Vom Eiswerk zum E-Werk
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© Elektrizitätswerk Gösting V. Franz Gmbh
Im Norden von Graz ist das „E-Werk Franz“ Netzbetreiber und Stromlieferant seit über 120 Jahren. Die traditionsreiche Geschichte wurde maßgeblich von der Unternehmerfamilie Franz geprägt.
Carl Franz legte im Jahr 1864 den Grundstein für die unternehmerische Tätigkeit: In seiner Heimatgemeinde Deutschlandsberg beteiligte er sich an der Zündwarenfabrik des Kaufmannes Florian Pojatzi, die sich zur führenden Zündholzerzeugung in der Habsburgermonarchie entwickelte. Über den Umschlagplatz Triest exportierte das Unternehmen bis nach China.
Eiswerk statt Fahrradfabrik
Rund 30 Jahre später suchte Carl Franz eine neue Herausforderung und fand diese in der Fahrradproduktion mit Benedict Albl und in der Marke „Meteor“ – sein ältester Sohn hatte sich hier ursprünglich engagiert, zog sich aber nach einem Werksbrand aus dem Geschäft zurück. 1898 kaufte Carl Franz eine stillgelegte Jesuitenmühle mit dem dazugehörigen Grundbesitz, auf dessen Gelände sich heute das E-Werk Franz befindet. Eigentlich hatte Franz die Fahrradproduktion hierher verlegen wollen, die Familie verfolgte dann jedoch eine andere Idee: Ihr schwebte die Errichtung eines Eiswerks zur Erzeugung von Blockeis für Eiskeller sowie ein Kühllagerhaus vor. Eiskeller mit eingelagerten Eisblöcken waren im späten 19. Jahrhundert die wirtschaftlichste Form der Kühlung und waren beispielweise in Brauereien in Gebrauch. Erst nach und nach lösten Kältemaschinen und Industriekühlschränke diese traditionelle Methode ab.

Das E-Werk entsteht
Es war mit Viktor Franz bereits die nächste Familiengeneration, die Nägel mit Köpfen machte und das Eiswerk errichtete. Die Firmengründung erfolgte unter dem Namen „Eiswerk Göstinger Mauth V. Franz“. Da man Antriebsenergie für den Kühlkompressor im Kühllagerhaus benötigte, wollte man die Wasserkraft des angrenzenden Mühlganges nutzen und erbat daher 1901 bei der k.k. Bezirkshauptmannschaft in Graz die Bewilligung einer Wasserkraftanlage mit einer Leistung von 150 kW. Schon bald stellte sich die Vermarktung der überschüssigen Energie aus der eigenen Erzeugung als zusätzliches Geschäftsmodell heraus. Beliefert wurden damals vor allem die umliegenden Betriebe. Dementsprechend verlagerte sich der unternehmerische Schwerpunkt und man suchte um die Berechtigung zum gewerbsmäßigen Betrieb eines E-Werks an. Nachdem diese im Jahr 1905 erteilt worden war, startete der Netzausbau, wobei nacheinander Andritz und Thal an das eigene Stromnetz angeschlossen wurden. Logische Folge dieser Entwicklung: Die Änderung der Firmenbezeichnung in „Eiswerk Göstinger Mauth und Elektrizitätswerk Gösting V. Franz“.

Schwere Kriegsschäden
Erich Franz, der Sohn von Viktor Franz, übernahm 1938 in schwierigen Zeiten das Unternehmen. Das Kraftwerk wurde zunächst modernisiert und mit zwei Francis-Schachtturbinen ausgestattet, es trug jedoch während des Zweiten Weltkriegs durch mehrere Bombentreffer schwere Schäden davon. Nach Kriegsende vereitelte der Ersatzteilmangel eine rasche Wiederaufnahme des Betriebs, sodass diese erst 1950 gelang. Unternehmen und Versorgungsnetz wurden in den folgenden Jahrzehnten kontinuierlich ausgebaut und erweitert. Das Versorgungsnetz des E-Werks Gösting, besser bekannt unter dem Namen „E-Werk FRANZ“, umfasst heute eine Fläche von über 72 km². Der Ausbau der Eigenerzeugung, des Glasfaser-Internets sowie des Strom- und E-Mobilitätsnetzes für die Energiewende zählt zu den aktuellen Herausforderungen des Unternehmens.
Von damals bis heute






