Anschluss für den Süden
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Die alten Herzogtümer Steiermark und Kärnten waren geografisch lange voneinander abgeschottet. Erst die Eisenbahn ließ die Bundesländer näher zusammenrücken. Der Koralmtunnel rundet die historische Entwicklung nun ab – ein neuer Wirtschaftsraum entsteht.
Kärnthen ist seit Jahren von seinen Nachbarprovinzen in jeder Beziehung überflügelt worden. Ohne Eisenbahn, gleichsam abgeschnitten aus dem directen Verkehre mit der übrigen Welt, wäre für die Dauer eine Concurrenz unserer Montanindustrie nahezu unmöglich.“
Dass diese Klage aus dem Süden ausgerechnet in der Morgenausgabe der Grazer Zeitung vom 26. Oktober 1852 zu lesen war, spricht Bände. Die Steiermark war ihrem südlichen Nachbarn damals schon zahlreiche Bahnkilometer voraus, die Arbeiten an der Südbahn in vollem Gange. Nach ihrer Fertigstellung im Jahr 1857 verband sie Wien über den Semmering durch das Mürztal bis Bruck/Mur, von dort der Mur entlang nach Graz führend, weiter nach Marburg, über Laibach mit Triest. Das Kronland Kärnten blieb vorerst auf dem Abstellgleis.
Huldigung Habsburgs
Es sollte bis 1865 dauern, ehe die Bestrebungen zur Errichtung einer Eisenbahnanbindung Kärntens Richtung Norden Fahrt aufnehmen konnten. Ein Privatkonsortium musste zunächst die Finanzierung sicherstellen, der Staat war damals noch recht zurückhaltend, was die Unterstützung des öffentlichen Verkehrs betraf. Dem herrschenden Haus Habsburg wurde dennoch gehuldigt, und zwar mittels -Namensgebung der neuen Strecke: Am 20. Juli 1867 erfolgte die Konstituierung der Aktiengesellschaft „K. k. priv. Kronprinz-Rudolfs-Bahn“, in Anlehnung an die bereits abgesegneten West- und Nordverbindungen, die die Namen des Kaiserpaars trugen.
Als die Kronprinz-Rudolfs-Bahn 1873 schließlich vollständig eröffnet war, entstand die erste kommerzielle Eisenbahnverbindung zwischen Kärnten und der Steiermark. Die Strecke, die von Villach über Klagenfurt, St. Veit und Friesach auf der Kärntner Seite über Neumarkt, Unzmarkt und Knittelfeld nach St. Michael führt, ist heute noch die schnellste Zugverbindung in die Bundeshauptstadt. Aber nicht mehr lange: Mit der Eröffnung des Koralmtunnels im Dezember 2025 fahren Kärntner künftig über Graz nach Wien. Die Fahrtzeit verkürzt sich von vier Stunden auf knapp zwei Stunden und 40 Minuten.
Zehn Stunden nach Klagenfurt
Von solchen Fahrtdauern war zur Zeit der Habsburgermonarchie nicht einmal zu träumen. Die Reise von Marburg nach Villach über die 1864 eröffnete „Kärntner Bahn“ dauerte damals zehn Stunden – eine wesentliche Verbesserung zu den davor üblichen Postkutschen, die nur untertags unterwegs sein konnten und die Strecke von Wien nach Klagenfurt in heute unvorstellbaren fünf Tagen absolvierten. Als die Bahn schließlich dieses träge System obsolet machte, war das öffentliche Interesse überbordend: Ankommende Gäste aus Wien wurden in den Klagenfurter Gazetten mit vollem Namen und Wohnadresse abgedruckt.
Die Bahn brachte aber nicht nur Touristen in den südlichsten Landesteil, sondern auch wirtschaftlichen Aufschwung. Handelsbeziehungen konnten durch den schnelleren Transport von Waren und Rohstoffen vertieft und beschleunigt werden. Konkret profitierte etwa der Transport von Erz zu den großen eisenverarbeitenden Zentren. Das Gleiche gilt für die Steiermark, die ihrerseits mit den diversen Bahnverbindungen den Pfad zur Exportgroßmacht einschlagen konnte. Die Fertigstellung der Koralmbahn ist somit das vorerst letzte Puzzlestück in der gemeinsamen Wirtschaftsgeschichte Kärntens und der Steiermark, die beide Bundesländer immer enger zusammenwachsen ließ – zu einer Wirtschaftsregion Südösterreich.






