Energie
Zwei Pioniere – eine Vision
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Franz Pichler und Richard Hofbauer – zwei Unternehmer, Vordenker und Pioniere, die eine Vision einte: die Elektrifizierung in großem Stil in die Steiermark zu bringen.
Wie kaum eine andere Region war die Steiermark in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts ein Eldorado und Silicon Valley für die neu aufkommende Elektrizität. In einer Dichte wie nirgendwo sonst arbeiteten und entwickelten in Graz und Weiz die besten Techniker und bauten risikobereite Unternehmer wie Franz Pichler das erste Mehrphasenkraftwerk der Monarchie, sie errichteten den ersten Verbund zweier Kraftwerke, errichteten das größte Flusskraftwerk Mitteleuropas an der untersteirischen Drau und konzipierten eine Landes-Sammelschiene mit einem landeseigenen Kraftwerk. Neben ebenso risikobereiten Banken und Schweizer Investoren war es vor allem Richard Hofbauer, der die steirische Elektrizitätswirtschaft Anfang der 1920er-Jahre aufbaute und für die folgenden Jahrzehnte leistungsfähig machte – durch eine Kombination von Staat/Land und Privaten.

Franz Pichler
Das erste Mehrphasenkraftwerk der Monarchie
Am Anfang des Stroms standen in der Steiermark nicht nur viele kleine Stromproduzenten in Bergbauen, Städten und an kleinen Flüssen, um Licht zu erzeugen, sondern vor allem ein Mann in Weiz: Franz Pichler, wohl der bekannteste steirische Strom-Pionier des Landes. Mit seinem ersten Mehrphasenkraftwerk der Monarchie am Weizbach beschritt er einen völlig neuen, zukunftsweisenden Weg und schrieb internationale Technikgeschichte. Am 18. Februar 1866 in Weiz geboren, Sohn eines Müllermeisters, studierte Pichler an der Technischen Hochschule in Graz Maschinenbau. Gegen den Rat seiner Professoren elektrifizierte er noch als Student die elterliche Mühle mit Gleichstrom und stattete sie mit einigen Edison-Glühlampen aus. Schon um 1890 plante Pichler für die damalige Zeit Ungeheures: die ganze Stadt Weiz zu beleuchten. Er hatte auf einer Elektro-Ausstellung in Frankfurt/Main die Möglichkeit entdeckt, eine hohe Stromstärke mit geringer Spannung in geringe Stromstärke mit hoher Spannung umzuwandeln: Das Prinzip des Transformators für Wechsel- und Mehrphasenstrom (Drehstrom) war geboren. Zurück aus Frankfurt, den Kopf voller Ideen und Tatkraft, heiratete er seine Cousine Tina und erneuerte seine Kraftwerkspläne, baute ein Zweiphasenkraftwerk am Weizbach und nahm es am 19. Mai 1892 in Betrieb – das erste dieser Art in der K.-u.-k.-Monarchie.
Schnell war man auf den Weizer Pionier aufmerksam geworden, vor allem, weil er ein komplettes Leistungspaket zur Elektrifizierung anbot: elektrischen Strom, Apparate, Glühbirnen und dazu die komplette Installation. Der erste große Auftrag zur Elektrifizierung kam von den Grazer Puchwerken, weitere folgten, sodass eine deutliche Erweiterung der Produktionshalle erforderlich wurde. Das dafür notwendige Kapital erhielt Pichler gegen eine Firmenbeteiligung 1897 von Ing. Hans Masal, einem Studienfreund aus Prag. Das „Weizer E‑Werk Franz Pichler & Co“, wie sich das Unternehmen nun nannte, war zur Jahrhundertwende bereits so etabliert, dass die deutsche Konkurrenz – Siemens und AEG – darauf aufmerksam wurde. Zur Absicherung und Stärkung des eigenen Unternehmens verband sich Franz Pichler im Jahr 1900 mit der Wiener „Gesellschaft für Elektrische Energie“.
Dies bedeutete für die Pichlerwerke einerseits eine deutliche Erweiterung des Geschäftsfeldes und der Betriebsanlagen, andererseits aber auch die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft, an der Pichler und Masal nur noch ein Drittel des Aktienkapitals hielten. 1909 eröffnete der Unternehmer an der Raab noch das erste kombinierte Fluss-Staukraftwerk der Steiermark mit einem Stausee für den Tagesspitzenausgleich. Zehn Jahre später starb Franz Pichler, kaum 54-jährig, am 28. August 1919 an einem Herzinfarkt.

Richard Hofbauer
Pionier der steirischen Stromwirtschaft
Richard Alfred Hofbauer wurde am 6. Juni 1873 als Sohn des Wiener Eisenbahnunternehmers Ing. Karl Hofbauer in Graz geboren und in der Heilandskirche getauft. Er studierte an der Technischen Hochschule in Graz das Baufach, das er 1896 mit der Graduierung zum Ingenieur abschloss. Nach Absolvierung des Militärdienstes heiratete Richard Hofbauer, wieder in der Grazer Heilandskirche, Franziska, geb. Rusizcka. Der Ehe ersprossen vier Kinder.
Der Grazer fand eine Anstellung im Amt der Steiermärkischen Landesregierung, wo er zunächst im Straßen- und Brückenbauamt, später bei den zahlreichen Flussregulierungen und schließlich beim Eisenbahnbau, vor allem beim Neubau von Nebenlinien, eingesetzt wurde. Initiativ wirkte er am Bau der Bahnlinie von Weiz nach Birkfeld und weiter nach Ratten mit. Kurz nach Kriegsende unterschrieb Hofbauer neben seiner Arbeit in der Landesbaudirektion noch einen Dienstvertrag in der für das Land tätigen Gesellschaft zur „Vorbereitung der steirischen Wasserkräfte“ und wurde deren Technischer Direktor. Ihm oblag nun „die oberste Leitung aller technischen Angelegenheiten und Belange der Gesellschaft und die Berichterstattung bezüglich der technischen Angelegenheiten in den Sitzungen der Geschäftsführung“.
Keine zwei Jahre später wurde aus der „Vorbereitenden Gesellschaft“ die neu gegründete STEWEAG. Hofbauer wurde ihr Direktor und am 1. Oktober 1923 ihr Generaldirektor. Dem Vorstand des Landesunternehmens gehörten noch Kurt K. Tanzer, Ing. Karl Augustin sowie Hofbauers zeitweiliger Widerpart, der einer alteingesessenen, angesehenen Familie aus Pettau/Ptuj entstammende Ing. Josef Ornig, an.
Am 25. Februar 1922 heiratete Hofbauer ein zweites Mal. Aus der Ehe mit der wesentlich jüngeren Emma Maria Anna Barton, geb. am 12. April 1894, gingen keine Kinder mehr hervor. 1928 trat Hofbauer im Alter von 55 Jahren seinen Ruhestand an. Nur sieben Jahre später verstarb er am 8. November 1935 in Graz an den Folgen eines Schlaganfalls.






