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Schöne neue Arbeitswelt?
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Schöne neue Arbeitswelt? © Shutterstock
Die Arbeitswelt ist im Umbruch. Der Megatrend lautet New Work. Die Grazer Unternehmen Makava und Bike Citizens leben diese neue Arbeitskultur mit 30-Stunden- und Viertagewoche und viel Selbständigkeit. Der Personalmanagement-Experte Josef Scheff ortet in der heutigen Berufswelt insgesamt ein äußerst buntes Bild.
9 bis 17 Uhr, und das fünf Tage die Woche, feste und hierarchische Kommando- und Zeitstrukturen, arbeiten quasi auf Kommando ... das war einmal. Junge Unternehmen, die sich als Teil des globalen und digitalen Zeitalters verstehen, bauen auf Konzepte wie New Work, das sich zum Megatrend in der Arbeitswelt aufschwingt, wenn es nach so manchem Arbeitsforscher geht. New Work trage dem Wandel unserer Gesellschaft von einer Industrie- zu einer Wissensgesellschaft Rechnung, wonach die Arbeitswelt einem Wertewandel von freier Arbeitsweise unterworfen sei. Zentrale Werte wie Selbstständigkeit, Teilhabe an der Gemeinschaft, Freiräume für Kreativität und Entfaltung der eigenen Persönlichkeit sollen echte „Handlungsfreiheit“ für die Arbeitenden bringen, mit selbst festgelegten Leistungszielen und Zeiteinteilung – Stichworte wie Flexibilität und Work-Life-Balance suggerieren manchmal ein Eitel-Sonnenschein- und Harmonie-Bild der Arbeit.
„Dieses Bild stimmt nur zum Teil und schon gar nicht für alle Branchen. Die Viertagewoche entspricht allerdings dem, welchen Stellenwert heute junge Menschen der Arbeit geben. Für junge Menschen geht es in der Arbeit oft viel mehr darum, Sinn zu finden. Aber da finden wir nicht nur die heile Welt. Man muss eben differenzieren: Es wird auch in Zukunft Branchen wie etwa die Industrie geben, in der Einfacharbeit ausgeübt wird, da ist ein Sinn, wie oben gewünscht, nur bedingt vermittelbar. Und es gibt Menschen, die wollen einfache Jobs machen“, erklärt Professor Josef Scheff. Er unterrichtet am Institut für Personalpolitik an der Karl-Franzens-Universität Graz und ist Experte für Personalmanagement in Klein- und Mittelunternehmen. Scheff betreibt auch das Beratungsunternehmen 361Consutling Group in Graz.
Arbeit als Wohlfühloase
Wenn es um den Wettbewerb um Mitarbeiter gehe, vor allem um die gut qualifizierten, dann zeigen sich die heutigen Bruchlinien, wie Unternehmen oder Organisationen mit dem neuen Stellenwert der Mitarbeiter umgehen: „Manche können es in Wahrheit nicht und finden dann keine geeigneten Leute. Es gibt auch andere Strömungen: Manche lassen sich was einfallen, versprechen Urlaub, so viel wie die Mitarbeiter wollen, oder andere propagieren die führungslose Organisation und geben Mitarbeitern viel Eigenverantwortung ab. Andere versprechen im Einstellungsgespräch Goodies wie Massage- und Fitness-Gutscheine. Das bekommt dann den Anschein, man muss gar nicht mehr arbeiten, Arbeit sei eine Wohlfühloase“, schildert Scheff die Extrempole.
