließt“, sagt die gebürtige Fürstenfelderin. Man profitiere enorm vom Grazer Hochschulumfeld, das laufend frisches Fachpersonal an das Unternehmen weiterreicht. Frauwallner verbucht es auch als Erfolg und Ergebnis der intensiven Forschungsbemühungen ihres Instituts, dass die Med Uni Graz ihr Pendant in Wien in bestimmten Hochschul-Ranglisten überholen konnte.
Aber nicht nur die fachliche Expertise zählt Frauwallner zum steirischen Standortvorteil, sondern auch das hierzulande vorherrschende Mindset: „Ich bin vielleicht deshalb so stolz darauf, Steirerin zu sein, weil hier der Wille, durchzuhalten und etwas Wesentliches beizutragen, so stark ausgeprägt ist. Das ist etwas, gepaart mit viel guter Laune, das ich gerade bei meinen Mitarbeitern jeden Tag aufs Neue spüre.“






