Nach der Transformation ist vor der Transformation
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Immer wieder stand der Wirtschaftsstandort Steiermark vor großen Herausforderungen – und konnte diese im Wesentlichen gut bewältigen. Sich auf den Lorbeeren auszuruhen, ist jedoch keine Option.
Die strukturellen Problemstellungen nach dem Ersten Weltkrieg, die verheerenden Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise in den 1930er-Jahren und die schweren Zerstörungen durch den Zweiten Weltkrieg – trotz all der Rückschläge befand sich die steirische Wirtschaft ab den 1950er-Jahren im Aufwind, nicht zuletzt wegen der Hilfeleistungen aus dem US-amerikanischen Marshallplan und wegen der – seit 1946 – verstaatlichten Industrie, die sich als Flaggschiff entpuppte und in der Mur-Mürz-Furche (Alpine, Böhler) stark vertreten war.
Wandel zum modernen Wirtschafts- und Wissensraum
Durch die „Ölpreisschocks“ der 1970er-Jahre, die veritable Wirtschaftskrisen nach sich zogen, wendete sich das Blatt. Die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Verstaatlichten, aber auch vieler anderer Betriebe, stand schwer infrage. Die Krise schien allgegenwärtig; Betriebsschließungen standen im Raum, nicht wenige befürchteten gar eine Deindustrialisierung. Die Steiermark, die sich gerade bei der Verstaatlichten viele Jahre auf den Bund verlassen hatte, musste sich neu erfinden. Man tat dies, unter schmerzhaften Einschnitten, am Ende durchaus erfolgreich: durch moderne regionalpolitische Maßnahmen, durch innovative Konzepte und einen starken Fokus auf Forschung und Entwicklung. Dafür verantwortlich: Landespolitiker, Sozialpartner und Interessenvertreter, die sich im selben Boot wähnten und an einem Strang zogen. Hinzu kam eine neue, innovative Unternehmergeneration, die in globalen Maßstäben dachte. Neugründungen von Bildungs-, Forschungs- und Technologieeinrichtungen (Höhere Technische Lehranstalten, Fachhochschulen, Technologieparks) und ein damit verbundener, intensiver Brückenschlag zur regionalen Wirtschaft waren Ausdruck dieser Entwicklung; ebenso die Neupositionierung mit dem „Autocluster“. Das neu gewonnene Selbstbewusstsein offenbarte sich darüber hinaus durch nachhaltige Investitionen in strukturschwächeren Gebieten (z. B. Thermen, Verkehrsinfrastruktur). Zusätzlichen Auftrieb erhielt der Wirtschaftsstandort Steiermark durch die Ostöffnung 1989 und den EU-Beitritt 1995. In Summe konnte der Transformationsprozess seit den 1970er-Jahren, der Wandel zu einem modernen Wirtschafts- und Wissensraum, erfolgreich bewältigt werden.
Neue Herausforderungen
Aber nach der Transformation ist vor der Transformation. War schon die Wirtschaftskrise 2008 ein echter Gradmesser, so steht die Steiermark heute durch Digitalisierung (KI) und Dekarbonisierung wie generell durch die multiplen Krisen der Gegenwart und der jüngsten Vergangenheit (Lockdowns, Inflation, Energiepreisexplosion) vor noch größeren Herausforderungen. Die Rezession, die Österreich in ihrem Griff hat, geht – logischerweise – auch an der „Grünen Mark“ nicht spurlos vorüber. Sich auf den Lorbeeren des Erreichten auszuruhen, ist also keine Option. Zur Sicherung der steirischen Wettbewerbsfähigkeit sind auch dieses Mal wieder Ideen und Initiativen durch die Landespolitik gefragt.
„Wir müssen Deregulierungsmaßnahmen setzen und Verfahren beschleunigen. Das sind wichtige Schrauben, an denen wir gemeinsam drehen, um die Wettbewerbsfähigkeit der Steiermark zu erhöhen.“
Christopher DrexlerLandeshauptmann„Wir legen in unserer politischen Arbeit größten Wert darauf, dass wir an der Wettbewerbsfähigkeit arbeiten. Das gilt für Europa, für Österreich, aber natürlich auch für uns in der Steiermark. Wir müssen Deregulierungsmaßnahmen setzen und Verfahren beschleunigen. Das sind wichtige Schrauben, an denen wir gemeinsam drehen, um die Wettbewerbsfähigkeit der Steiermark zu erhöhen. Diese Potenziale wollen wir gemeinsam mit den Sozialpartnern und den Fraktionen identifizieren und heben“, erklärt Landeshauptmann Christopher Drexler.
Vor allem aber fällt der Politik in Zeiten wie diesen die Rolle zu, einerseits Probleme klar zu benennen, andererseits aber auch Mut zu machen und neue Wege, Leuchtturmprojekte, aufzuzeigen. „Ein wesentliches Jahrhundertprojekt für die Steiermark ist mit Sicherheit die Koralmbahn, die für die heimische Wirtschaft enorme Chancen mit sich bringt. Um unsere Stärken noch besser hervorzuheben und sie auch national wie international noch sichtbarer zu machen, suchen wir bewusst die enge Zusammenarbeit mit unseren Nachbarregionen. Mit der Kärntner Landesregierung beispielsweise arbeiten wir – sogar in gemeinsamen Regierungssitzungen – daran, den Süden Österreichs als attraktiven und dynamischen Wirtschafts- und Lebensraum zu gestalten.“
Gleichzeitig ist aber auch klar, dass es damit mit Investitionen in die steirische Infrastruktur nicht getan ist. „Insbesondere der dreispurige Ausbau der A9 im Süden von Graz hat für die Steiermark eine große Priorität, da diese Autobahn zusehends überlastet ist – was uns eine wissenschaftliche Studie bestätigt“, betont Drexler.