Sympathischer sei ihm, wenn Unternehmen klare Erwartungen vermitteln: So etwa wenn ein Handelsunternehmen gute Rahmenbedingungen bietet, inklusive guter Verdienstmöglichkeiten etwa für Bachelorabsolventen, Benefits zugestehe. Aber es wird klar gesagt, es sei nicht mit einem 40-Stunden-Job getan, am 24. und 31.12. ist ein starker Tag mit dem Hauptgeschäft. „Ist das klar artikuliert, erreiche ich viele Menschen nicht mehr, aber ich weiß, die, die bei mir anfangen, die vertreten dieses Wertegerüst.“
Natürlich verändere sich die Arbeit, wie auch New Work eine Reaktion auf Arbeitsverhältnisse sei, die als nicht sinnstiftend erlebt wurden. Insofern habe, so Scheff, der Sinnanspruch von Arbeit, wie New Work ihn formuliert, auch Auswirkungen auf die Einfacharbeit etwa in der Industrie. „Trotz Automatisierung und hoher Arbeitsteiligkeit wird versucht, für die Mitarbeiter ganzheitliche, motivierende Arbeitsschritte zu etablieren, die als sinnerfüllend erlebt werden können“, schildert Scheff.
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Josef Scheff, Professor für Personalpolitik an der Uni Graz, wundert sich über versprochene Goodies so mancher Unternehmen: „Das bekommt den Anschein, man muss gar nicht mehr arbeiten, Arbeit sei eine Wohlfühloase.“ Besser seien klare Aussagen zu den Anforderungen im Job.
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Sinnstiftende Arbeit – trotzdem unattraktiv
Dass Sinn an der Arbeit allein nicht die Jobglückseligkeit herstelle, zeige sich laut Scheff auch am Beispiel von Dienstleistungsbranchen wie der Pflege. Es gebe kaum eine sinnstiftendere Arbeit als die Pflege von Menschen. Man könne dies an die Menschen klar adressieren, die eine solche Arbeit auch machen wollen. Die positive Einstellung der Menschen zur Arbeit darf vorausgesetzt werden. „Dennoch bieten Pflegeeinrichtungen zum Teil unattraktive Rahmenbedingungen, sodass der Pflegeberuf für viele Menschen als nicht mehr erstrebenswert angesehen wird“, so Scheff.
Unattraktive Arbeitsbedingungen würden es übrigens auch den Lkw-Fahrern oder dem Tourismus erschweren, Personal zu finden. Diese Branchen müssen schauen, wie sie die Arbeit attraktiver machen. „Das ist der Hebel. Neben einer sinnstiftenden Arbeit gilt es ein positives Umfeld für Arbeit zu schaffen, dann wollen die Menschen diese auch gerne ausüben“, ist Josef Scheff überzeugt.
Schließlich hätten einige Tourismus-Leitbetriebe gezeigt, wie sie sich über attraktive Rahmenbedingungen für die Mitarbeiter vom Mitbewerb abheben können. Wenn qualifiziertes Personal fehle, müssen Mitarbeiter umso mehr Wertschätzung erfahren. Darum werde in jungen Unternehmen auf gutes Human-Resource-Management besonderer Wert gelegt. Dies sei in vielen traditionellen KMU keineswegs so. „Manche fahren ohne auch ganz gut, anderen würde mehr Aufmerksamkeit für ihr Personal gut tun. Das ist eine buntes Bild“, so Personalmanagement-Experte Josef Scheff.
52 verlängerte Wochenenden
Das junge Grazer Unternehmen Bike Citizens hat das New-Work-Konzept mit einer eigenen Arbeitskultur ausgeprägt. Bereits Ende 2014 hat sich das Unternehmen freiwillig eine Viertagewoche verordnet.
„Uns geht es darum, kreative Geschichten anzustoßen. Denn eine kürzere, gut gebündelte Arbeitswoche mit vier Tagen verlangt eine strukturierte Arbeit. Insgesamt hat das eindeutig positive Effekte auf die Kreativität. Wir haben 52 verlängerte Wochenenden geschaffen und in der Freizeit kann jeder den Kopf wieder frei kriegen für neue Prozesse. Die Arbeitswoche hat maximal 36 Stunden, einige haben sich für 30 oder 32 Stunden entschieden, je nach persönlicher, familiärer Situation“, erklärt Elisabeth Felberbauer, Geschäftsführerin von Bike Citizens, das an den beiden Standorten Graz und Berlin 30 Mitarbeiter beschäftigt und mit einer selbst entwickelten Fahrrad-App erfolgreich unterwegs ist.
