Mobilität – die Utopie und das Machbare
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© Lupi Spuma
Ausbau der Öffis, mehr Radverkehr – Stichwort Radschnellrouten –, E-Mobilität: Mit Investitionen in diesen Mix wollen das Land Steiermark und die Stadt Graz in eine nachhaltigere Mobilitätszukunft gehen.
Über die Zukunft der Mobilität in Stadt und Land denken vielen kreative Köpfe nach. Der Grazer Verein MoVeIT (move-it-graz.at) hat letzten Herbst ein faktenbezogenes „ökologisch nachhaltiges und sozial gerechtes Verkehrssystem im Raum Graz“ vorgestellt und will zeigen, wie Mobilität in Graz 2030 aussehen könnte: Wesentlich verdichtete Straßenbahn- und S-Bahn-Netze, Regio-Busse, ein ausgebautes Radwegenetz mit einem schnellen A-Netz und vielen Rad-Querverbindungen (B-Netz) gehören da dazu. Dem Kfz-Verkehr bleiben nur die Durchzugsstraßen. Darüber hinaus wird die Stadt in verkehrsberuhigte Zonen (z. B. Körblergasse, Univiertel, Annenviertel) eingeteilt.
Die Auswirkungen wären drastisch: Das Gehen würde um 77 Prozent zunehmen, Radfahren um 150 Prozent, der Öffentliche Verkehr um 68 Prozent, der Motorisierte Individualverkehr (MIV) würde um 73 Prozent reduziert. Resultat wären weniger Fein-staub, CO2 und Stickoxide und „mehr Platz für Menschen“, so die Aktivisten, die für ihr Konzept immerhin über 12.000 Unterschriften gesammelt haben.
Eine Utopie für wahr. Die realpolitische Zukunft sieht so aus: „Wir müssen den vorhandenen Platz gerechter verteilen – Öffentlicher Verkehr (ÖV), Radverkehr und das Zufußgehen verbrauchen pro Person weniger an Fläche als der MIV, dem derzeit einschließlich Parkflächen rund 90 Prozent aller Verkehrsflächen zur Verfügung stehen“, sagt der Grazer Stadtbaudirektor Bertram Werle, der für die Stadt- und Infrastrukturentwicklung der Stadt zuständig ist.
Multimodale Knoten
Zukunftsweisend für Graz seien verknüpfte Mobilitätsangebote – die neuen multimodalen Knoten tim würden gut angenommen, zu den neun bestehenden Knoten plus fünf zusätzlichen Carsharing-Standorten kommen heuer noch zwei weitere Knoten dazu. „Auch in unseren künftigen Vorzeige-Stadtteilen Reininghaus und Smart City sind tim-Standorte fix eingeplant. Das Projekt ‚Mobility as a Service‘ (MAAS) verknüpft unsere Mobilitätsangebote in der Realität und im Kopf, eine App dient als gemeinsame Buchungsplattform für alle Angebote. Die Holding Graz Linien stellt ihre Busflotte nach und nach auf elektro- oder wasserstoffbatteriebetriebene Busse um und wir stärken die Straßenbahn als Rückgrat unseres Öffentlichen Verkehrs, etwa durch den Bau der drei neuen Linien nach Reininghaus, zur Smart City und zur Innenstadtentflechtung“, listet Werle auf.

Corona torpediert Mobilitätsziele
Und Graz will eine „Stadt der kurzen Wege“ werden. Die Angebote für Freizeit, Sport, Kultur und Grünraum sollen in fußläufiger Entfernung oder dank guter Anbindung an den Öffentlichen Verkehr an Fuß- und Radwege ohne Auto erreichbar sein. Für 2021 sollte laut Mobilitätsstrategie das Verhältnis Motorisierter Individualverkehr und Um-welt-verbund 37 Prozent zu 63 Prozent lauten (2008: 45 % : 55 %). Werle: „Das wird sich nicht ganz ausgehen, auch weil zuletzt die Corona-Krise dafür gesorgt hat, dass die Öffentlichen Verkehrsmittel kaum genutzt wurden. Zahlreiche Menschen hatten Angst und viele sind wieder aufs Auto umgestiegen.“
Durch die von der Stadt Graz gemeinsam mit dem Land Steiermark bis zum Jahr 2030 fixierte Radverkehrsoffensive werden immerhin 100 Millionen Euro in die Forcierung des Radverkehrs investiert. Werle baut auf die „Qualität unseres Radwegenetzes, das wir fein verzweigt mit sicheren und durchgehenden Radwegen samt Lückenschlüssen und attraktiv gestalteten Routen anbieten“.
Investition in E-Mobilität
Auch das Land Steiermark setzt auf mobile Zukunftskonzepte. Die Landes-strategie „Elektro-mobilität Steiermark 2030“ sieht die flächendeckende Einführung der Elektromobilität in der Steiermark vor. „Mit unserer Förderung für E-Car-Sharing-Projekte in Gemeinden und Betrieben wurden ins-gesamt 58 Gemeinden und 18 Betriebe erreicht. Mit einem Fördervolumen von insgesamt 2,1 Millionen Euro werden 78 E-Autos angeschafft, die der Bevölkerung zur Verfügung gestellt werden. 146 E-Ladestellen werden aus diesen Projekten heraus errichtet“, sagt Anton Lang, für den Verkehr im Land zuständiger Landeshauptmann-Vize.

Landes-Verkehrsreferent Anton Lang setzt auf Investitionen in E-Mobilität, Attraktivierung des Schienennetzes und unterstützt Graz bei der Radverkehrsoffensive.
110 Millionen Euro für Schienenausbau
Die 2007 gestartete steirische S-Bahn ist ein Erfolgsrezept des ÖV. 2019 verzeichnete man ein Fahrgastplus von 58 Prozent im Vergleich zur Zeit vor der S-Bahn. Im Verbundtarif werden pro Jahr rund 123 Millionen Fahrgäste befördert. Im aktuellen S-Bahn-Fahrplan 2020 gibt es 42 zusätzliche Verbindungen im Vergleich zu 2019.
Seit Herbst 2018 wird ein 110 Millionen Euro großes Investitionspaket zum Ausbau des regionalen Schienennetzes in der Steiermark umgesetzt. Modernisiert werden die Bahnhöfe Kapfenberg (Inbe-triebnahme Herbst 2020) und Fehring (Inbetriebnahme Winter 2020/2021). Der Umbau der Bahnhöfe Wartberg, Leoben-Lerchenfeld, Allerheiligen und Raaba-Grambach soll gleichfalls kommen.
„Auch in Regionen, wo keine Bahntrassen vorhanden sind, will das Land ein attraktives Angebot mit Bussen schaffen“, so Lang. So ist der Busverkehr zwischen Leoben und Trofaiach auf einen Viertelstundentakt und der Korridor Graz-Nord auf einen Halbstundentakt verdichtet worden. Menschen aus den Seitentälern werde der Zugang zu den Hauptachsen über das Mikro-ÖV-Programm ermöglicht werden.