Es gehe um eine flexible Gestaltung des Tages für die Mitarbeiter. Dank der Möglichkeiten der digitalen Prozesse sei das auch unabhängig von Zeit und Ort möglich. „Das ist eigentlich das Ziel, ja“, so Felberbauer.
© Bike Citizens
Elisabeth Felberbauer, Geschäftsführerin von Bike Citizens, das mit einer selbst entwickelten Fahrrad-App erfolgreich ist: „Wir wollen kreative Geschichten anstoßen. Eine kürzere, gut gebündelte Arbeitswoche mit vier Tagen verlangt eine strukturierte Arbeit.“
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Die Komik der neuen Kommunikation
Am Vormittag sei es deshalb oft sehr still im Unternehmen, weil alle konzentriert arbeiten. Meetings finden eher nachmittags statt und dauern teilweise nicht länger als eine halbe Stunde. Längere Meetings gebe es dafür einmal im Monat.
Corona habe auch bei Bike Citizens Kurzarbeit und Homeoffice notwendig gemacht, mit den bereits bekannten Schwierigkeiten, wenn bis zu zehn Personen in Homeoffice über Zoom miteinander kommunizieren, sich nicht alle sehen, weil es technisch nicht geht. Doch die digitalen Meetings haben auch Vorteile mit sich gebracht: „Jetzt kann ich einfach digital bei Kundenterminen in Deutschland dabei sein. Früher hätte man es komisch gefunden, wenn man einfach den Laptop aufklappt und so seine Kollegin mit zum Gespräch bringt. Jetzt ist das völlig normal“, wundert sich Felberbauer selber.

30 Stunden bei vollem Lohnausgleich – das geht
Ähnlich „tickt“ Makava, die Grazer Firma stellt biologischen Mate-Eistee her, agiert fair und CO2-neutral und ist Genossenschafter der Bank für Gemeinwohl. Ebenfalls seit 2015 hat Makava die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich eingeführt, zudem gönnt die Firma ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern freiwillig sechs Wochen Urlaub, so Vertriebsleiter Klaus Krivacek, der „seit dem ersten Tropfen immer wieder dabei ist“, seit 2012 fix angestellt und einer der drei Gesellschafter des Unternehmens ist.
„Makava ist anders und als ökosoziales Unternehmen gehen wir auch andere Wege. Wir sind familienfreundlich und wollen sie nicht ausbeuten und mit Selbstverwaltung unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Gestaltungsfreiraum geben, bei entsprechender Einhaltung der Spielregeln natürlich. Es geht uns um Work-Life-Balance, denn gut leben ist schließlich das höchste Gut – und dies bei einer angemessenen und über dem Kollektivvertrag liegenden Bezahlung“ sagt Krivacek.
Bei aller Selbständigkeit kontrolliere eine CAM-Datenbank doch die Anzahl der Kundenbesuche oder Telefonate. Da gehe es nicht darum, dass Vertriebsmitarbeiter bestimmte Umsatzzahlen „bringen“ müssen, sondern eher sich selbst ein Netzwerk aufbauen, wo Kundenservice dann von selbst an oberster Stelle steht, durch den persönlichen Kontakt.
Corona macht auch Makava wie der Gastronomie zu schaffen: Noch bis Ende September wird Kurzarbeit gearbeitet: mindestens 40 Prozent sind die Außendienstmitarbeiter im Einsatz, mindestens 30 Prozent die Büromitarbeiter. Krivacek: „Wir hoffen am Ende des Jahres auf eine schwarze Null, was trotz Corona schon ein Riesenerfolg wäre.“

Der Grazer Mate-Eistee-Hersteller Makava führte 2015 die 30-Stundenwoche bei vollem Lohnausgleich ein und gewährt den MitarbeiterInnen sechs Wochen Urlaub. „Mit Selbstverwaltung geben wir Gestaltungsfreiraum. Es geht uns um Work-Life-Balance“, sagt Klaus Krivacek, Makava-Vertriebsleiter und Mann der ersten Stunde.
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